Nach Drohnen-Vorfall von Leipzig:Wie hart sind die Maßnahmen gegen Russland?
von Johannes Lieber
Russland ist laut Bundesregierung für die Sprengstoffdrohne am Leipziger Flughafen verantwortlich. Deutschland antwortet mit Gegenmaßnahmen. Wie hart werden die Russland treffen?
Die Bundesregierung hat in einem Statement Russland als Drahtzieher des versuchten Sprengstoffanschlags am Flughafen Leipzig benannt.
01.09.2026 | 1:56 minSchon die Besetzung der Pressekonferenz war ein Zeichen. Am späten Nachmittag traten Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Außenminister Johann Wadephul (CDU) in Berlin vor die Presse. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) fehlte. Wohl auch ein Zeichen, wie hoch die Regierung den Vorfall in Leipzig selbst hängen möchte.
Dobrindt bestätigte zunächst das, was schon länger vermutet wurde: Russland steckt hinter der mit Sprengstoff beladenen Drohne vom Leipziger Flughafen. Johann Wadephul verkündete im Anschluss die mit Spannung erwarteten Gegenmaßnahmen.
Über die wurde vorher nur gemutmaßt, durchgestochen wurde nichts. Strengere Einreisekontrollen für russische Bürger, die Schließung des Konsulats in Bonn und des russischen Hauses in Berlin und "erhöhter Druck" auf die Schattenflotte. Wird das Russland zum Umdenken bewegen?
Die Bundesregierung gibt heute ein Statement zum versuchten Sprengstoffanschlag am Flughafen Leipzig. ZDF-Korrespondent Wulf Schmiese berichtet.
01.09.2026 | 1:26 minRegierung nutzt nicht alle Möglichkeiten
Dass sie ihr Konsulat in Bonn schließen müssen, wird Russland wohl am härtesten treffen. Es war das letzte noch geöffnete Generalkonsulat der Russen in Deutschland, vier weitere mussten schon vor fast drei Jahren schließen. Damals als Reaktion auf eine Verschärfung der Regeln für deutsche Konsulate in Russland. Im Interview mit dem ZDF heute journal sagte Wadephul dazu:
Das ist eine erhebliche Einschränkung der russischen Möglichkeiten in Deutschland. Darum ging es mir, deswegen habe ich die Maßnahme angeordnet. Ich habe mir das gut überlegt.
Johann Wadephul (CDU), Bundesaußenminister
Die deutsche Regierung hat aber explizit darauf verzichtet, einzelne Diplomaten direkt zur Ausreise zu zwingen. Auch ein allgemeiner Einreisestopp für russische Bürger, die Einordnung Russlands als Terrorstaat oder gar die Ausweisung des Russischen Botschafters wären denkbar gewesen. Auch bei den Maßnahmen gegen die russische Schattenflotte blieb Wadephul vage.
Das russische Kulturinstitut - genannt "Russisches Haus" - ist seit Jahren umstritten. Der sieben Stockwerke hohe Betonklotz steht seit 1984 an der Friedrichstraße. Damals war er das größte sowjetische Auslandskulturinstitut. Betrieben wird es von Rossotrudnitschestwo, der staatlichen Agentur für kulturelle Zusammenarbeit. Sie untersteht dem Außenministerium in Moskau.
In dem Gebäude gibt es Ausstellungsräume, einen Konzertsaal, ein Kino, einen Buchladen und eine Filiale der russischen Post. Das Programm umfasst Weltkriegsgedenken, Filmvorführungen oder Kurse für Russisch, Ballett und Zeichnen.
In einer Einschätzung des französischen Innenministeriums hieß es allerdings unlängst, das Haus werde von russischen Geheimdiensten zur Tarnung genutzt. Ähnliche Vorwürfe hatte es auch schon in der Vergangenheit gegeben. Mehrere Politiker forderten die Schließung des Kulturzentrums, das selbst entgegnete, es sei "eine ausschließlich kulturelle Einrichtung".
Quelle: dpa
Als "verhältnismäßig und besonnen, aber gleichermaßen entschlossen" bezeichnet Innenminister Dobrindt die deutsche Reaktion.
„Wir reagieren auf ein Verhalten Russlands, das feindselig war“, so Außenminister Wadephul. Die Schließungen seien eine harte, aber notwendige Reaktion.
01.09.2026 | 7:12 minWadephul: Wieder auf "konstruktiven Pfad kommen"
Dass man nicht alle Maßnahmen ausgereizt hat, kann mehrere Gründe haben. Einen nannte Wadephul im ZDF-Interview.
Es ist eine Reaktion, die es möglich macht, dass wir gemeinsam mit Russland auch wieder auf einen konstruktiven Pfad kommen.
Johann Wadephul (CDU), Bundesaußenminister
Russland wird die Maßnahmen der Bundesregierung aber wohl kaum als konstruktiven Schritt interpretieren. Ganz im Gegenteil: Man werde "spiegelbildlich" reagieren, teilte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, der Deutschen Presse-Agentur in Moskau mit.
Als realistisch wird mindestens die Schließung der Goethe-Institute in Russland angesehen. Die Kultureinrichtung hat das Ziel, an über 150 Standorten weltweit die kulturelle Zusammenarbeit zu pflegen.
Was steckt hinter der Reise von CIA-Direktor Ratcliffe nach Moskau? Womöglich wollte er Putin von der militärischen Stärke der Nato überzeugen. Warum das gerade jetzt nötig ist.
28.08.2026 | 1:17 minHarte Sanktionen könnten AfD helfen
Möglicherweise wollte man mit dieser weniger harten Reaktion auch der AfD im Landtags-Wahlkampf nicht weiteres Futter geben. Die in Teilen rechtsextreme Partei steht Russland nahe und fordert eine diplomatische Lösung des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Bei sehr harten Sanktionen gegen Russland könnten sich die Partei und ihre Wähler darin bestärkt sehen, dass Deutschland diesen Konflikt eskaliert.
Aus Regierungskreisen hört man zudem, dass man sich auf weitere Angriffe aus Russland einstelle. Vielleicht wollte die Bundesregierung auch einfach noch nicht alle Pfeile verschießen.
Bedrohungen wie Anschlagsszenarien oder Desinformationskampagnen nehmen zu - sagt Innenminister Dobrindt und berät mit Kollegen der Ostsee-Anrainerstaaten über Gegenmaßnahmen.
28.08.2026 | 6:49 minExperte: "Lücke" zwischen Analyse und Reaktion
Kritik an den Maßnahmen der Bundesregierung kommt von Jan Stöckmann, einem Experten für Internationale Beziehungen. Für ihn klaffe eine "gewisse Lücke zwischen der Analyse und der Reaktion der Bundesregierung", sagte er ZDFheute.
Also diese beiden Ebenen scheinen nicht so wirklich zusammenzupassen und man muss sich ja auch fragen, wenn es in der Zukunft zu weiteren Angriffen, wie in Leipzig-Halle, kommt, wie viele diplomatische Vertretungen hat man noch, die man schließen kann.
Jan Stöckmann, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik
Etwas weniger kritisch ist der Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz. Im Interview mit ZDFheute nannte er es zwar "etwas enttäuschend", wie wenig konkret einige Maßnahmen seien, grundsätzlich sei die Bundesregierung aber "auf dem richtigen Weg".
Der Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz, dass die Verantwortlichen "bezahlen" werden müssen, ist eine vergleichsweise milde Reaktion gefolgt. Wie der russische Präsident Wladimir Putin jetzt reagiert, bleibt abzuwarten.
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