Aus Bürgergeld wird Grundsicherung:Damit müssen Arbeitslose rechnen - Das wird kritisiert
Mehr Verbindlichkeit, Eigenverantwortung und Mitwirkung von Arbeitssuchenden, das verlangt die neue Grundsicherung. Im Bundestag fand die erste Lesung statt.
Bundestagsdebatte zum Gesetzentwurf zur neuen Grundsicherung
15.01.2026 | 69:49 minArbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) und die Koalition verteidigen die geplante Reform beim Bürgergeld - die Opposition ist dagegen auf den Barrikaden. Nach einem heftigen Schlagabtausch im Bundestag wird weiter beraten.
Kritikerinnen und Kritiker fordern Nachbesserungen, doch für Millionen Bezieherinnen und Bezieher von Grundsicherung rückten Verschärfungen näher. Bas, die auch SPD-Vorsitzende ist, sagte:
Neue Chancen schaffen - das ist das zentrale Ziel.
Bärbel Bas, Bundesarbeitsministerin und SPD-Vorsitzende
Schwerpunkt: Mehr Eigenverantwortung und Mitwirkung
Die neue Grundsicherung setze "auf mehr Verbindlichkeit, Eigenverantwortung und Mitwirkung". Aber: "Wer Hilfe und Schutz braucht, wird dies weiterhin erhalten."
Das Kabinett beschließt das Ende des Bürgergelds in heutiger Form. Die neue Grundsicherung bringt strengere Regeln, mehr Sanktionen und soll ab Juli 2026 gelten.
17.12.2025 | 2:54 minAusdrücklich vor möglichen Sanktionen geschützt werden sollten "Menschen, die erkrankt sind oder aus anderen Gründen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen können". Der Name "Bürgergeld" soll mit Bas' Gesetzentwurf wieder gestrichen werden.
Drohende Totalsanktionen
Neu vorgesehen sind Totalsanktionen: Bei Nichterreichbarkeit der Betroffenen soll die Grundsicherung gestrichen werden können. Bei drei versäumten Einladungen zu Terminen sollen Jobcenter die Überweisungen einstellen. Auch der Verlust der Wohnkostenübernahme droht dann.
Das Bundeskabinett hat heute die Reform des Bürgergeldes beschlossen – diese wird nun zur Grundsicherung. Kern der Reform sind schärfere und schnellere Leistungskürzungen.
17.12.2025 | 2:06 minÜber die Ausgestaltung dieses umstrittenen Punkts hatte die Koalition lange verhandelt. Nun sollen die Behörden den Betroffenen Gelegenheit zur persönlichen Anhörung geben - etwa durch einen Anruf oder Besuch. Psychisch Kranke sollen vor einem Wegfall der Leistungen geschützt werden.
Das Gesetz für die 5,3 Millionen Bezieherinnen und Bezieher des Bürgergelds soll großteils am 1. Juli 2026 in Kraft treten.
ZDFheute Infografik
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SPD stimmt noch während der Beratungen ab
Die Koalition hat lange darüber verhandelt. Die Union verlangte weitreichende Änderungen. Während das Gesetz schon beraten wird, findet in der SPD noch ein Mitgliederbegehren gegen die Pläne statt. Noch bis zum 23. März können Gegner der Reform unterschreiben.
Yasmin Fahimi, Chefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes, sagt, der Fokus auf die Grundsicherung sei verschoben. Es sei nicht wahr, dass es "massenhaften" Missbrauch beim Bürgergeld gebe.
10.10.2025 | 4:05 minDie Initiatoren wollen die Verschärfungen stoppen, dürften aber zu spät kommen, wenn das Gesetz bis dahin beschlossen ist. Eine deutliche Entschärfung bis zur zweiten und dritten Lesung im Bundestag forderten Sozialverbände und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB).
Opposition spricht von Lügen
Grüne und Linke warfen der Koalition Lüge vor. "Sie haben gelogen, monatelang", sagte der Grünen-Abgeordnete Timon Dzienus. Er rief in Erinnerung, dass Kanzler Friedrich Merz (CDU) und CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann Milliardeneinsparungen versprochen hätten. Laut Gesetzentwurf sollen aber bei Bund, Ländern, Kommunen und Bundesagentur für Arbeit jährlich nur maximal 86 Millionen Euro (2026) gespart werden.
