Regierung erwartet 2026 nur noch ein Prozent Wachstum

Analyse

Jahreswirtschaftsbericht vorgestellt:Regierung erwartet 2026 nur noch ein Prozent Wachstum

Johannes Lieber

von Johannes Lieber

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Ein Prozent soll die deutsche Wirtschaft dieses Jahr wachsen, erwartet zumindest die Regierung. Was nach der lang ersehnten Erholung klingt, könnte sich als Strohfeuer entpuppen.

Katherina Reiche präsentiert den Jahreswirtschaftsbericht für 2026

Die deutsche Wirtschaft wird dieses Jahr weniger wachsen, als noch im Herbst angenommen.

28.01.2026 | 0:25 min

Eigentlich klingt es ja gar nicht so schlecht: ein Prozent Wachstum. Wenn die Prognose von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) eintrifft, wäre das eine deutliche Steigerung zu den vergangenen drei Jahren.

2025 gab es nur ein minimales Wachstum von 0,2 Prozent. Davor schrumpfte die deutsche Wirtschaft sogar zwei Jahre in Folge.

Inzwischen deuten die Daten darauf hin, dass wir eine deutliche Erholung haben.

Katherina Reiche (CDU), Bundeswirtschaftsministerin

Reiche sieht dennoch weiteren Handlungsbedarf. Die "konjunkturelle Belebung" müsse nun "dringend unterfüttert" werden. Es gelte jetzt, das Reformfenster "entschlossen und mutig" zu nutzen, so die Ministerin bei der Vorstellung des Berichts.

deutsche Wirtschaft

Statt mit einem Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent rechnet die Bundesregierung nur noch mit 1,0 Prozent.

28.01.2026 | 1:43 min

Reiche rechnete zunächst mit mehr Wachstum

Zur Wahrheit gehört: Noch im Oktober war Reiche von 1,3 Prozent Wachstum ausgegangen. Diese deutlich positivere Prognose muss sie nun korrigieren. Hintergrund für die "etwas vorsichtigere Einschätzung" ist laut der Ministerin, dass sich die "erwarteten Impulse aus den wirtschafts- und finanzpolitischen Maßnahmen nicht ganz so schnell und nicht in dem Ausmaß realisiert haben", so Reiche.

Im Wirtschaftsbericht, der ZDFheute vorliegt, wird das auch mit der schwierigen Weltlage begründet. Die Bundesregierung geht davon aus, dass das deutsche Exportgeschäft auch in diesem Jahr schrumpfen wird:

Die weltwirtschaftlichen Perspektiven bleiben ungeachtet der insgesamt robusten Entwicklung des globalen Wachstums und Handels schwierig.

Jahreswirtschaftsbericht 2026

Daniel Stelter, Ökonom

Zu viel Konsum, zu wenig Investitionen: Ökonom Stelter wirft der Politik vor, die Wirtschaftskrise mitverursacht zu haben. Sie habe zu lange "weggeschaut", sagt er im ZDF.

18.01.2026 | 1:26 min

Trumps Zölle werden Wirtschaft weiterhin belasten

Im Streit um Grönland hatte US-Präsident Donald Trump erst Zusatzzölle angedroht, die nun aber wohl nicht kommen. Trotzdem machen die bestehenden Einfuhrgebühren in die USA der Wirtschaft weiterhin zu schaffen, heißt es in dem Bericht.

Auch weiterhin hohe Energiepreise, langwierige Genehmigungen und hohe Bürokratiekosten machen den deutschen Firmen demnach Probleme. Alles Punkte, in denen die Regierung schnelle Besserung verspricht.

Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA)

BGA-Präsident Dirk Jandura fordert Maßnahmen für mehr wirtschaftliche Unabhängigkeit. Auf die USA sei kein Verlass mehr, denn "Donald Trump macht, was er will", sagt Jandura im ZDF.

25.01.2026 | 2:36 min

Wachstum nur ein Strohfeuer?

