Terrorgruppe "Kommando Angry Birds": Die Industrie-Feinde

Terrorgruppe "Kommando Angry Birds":Linke Anschläge: Sie wollen Deutschlands Industrie zerstören

von Julia Klaus, Nils Metzger

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Das "Kommando Angry Birds" bekennt sich zu Anschlägen auf die Bahn und kritische Infrastruktur. Im Netz kursieren Sabotage-Anleitungen. Aber Behörden tappen seit Jahren im Dunkeln.

Einsatzkräfte der Feuerwehr löschen einen Böschungsbrand an einer Bahnstrecke.

Nach Bränden an der Strecke Köln Düsseldorf gehen Ermittler von Sabotage aus. Ein Bekennerschreiben einer linksextremen Gruppe ist aufgetaucht.

11.07.2026 | 1:07 min

Erst am Freitag brannte es wieder; Züge standen still. Ein Kabelbrand auf der Bahnstrecke zwischen Köln und Düsseldorf führte zu massiven Störungen im ohnehin verzögerungsanfälligen Betrieb der Bahn. Kurz darauf wurde ein Bekennerschreiben auf der linksextremen Plattform Indymedia veröffentlicht. Die Gruppe, die verantwortlich sein will, ist den Behörden gut bekannt - sie nennt sich "Kommando Angry Birds".

Welche Anschläge soll "Kommando Angry Birds" verursacht haben?

In acht Fällen seit 2023 hat sich die Gruppe mit Bekennerschreiben auf Szene-Plattformen zu Anschlägen bekannt. Meist war die Bahn betroffen, in je einem Fall auch ein Umspannwerk sowie Funkmasten - alles in Nordrhein-Westfalen.

Zu diesen Anschlägen bekannte sich "Kommando Angry Birds":

  • 10. Juli 2026: Brände beschädigen Signalkabel an der Bahnstrecke zwischen Köln und Düsseldorf
  • Januar 2026: Ein Anschlag auf das Umspannwerk Erkrath scheitert, Behörden finden einen nicht gezündeten Brandsatz
  • 31. Juli 2025: Kabelbrand an der Bahnstrecke zwischen Düsseldorf und Duisburg
  • Mai 2025: Brandsätze an drei Funkmasten in Erkrath, Hilden und Langenfeld
  • 24. Januar 2025: Sabotage führt zur mehrstündigen Sperrung der Güterverkehrstrecke der Bahn zwischen Düsseldorf und Köln
  • 21. August 2024: Brandanschlag auf Signalkabel der Bahn bei Mettmann
  • 9. Januar 2024: Brandsätze an einer Bahnstrecke bei Düsseldorf
  • Januar bis April 2023: Innerhalb von vier Monaten will die Gruppe fünf Brandanschläge auf Bahn-Signalkabel im Großraum Düsseldorf verübt haben

Die Schäden der Anschläge gehen in die Millionen.

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Wie geht die Gruppe vor?

Nach Behördeneinschätzung geht "Kommando Angry Birds" wohlüberlegt vor. Man versuche Ziele zu treffen, die "bei geringstmöglichem Risiko den größtmöglichen Schaden versprechen", schreibt der NRW-Verfassungsschutz in seinem Jahresbericht für 2025. Die Bahn sei dabei ein geeignetes Ziel, "da die Infrastruktur zumeist im Freien liegt und entfernt von möglichen Zeugen der Tat".

Signalanlagen und Kabelschächte haben sich dabei immer wieder als besonders verwundbar erwiesen, weil die Bahn bei solchen Schäden gezwungen ist, die gesamte Strecke stillzulegen.

Bislang konnte kein Mitglied der linksextremistischen Gruppe gefasst werden; die Größe der Organisation ist nicht bekannt. Auch künftig sei mit weiteren Aktionen und Straftaten zu rechnen, schreibt der Verfassungsschutz in NRW.

Offenbar versucht man auch Nachahmer anzustiften: Im Netz verbreitet "Kommando Angry Birds" mehrere Anleitungen zur Sabotage von Infrastruktur und zum Bau von Brandsätzen. Dabei setzt man auf handelsübliche Bauteile, die teils sogar mit simplen Mitteln wie einem Eiswürfel als zeitverzögertem Zünder funktionieren.

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Warum Angriffe auf die Bahn oder Stromleitungen?

Ziel von "Kommando Angry Birds" ist es, das öffentliche Leben in ganz Deutschland zum Stillstand zu bringen. In einem Papier vom Januar 2026 beschreibt die Gruppe großangelegte Pläne: "In einem ersten Schlag könnten nun eines Nachts an bis zu 50 Tatorten in Deutschland gleichzeitig zum Beispiel Aktionen gegen die Bahn durchgeführt werden. (...) Der gesamte Schienenverkehr in Deutschland würde für einige Tage stillstehen."