Andreas Peichl vom Münchener Ifo-Institut rechnet anhand zweier Extrembeispiele vor: "Wenn es 100.000 Singles sind, die alle nur 10 Euro Bürgergeld im Monat (120 im Jahr) erhalten, dann beträgt die Einsparung nur 12 Millionen." Würde es sich aber zum Beispiel um 100.000 Singles aus München handeln, die alle den Höchstsatz erhielten und hohe Mietkosten hätten, wären es sogar 1,74 Milliarden Euro. "Von daher ist die Rechnung mit Durchschnittswerten sinnvoll", sagt er.
Heidi Reichinnek von den Linken sprach daher von einer "faktenfreien Hetzkampagne" vor. Die Linke-Chefin räumte zwar ein, dass eine Mehrheit Umfragen zufolge die heutigen Regeln als ungerecht empfunden habe, doch beruhe das auf den Lügen von Politikern über die angeblichen Einsparmöglichkeiten. Die Reform sei
der Startschuss für den größten Angriff, den der Sozialstaat jemals erlebt hat.
Heidi Reichinnek, Linken-Vorsitzende
Die AfD-Abgeordnete Gerrit Huy nannte die Einsparungen mickrig und "geradezu lachhaft". Sie forderte Abschiebungen von Menschen unter anderem nach Afghanistan und den Irak, um Milliarden einzusparen.
CDU-Generalsekretär Linnemann verteidigte die Pläne. Die Reform sorge dafür, "dass wir ein gerechtes System bekommen", sagte Linnemann, der auch Abgeordneter ist. Weitere mutige Sozialstaatsreformen seien geplant.
Koalition will Spielraum der Verfassung nutzen
Geplant ist außerdem: Die Grundsicherung soll sofort für drei Monate um 30 Prozent gemindert werden, wenn ein Arbeitsloser keine Bewerbungen schreibt oder Förderkurse ablehnt. Dann fließen rund 150 Euro im Monat weniger. Bei versäumten Jobcenter-Terminen soll gelten: Nach dem zweiten Mal greift die 30-Prozent-Kürzung für einen Monat, dann droht die Komplettstreichung.
Schon Hartz IV habe gezeigt, dass Sanktionen nichts bringen, sagt Juso-Chef Philipp Türmer. Die neue Grundsicherung sei so auch nicht verfassungsgemäß. "Karlsruhe reibt sich da schon die Hände."
10.10.2025 | 3:58 minDie Koalition will damit das verfassungsrechtlich Erlaubte ausschöpfen. Dabei betreffen die Sanktionen heute nur einen Bruchteil der Leistungsberechtigten, zuletzt pro Monat im Schnitt weniger als 30.000. Zudem soll die heutige Karenzzeit für Schonung von Vermögen wegfallen. Vorrangig sollen Einkommen und Vermögen eingesetzt werden, bevor Leistungen fließen. Künftig richtet sich die Höhe von Schonvermögen nach Lebensalter.
Änderungen für Flüchtlinge aus der Ukraine
Vorrangiges Ziel der Jobcenter soll sein, Menschen in Arbeit zu vermitteln. Wenn eine Weiterbildung erfolgversprechender erscheint, soll dem weiter der Vorzug gegeben werden.
Das Bürgergeld wird zur "Grundsicherung" mit strengeren Regeln. Außerdem sollen mit der neuen "Aktiv-Rente" längeres Arbeiten und zusätzliche Einkommen attraktiver werden.
09.10.2025 | 1:38 minDen Start in die parlamentarischen Beratungen gab es zugleich für die geplante Änderung für Flüchtlinge aus der Ukraine, die nach dem 1. April 2025 nach Deutschland eingereist sind. Sie sollen die geringeren Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz statt Bürgergeld oder Sozialhilfe erhalten.
Nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beträgt zum Beispiel der Satz für Alleinstehende 455 Euro im Monat, im Bürgergeld 563 Euro.
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