Ein Lichtblick ist laut Bericht die "binnenwirtschaftliche Dynamik", also die innerdeutsche Entwicklung der Wirtschaft. Sie gleicht das Export-Minus aus und dreht die Gesamtrechnung ins Positive. Zwei Drittel des Wachstums schreibt sich die Regierung und ihren Maßnahmen selbst zu.

Damit sind zu großen Teilen die Sondervermögen für die Infrastruktur und die Bundeswehr gemeint, die auch die deutsche Wirtschaft ankurbeln sollten und das wohl auch tun. Nachhaltiges Wachstum sind diese Milliardeninvestitionen aber sicher nicht, auch wenn es gute Gründe für sie gibt.

Container werden an einem Terminal des Mainzer Hafens bewegt.

Die deutsche Wirtschaft blickt vorsichtig zuversichtlich dem neuen Jahr entgegen. Neben Stellenabbau wird aber auch eine Produktionssteigerung erwartet.

29.12.2025 | 1:30 min

Fratzscher fordert mehr Investitionen

Deshalb braucht es zusätzlich zu den öffentlichen, auch private Investitionen, sagt Wirtschaftswissenschaftler Marcel Fratzscher ZDFheute. Wenn der Staat mehr investiere, führe das auch dazu, dass Unternehmen mehr existieren.

Das ist der Schlüssel für einen nachhaltigen Aufschwung. Den sehen wir noch nicht. Also da muss noch mehr passieren.

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung

Für einen nachhaltigen Aufschwung braucht es laut Fratzscher jetzt mehr Fachkräfte, Reformen im Sozialsystem und den Abbau von Bürokratie. Keine neuen Erkenntnisse, aber die Bundesregierung hat sich in ihrem ersten knappen Jahr laut Kritikern nicht unbedingt reformfreudig gezeigt.

Marcel Fratzscher, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), vor einer Grafik einer Anzeige: "Wir suchen in Teilzeit"

Teile der CDU wollen das Teilzeitrecht einschränken, um Wirtschaft und Sozialstaat zu stärken. Wie groß ist das Problem? ZDFheute live analysiert mit dem DIW‑Präsidenten Fratzscher.

26.01.2026 | 29:29 min

Industrie mahnt Reformen an

Grundsätzlich positiv blickt die deutsche Industrie auf die Wachstumsprognose. Es sei aber "nicht dauerhaft", sagt Tanja Gönner, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der deutschen Industrie.

In diesem Jahr sei es die Aufgabe der Bundesregierung "Signale zu senden, damit private Investitionen stattfinden", sagt die ehemalige CDU-Politikerin ZDFheute.

Es ist völlig klar, dass wir strukturelle Reformen benötigen. Ja, die Regierung hat bereits Dinge angegangen. Da gilt es jetzt, sie schnell umzusetzen.

Tanja Gönner, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der deutschen Industrie

Marcus Niehaves und Valerie Haller im WISO-Studio

Wie tickt Deutschland in der Nacht? Wo treibt die Wirtschaft an, wo hakt sie? Die Analyse ordnet Lage zwischen Wirtschaftskrise, Industrie, Energiepreisen, Handel & globalen Abhängigkeiten ein.

21.01.2026 | 310:32 min

Erster Bericht nach Habeck

Es ist der erste Jahreswirtschaftsbericht nach dem Ende der Amtszeit des ehemaligen Wirtschaftsministers Robert Habeck (Grüne). Ihn hatten Teile der Union den "schlechtesten Wirtschaftsminister aller Zeiten" genannt.

Katherina Reiche kann jetzt auf das berühmte Licht am Ende des Tunnels verweisen. Grund dafür sind aber besonders Schulden, die die Ampel-Koalition nicht zur Verfügung hatte, von Habeck aber gefordert worden waren.

Für 2027 rechnet Reiche wieder mit einem Wachstum von 1,3 Prozent, so wie sie es ursprünglich auch für dieses Jahr vorgesehen hatte. Diesmal soll es dann wirklich klappen.

Über dieses Thema berichtete das ZDF in mehreren Sendungen, unter anderem bei "Berlin direkt" am 18.01.2026 in dem Beitrag "Ökonom Stelter: Haben uns in einer Traumwelt bewegt".

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  1. Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA)
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