Wirtschaft schrumpft - ein Problem für Habeck?

Analyse

Debatte im Bundestag:Wirtschaft schrumpft - ein Problem für Habeck?

ZDF-Hauptstadtkorrespondent Karl Hinterleitner im Gespräch über die Regierungserklärung

von Karl Hinterleitner

|

Die deutsche Wirtschaft bleibt in der Krise - eigentlich ein Wahlkampf-Problem für den Wirtschaftsminister. Wäre da nicht die Brandmauer-Debatte.

Robert Habeck

Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) musste sich im Bundestag verteidigen

Quelle: dpa

Mal wieder muss Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) Hiobsbotschaften verkünden. Ohnehin schon bescheidene 1,1 Prozent Wachstum hatte sein Ministerium noch im Herbst vergangenen Jahres für 2025 erwartet. Auf 0,3 Prozent musste er seine Prognose am Mittwoch korrigieren. Und selbst das halten Experten noch für ziemlich optimistisch.

Andere Kennziffern steigen dagegen: Die Zahl der Insolvenzen, die Arbeitslosigkeit, die offenen Stellen für Fachkräfte, die nicht besetzt werden können. Garniert werden diese schlechten Nachrichten mit noch schlechteren Zukunftsaussichten: Die Drohung von Strafzöllen aus den USA und eine chinesische Volkswirtschaft, die immer weniger deutsche Produkte kauft.

Wirtschaftswarntag

Viele Wirtschaftsbereiche müssen sich derzeit großen Herausforderungen stellen. Wirtschaftsminister Habeck hat heute eine aktuelle Konjunkturprognose vorgestellt. Die fällt geringer aus, als zuletzt erwartet.

29.01.2025 | 2:03 min

Union will Habeck angreifen

Das alles hätte der Opposition normalerweise gereicht, um den zuständigen Minister zu grillen, ihm die Kompetenz abzusprechen und einen Politikwechsel zu fordern. Das dürfte die Union auch geplant haben, einen Wirtschaftswahlkampf wollte sie führen.

Agenda 2030, neuer Wohlstand für Deutschland - diese Slogans sollten im Zentrum stehen. Die Wähler sollten sich gruseln vor den schlechten Zahlen des Wirtschaftsminister und auf die Wirtschaftswende der Union hoffen. Seit Mittwochabend ist das anders: Denn jetzt bestimmt die Brandmauer-Debatte den Wahlkampf.

Migration überschattet Wirtschaftsdebatte

Um Wirtschaft geht es nur vordergründig, als Habeck am Donnerstagvormittag eine Regierungserklärung zum Jahreswirtschaftsbericht im Bundestag hält. Die gestrige Entscheidung im Bundestag werde "eine ökonomische Schleifspur" hinterlassen. Sie könne "zum Sargnagel der deutschen Wirtschaft werden", sagt Habeck.

FDP-Generalsekretär Marco Buschmann erwidert, erst die schlechten ökonomischen Daten hätten die Rechte stark gemacht:

Die Wirtschaftsschrumpfung hat dafür gesorgt, was gestern passiert ist.

Marco Buschmann, FDP

Deutschland in der Rezession
:Jetzt hat Habeck ein Problem

Robert Habeck will Kanzler werden, hat aber als Wirtschaftsminister miese Zahlen zu verantworten. Nun versucht er, aus der Schwäche eine Stärke zu machen. Eine gewagte Strategie.
von Dominik Rzepka
Robert Habeck
Analyse

Klingbeil will Investitionen auf Pump

Habeck kritisiert die Vorgängerregierung. Sie habe die Infrastruktur verkommen lassen und auf russisches Gas und Exporte nach China gesetzt. CDU-Fraktionsvize Jens Spahn wiederum kritisiert Habeck, der die "verrückteste Energiepolitik aller Zeiten" betreibe und die Bürokratie ausufern lasse. SPD-Chef Lars Klingbeil will weg von der Schuldenbremse. Und fordert den "Deutschland-Fonds", also staatliche Prämien für Investitionen - auf Pump.

BSW-Chefin Sahra Wagenknecht sagt, Rüstungsausgaben und Sanktionen gegen Russland müssten weg. Wie sich damit die Konjunktur beleben lässt, sagt sie allerdings nicht.

Habecks Probleme kaum im Fokus

Und so überschattet der Wahlkampf die Debatte im Bundestag. Sie ist ein Vehikel, um noch einmal sämtliche Wahlkampfslogans unterzubringen. Robert Habeck kann das nur recht sein.

Denn wenn die Probleme der Wirtschaft jenseits von Platitüden kaum noch Thema sind, sind auch seine Probleme als Wirtschaftsminister aus dem Fokus.

Stimmung in Deutschland
:Bundestagswahl: So steht es in der letzten Umfrage

Welche Partei führt in den Umfragen zur Bundestagswahl? Wen hätten die Deutschen am liebsten als Kanzler? Welche Koalitionen wären möglich? Die wichtigsten Zahlen im Überblick.
von Robert Meyer
Ein Diagramm von den Verteilungen der Parteien in den Umfragen. Im Hintergrund weht vor dem Bundestag eine Deutschland-Fahne

Nachrichten zur Bundestagswahl

  1. Politbarometer Grafik

    Nachrichten | heute - in Deutschland:Keine Mehrheit für Union und SPD

    von Udo Harnach
    Video1:49

  2. Hybride Bedrohungen und Cyberangriffe

    Cyberangriffe und Desinformation:Bundesregierung beschuldigt Russland

    Video0:27

  3. Friedrich Merz, Markus Söder und Lars Klingbeil

    Union und SPD vor Koalitionsausschuss:Worum Schwarz-Rot vor Weihnachten noch ringt

    mit Video2:28

  4. Amira Mohamed Ali (l) und Fabio de Masi (r) freuen sich über ihr Wahlergebnis auf dem 3. Bundesparteitag vom Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW).

    Parteitag beschließt Namensänderung:De Masi und Mohamed Ali bilden neue BSW-Spitze

    mit Video1:39

  5. Sahra Wagenknecht, Vorsitzende des BSW, spricht auf dem 3. Bundesparteitag der Partei «Bündnis Sahra Wagenknecht» zu den Delegierten.

    Nachrichten | heute:BSW trifft sich zum Bundesparteitag

    von Andrea Maurer
    Video1:39

  6. Sahra Wagenknecht (M, BSW Bündnis Sahra Wagenknecht), Bundesvorsitzende, nimmt zwischen Fabio De Masi (l) und Amira Mohamad Ali, BSW Bundesvorsitzende, an einer Pressekonferenz zur Neuaufstellung des BSW teil.

    Einspruch des BSW gescheitert:Ausschuss: Bundestagswahl muss nicht neu ausgezählt werden

    mit Video0:29

  7. Sahra Wagenknecht zwischen Fabio De Masi und Amira Mohamad Ali

  8. Gruppe an Leuten mit ihren Smartphones
    Grafiken

    Schlagzeilen, Promis und mehr:Google-Suche 2025: Was besonders im Trend lag

    von Lukas Wagner
    mit Video2:31