Unions-Abweichler bleiben hart:Junge Gruppe: "Nicht zustimmungsfähig - dabei bleibt es"
von Daniel Pontzen
Die Lage spitzt sich zu: Wenige Tage vor der geplanten Abstimmung zur Rente bleibt die Junge Gruppe bei ihrer Position. Kanzler Merz droht der nächste Alles-oder-nichts-Moment.
Diese Woche will der Bundestag über die Rentenreform abstimmen, doch die Junge Gruppe der Union lässt ihre Zustimmung offen. Der Beschluss könnte die Koalition ins Wanken bringen.
01.12.2025 | 1:48 minEs sind zwei kurze Sätze ganz unten auf Seite vier, in denen die ganze Sprengkraft des Statements steckt: "Als Junge Gruppe halten wir das Rentenpaket für nicht zustimmungsfähig", heißt es da - und dann die entscheidenden drei Worte:
Dabei bleibt es.
Erklärung der Jungen Gruppe
18 Abgeordnete der Unionsfraktion aus CDU und CSU umfasst die sogenannte Junge Gruppe im Bundestag, angeführt wird sie von Pascal Reddig, begleitet vom Vorsitzenden der Jungen Union, Johannes Winkel. Ausführlich legt die Junge Gruppe in ihrem Statement dar, warum sie das geplante Rentenpaket weiterhin ablehnt.
"Allen frei gewählten Abgeordneten kommt eine eigene staatspolitische Verantwortung zu", heißt es, diese umfasse Rücksicht auf den Koalitionsfrieden sowie die weitere Regierungsarbeit.
Ebenso umfasst es aber auch die finanzielle Stabilität und die sich daraus ergebende Handlungsfähigkeit unseres Landes in den 2030er-Jahren nicht außer Acht zu lassen.
Erklärung der Jungen Gruppe
Die Koalitionsspitzen sind sich einig: Keine Änderungen am Rentenpaket. Die Junge Gruppe in der Union hat dagegen wochenlang rebelliert. Und jetzt?
30.11.2025 | 4:12 minJunge Gruppe: Jedes Mitglied soll abwägen und entscheiden
Eine Vorgabe von Seiten der Führung der Jungen Gruppe gibt es mit Blick auf die geplante Abstimmung im Bundestag nicht:
Vor diesem Hintergrund wird jedes Mitglied der Jungen Gruppe die Argumente abwägen und eine Entscheidung treffen.
Erklärung der Jungen Gruppe
Damit bleibt das Problem für Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Fraktionschef Jens Spahn ungelöst. Die Mehrheit der Koalition liegt bei zwölf Abgeordneten. Sollte eine entsprechende Anzahl an Mitgliedern der Jungen Gruppe gegen das Paket stimmen, wäre dessen Verabschiedung also akut bedroht - zumal es auch jenseits der Jungen Gruppe eine Reihe von Abgeordneten gibt, deren Zustimmung als nicht sicher gilt.
Eine weitere Variable in der Rechnung könnte werden, wie viele Abgeordnete insgesamt bei der Abstimmung im Parlament anwesend sein oder etwa krankheitsbedingt fehlen werden - auch aus der Opposition.
Die fehlende Zustimmung der Jungen Gruppe der Union könnte die geplante Rentenreform torpedieren. Ob dadurch auch ein Scheitern der Koalition bevorsteht, berichtet Wulf Schmiese.
01.12.2025 | 1:12 minMerz geht von Abstimmung am Freitag aus
Am Nachmittag äußerte sich auch Kanzler Merz erneut zu dem Thema: "Wir werden darüber morgen in der Bundestagsfraktion beraten und dann die entsprechenden Schlussfolgerungen auch miteinander besprechen", so der CDU-Parteivorsitzende. Er gehe "unverändert davon aus, dass wir am Freitag eine Abstimmung im Deutschen Bundestag über das Rentenpaket haben."
Trotz Kritik der Jungen Union hält Kanzler Merz an den Rentenplänen fest.
28.11.2025 | 3:11 minJunge Gruppe erfüllt Wunsch von CDU-Präsidium nicht
CDU-Präsidiumsmitglied Sven Schulze, zugleich Spitzenkandidat der Partei in Sachsen-Anhalt, hatte am Sonntag in "Berlin direkt" erklärt, es werde wohl bis zuletzt vertrauliche Gespräche zur Abstimmung geben - und: "Am Ende rate ich jetzt, dass dieser Streit beendet werden muss, dass man dem jetzt auch zustimmt." Als dann am heutigen Montagmorgen JU-Chef Winkel, zugleich Vorstandsmitglied der CDU, im Konrad-Adenauer-Haus seine Position vortrug, kam er diesem Wunsch nicht nach.
Bei der anschließenden Pressekonferenz erklärte CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann, Winkel habe gegenüber der Parteiführung "sein Abstimmungsverhalten deutlich gemacht, dass er dem so nicht zustimmen kann".
Der Spitzenkandidat der CDU Sachsen-Anhalt, Sven Schulze, riet den Jungen in der Unionsfraktion am Sonntag noch, dem Rentenpaket zuzustimmen. Der Streit müsse beendet werden, sagte er im ZDF.
30.11.2025 | 5:20 minJunge Gruppe kritisiert SPD scharf
Die Junge Gruppe macht in ihrer Erklärung deutlich, dass man sehr wohl wahrnehme, in welchem Spannungsfeld die aktuelle Entscheidung getroffen werde - sollte es bei der Abstimmung keine Mehrheit geben, drohten Schwarz-Rot unkalkulierbare Folgen, bis hin zum Koalitionsbruch. Mangelnde Kompromissfähigkeit sähe man allerdings nicht bei sich selbst:
"Wir haben intern umfassende Kompromisslinien und Beschlussalternativen vorgelegt, die auch die Position der SPD berücksichtigt und allen Parteien eine sachgerechte und gesichtswahrende Lösung erlaubt hätten", erklärt die Junge Gruppe. "Leider" sei die SPD nicht kompromissfähig gewesen:
Dass die SPD nicht zu Verhandlungen in der Sache bereit war, zu denen sie parlamentarisch verpflichtet gewesen wäre, ist nicht nachvollziehbar.
Erklärung der Jungen Gruppe
Mögliche Probeabstimmung am Dienstag
Ob es am morgigen Dienstag in der Fraktionssitzung der Union eine Probeabstimmung gibt - hierzu gab es jüngst unterschiedliche Aussagen. Ein solcher Test sei nicht geplant, man werde auch ohne ihn Klarheit über die Mehrheitsverhältnisse bekommen, hatte CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann am Wochenende der "Bild" gesagt.
Die Rente sorgt für Streit in der Schwarz-Roten Koalition und steht für einen Konflikt zwischen Alt und Jung. Selbst wenn das Rentenpaket beschlossen wird: Das System ist nicht zukunftsfest.
27.11.2025 | 29:43 minLinnemann dagegen sprach heute davon, dass es morgen eine voraussichtlich lange Fraktionssitzung geben werde:
Und am Ende des Tages muss natürlich eine Entscheidung stehen - und dann wird es auch zu dieser Abstimmung kommen.
Carsten Linnemann, CDU-Generalsekretär
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