Geplante Reform des Bürgergelds:"Rolle rückwärts": Neue Grundsicherung stößt auf Kritik
Der Bundestag stimmt über die Regierungspläne beim Bürgergeld ab. Kritik kommt von Sozialverbänden. Die Reform verkenne die Lebensrealität vieler Menschen, hieß es etwa vom VdK.
Das Bürgergeld soll durch ein "Grundsicherungsgeld“ ersetzt werden. Mehr Pflichten zur Arbeit, strengere Sanktionen, bei gleichen Regelsätzen. Was der Plan im Bundestag vorsieht.
05.03.2026 | 2:54 minDie geplante Neuausrichtung der Grundsicherung stößt bei zahlreichen Organisationen auf Kritik. Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, erklärte, die Reform des Bürgergelds sei "eine Rolle rückwärts". Statt auf Druck und Sanktionen zu setzen, brauche es nachhaltige Unterstützung und Qualifizierung, forderte sie.
Die Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD), Michaela Engelmeier, kritisierte, der Schutz vulnerabler Gruppen sei wegen der vielen Verschärfungen nicht ausreichend.
Sozialverband: "Neue Grundsicherung kein großer Wurf"
VdK-Chefin Bentele erklärte:
Diese Reform verkennt die Lebensrealität vieler Menschen, die sich in einer Notsituation befinden. Sozialpolitik darf nicht durch Abschreckung Wirkung entfalten, sie muss Stabilität und echte Perspektiven schaffen.
Verena Bentele, Sozialverband VdK
Besonders kritisch bewertet der VdK die geplanten Einschränkungen bei der Übernahme der Wohnkosten.
Die neue Grundsicherung sei nicht die große Abwicklung des Bürgergeldes. "Der geplante Absenkungskurs von konservativer Seite, hat sich nicht durchgesetzt", Andreas Bovenschulte (SPD) Bundesratsvorsitzender.
05.03.2026 | 5:35 minÄhnlich äußerte sich die SoVD-Vorstandsvorsitzende Engelmeier. "Die neue Grundsicherung ist kein großer Wurf, denn sie packt nicht die wesentlichen Probleme an, wie zu niedrige Löhne, explodierende Mieten und vor allem die wachsende soziale Ungleichheit", sagte sie dem "RedaktionsNetzwerk".
Kinderschutzbund warnt vor Risiken
Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) sieht in der neuen Grundsicherung "eine Zäsur für die soziale Sicherheit". Awo-Präsident Michael Groß gab zu bedenken: "Die Bundesregierung ist mit dem Versprechen gestartet, den Sozialstaat zu reformieren und das soziale Sicherungsniveau dabei zu bewahren." Doch nun lege sie "die Axt an den Sozialstaat" an.
In Nordhausen werden junge Bürgergeldempfänger verpflichtet, gemeinnützige Arbeit zu verrichten. Das Modellprojekt soll die Rückkehr auf den Arbeitsmarkt fördern, sorgt aber auch für Diskussionen.
14.02.2026 | 4:17 minDer Kinderschutzbund warnt vor erheblichen Risiken speziell für Kinder und Familien. Bundesgeschäftsführer Daniel Grein sagte:
Wenn Leistungen gekürzt werden, trifft das nicht nur die sanktionierte Person. Kinder tragen die Folgen unmittelbar mit - obwohl sie keinen Einfluss auf das Verhalten ihrer Eltern haben.
Daniel Grein, Kinderschutzbund
Kinder dürften aber nicht in Mithaftung für Versäumnisse ihrer Eltern genommen werden. Ähnlich äußerte sich auch die Diakonie Sachsen. Vor allem vulnerable Gruppen wie Kinder, psychisch kranke Menschen und Wohnungslose müssten geschützt werden, erklärte der sächsische Diakoniechef Dietrich Bauer in Radebeul bei Dresden. Die Diakonie appelliert an die Politik, die Reform im weiteren Gesetzgebungsverfahren "praxisnah weiterzuentwickeln und existenzielle Notlagen zu verhindern". Ziel müsse sein, Teilhabechancen zu sichern.
Es brauche klare Härtefallregelungen, die Leistungsminderungen ausschließen, wenn Minderjährige im Haushalt leben oder psychische Erkrankungen eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes erwarten lassen.
Das Kabinett hatte das Ende des Bürgergelds im Dezember beschlossen. Die neue Grundsicherung bringt strengere Regeln, mehr Sanktionen und soll ab Juli 2026 gelten.
17.12.2025 | 2:54 minBundestag stimmt über Bürgergeld-Reform ab
Der Bundestag stimmt am Vormittag über den Umbau des Bürgergeld-Systems zur neuen Grundsicherung ab. Dabei sind eine Reihe von Verschärfungen vorgesehen. Unter anderem können früher und in größerem Umfang als bisher Leistungen gekürzt werden, wenn die Betroffenen nicht wie vorgesehen mit dem Jobcenter zusammenarbeiten. Zudem bekommt die Vermittlung in Arbeit in der Regel Vorrang vor einer Ausbildung oder Qualifizierung.
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