Nach ein paar Monaten könnten es 50 Funkmasten sein. Wieder ein paar Monate später zehn Hochspannungsleitungen.

Strategiepapier von "Kommando Angry Birds"

Auch das Lahmlegen von Flughäfen mit Drohnen wird erwähnt. All das würde dazu führen, dass "umweltzerstörende Unternehmen das Land verlassen", "Bündnispartner die Fähigkeit Deutschlands als Drehscheibe der Nato anzweifeln", oder "Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit Deutschlands herabstufen", schreibt die Gruppe.

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Was möchte die Terrorgruppe damit erreichen?

Als Motiv nennt "Kommando Angry Birds" die Zerstörung von Natur und fordert eine "post-industrielle Gesellschaft" und den Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung. "Der Weg zur post-industriellen Gesellschaft wird uns einige schwere Opfer abverlangen." Aber Errungenschaften wie moderne Medizin seien einer "Hysterie" geschuldet.

Diese Bewegung wird verhindern, dass der Planet geschreddert wird. Wir bitten dazu nicht um Erlaubnis.

Bekennerschreiben von "Kommando Angry Birds"

Der NRW-Verfassungsschutz ordnet "Kommando Angry Birds" darum einer linksextremistischen Strömung des sogenannten "Anarchoprimitivismus" zu. Er strebe eine Rückkehr "zur vorindustriellen Zeit" an, jegliche industrielle Infrastruktur solle sabotiert werden, schreiben die Verfassungsschützer.

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Wie vernetzt ist die Gruppe?

Es ist bislang wenig zum Hintergrund der Täter bekannt. Spuren im Internet deuten auf eine international vernetzte Gruppe hin. Mehrere der Sabotage-Anleitungen mit "Angry Birds"-Logo wurden in mehreren Sprachen erstellt und auf verschiedenen Blogs verbreitet. Die gleichen Webseiten dokumentieren auch vergleichbare Sabotageaktivitäten extremistischer Gruppen in Italien, Spanien oder Frankreich.

"Kommando Angry Birds" wirbt in Strategiepapieren dafür, möglichst kleine und autonom agierende Gruppen mit vielen Sicherheitsvorkehrungen zu unterhalten. Wer Alkohol trinkt oder Drogen nimmt, werde nicht aufgenommen. Dort wird auch zwischen Koordinatoren ("Taktgebern"), Logistikern und Mitgliedern im "Frontdienst" unterschieden.

Ob direkte Verbindungen zu den ähnlich agierenden "Vulkangruppen" in anderen Bundesländern existieren, sei bislang nicht bekannt, teilte das NRW-Innenministerium dem Landtag im Februar mit. Die "Vulkangruppe" war etwa mit Anschlägen auf den Autohersteller Tesla und andere Ziele in und um Berlin aufgefallen. Erst Anfang des Jahres waren Zehntausende Haushalte tagelang ohne Strom.

Es ist davon auszugehen, dass das "Kommando Angry Birds" in der linksextremistischen Szene gut vernetzt ist. Die Vernetzung und Bedeutung innerhalb der Szene zeigen sich in dem koordinierten Zusammenwirken mit weiteren Gruppen und Kampagnen (...).

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Was macht die Politik, um "Kommando Angry Birds" zu fassen?

"Kommando Angry Birds" ist nun seit mehr als drei Jahren aktiv, die Anschläge der Gruppe haben wiederholt schwere Schäden angerichtet. Dennoch konnten die Behörden bei der Aufklärung der Serie bislang keine Erfolge vermelden.

Marc Henrichmann, CDU-Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des die Nachrichtendienste kontrollierenden Parlamentarischen Kontrollgremiums, warnt:

Die Angriffe auf unsere kritische Infrastruktur nehmen zu, sie werden professioneller.

Marc Henrichmann, CDU

"Es enthüllt auch die Scheinheiligkeit solcher Gruppierungen, denn die Anschläge treffen nicht 'das System’, sondern Pendler, Familien, Menschen im Rettungsdienst, die auf funktionierende Infrastruktur angewiesen sind", betont Henrichmann. Solcher Linksterrorismus nehme die Gefährdung von Menschenleben billigend in Kauf.

Henrichmann verweist auf die anstehende Reform der Nachrichtendienste. Davon erhofft er sich Ergebnisse - auch gegen "Kommando Angry Birds". Der Datenaustausch zwischen Diensten und Polizei soll damit erleichtert und Daten auch länger gespeichert werden können.

"Kommando Angry Birds" selbst gibt sich gelassen: "Wir wollen uns nicht mit der Polizei messen, sondern da zuschlagen, wo sie nicht sind und dann, wenn sie es nicht erwarten."

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