Cyberabwehr im Kabinett: Mehr Rechte für Sicherheitsbehörden

Kabinett beschließt Dobrindts Gesetz:Cyberabwehr: Mehr Rechte für Sicherheitsbehörden

|

Deutschland wird immer häufiger Ziel von Hackerangriffen. Um dem künftig besser begegnen zu können, hat das Bundeskabinett ein Gesetz zur Stärkung der Cybersicherheit beschlossen.

Kabinett beschließt "aktive Cyberabwehr"

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) stellt den Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Stärkung der Cyberabwehr vor.

27.05.2026 | 16:44 min

Zur Abwehr von Cyberattacken sollen die deutschen Sicherheitsbehörden neue Befugnisse erhalten und dabei auch aktiv gegen Angreifer vorgehen dürfen. Das Bundeskabinett hat dazu an diesem Mittwoch ein Gesetz zur Stärkung der Cybersicherheit beschlossen. Der Bundestag muss dem noch zustimmen.

Rechte der Sicherheitsbehörden werden gestärkt

Dadurch können Bundespolizei, Bundeskriminalamt (BKA) und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Angriffe von Hackern künftig nicht nur erkennen, sondern auch technisch eingreifen.

Wir schlagen zurück, wir schalten die Bedrohung aus, wenn wir angegriffen werden. Wir werden Angreifer stören und deren Infrastruktur zerstören können.

Alexander Dobrindt, Bundesinnenminister

So dürfen die Behörden laut Gesetzentwurf unter anderem Datenverkehr umleiten und gezielt in die IT-Systeme von Angreifern eingreifen, um dort Daten zu löschen oder zu verändern. Dabei handelt es sich jedoch nicht um sogenannte Hackbacks, also Gegenschläge aus Vergeltung. Ziel sei ausschließlich, die Server zu treffen, von denen die Angriffe gestartet werden.

Dennis-Kenji Kipker und Nazan Gökdemir

IT-Sicherheitsexperte Dennis-Kenji Kipker warnt: KI industrialisiert Cyberkriminalität. Digitale Gegenschläge allein lösen das Problem nicht.

13.05.2026 | 3:55 min

Hackerangriffe treffen besonders Deutschland

Zur Begründung heißt es, Deutschland stehe als führende Wirtschaftsnation in Europa verstärkt im Fokus von Cyberangriffen, die teils große Wirkung entfalten könnten. Auch hybride Bedrohungen gewännen zunehmend an Bedeutung. In dieser Situation müsse die Erkennung und Abwehr solcher Angriffe zwingend ausgebaut werden. Der Krieg in der Ukraine verdeutliche, wie essenziell Cybersicherheit für einen modernen Staat sei.

Im Fokus stehen bei diesen Angriffen Wirtschaft, Industrie, Mittelstand, Wissenschaft, staatliche Stellen, Behörden und auch die Politik.

Alexander Dobrindt

Cyberangriffe werden meistens aus dem Ausland gestartet, meist um Geld zu erpressen. Aber auch politische Motive nehmen zu. Ziel seien "Sabotage, Spionage, Desinformation und Erpressung" aber auch die "Destabilisierung unserer Gesellschaft", sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bei der Vorstellung des Gesetzes. Die Herkunftsstaaten der Attacken sind häufig Russland und China. Daher ist auch die Aufklärungsquote extrem niedrig.

Vorstellung des BSI-Lageberichts 2025 durch Bundesminister des Innern Alexander Dobrindt und Claudia Plattner, Praesidentin des Bundesamtes fuer Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) im Haus der Bundespressekonferenz

Bei der Cybersicherheit in Deutschland gibt es trotz einiger Fortschritte immer noch erhebliche Schwachstellen, so das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

11.11.2025 | 2:35 min

Der Gesetzentwurf will dem BSI ermöglichen, die Widerstandsfähigkeit der Informationstechnik der Bundesverwaltung zu erhöhen. Außerdem soll die Erkenntnislage zu drohenden Angriffen so verbessert werden.

Durch die Gesetzesänderung soll das BSI das Recht erhalten, auf Ersuchen einer Institution in deren informationstechnischen Systemen nach vorbereitenden Maßnahmen von Angreifern zu suchen und diese zu identifizieren. Da wechselnde maliziöse Internet-Domänen bei der Verbreitung von Schadsoftware eine tragende Rolle einnehmen, soll dem BSI ermöglicht werden, gegen solche Domänen vorzugehen.

Gefahrenabwehr - nicht Strafverfolgung ist das Ziel

Die zusätzlichen Befugnisse für die Bundespolizei dienten alleine der Gefahrenabwehr, nicht der Strafverfolgung, heißt es weiter.

Niedersachsen, Hannover: Ein Polizist steht mit einem Poloshirt mit Aufschrift „Cyber Polizei“ an einem Computer in der Präventionsstelle Cyberkriminalität im Landeskriminalamt Niedersachsen (Symbolbild für Cybersicherheit).

Ein Polizist in der Präventionsstelle für Cybersicherheit im Landeskriminalamt Niedersachsen

Quelle: dpa

Besondere Abwehrmaßnahmen durch die Bundespolizei sollen nur in bestimmten Fällen erlaubt sein, etwa wenn sich die Gefahr gegen "Behörden oder Einrichtungen, deren Funktionieren für das Gemeinwesen oder die Verteidigung von wesentlicher Bedeutung" ist, richtet.

Lob aber auch Kritik aus der Wirtschaft

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sprach sich zwar auch für eine Stärkung der Abwehr aus, warnte aber vor übertriebenen Eingriffen des Staates. "Das Gesetz muss die staatliche Abwehr stärken, darf aber nicht zu unverhältnismäßigen Eingriffsbefugnissen führen", sagte BDI-Vize-Hauptgeschäftsführer Holger Lösch. Die geplanten Eingriffsbefugnisse für die Sicherheitsbehörden gingen in Teilen zu weit.

Lösch forderte, die Pflichten zur Herausgabe hochsensibler Daten ebenso zu begrenzen wie die staatlichen Zugriffsrechte. Der Entwurf setze bislang zu stark auf staatliche Durchgriffe und zu wenig auf kooperative Ansätze mit der Wirtschaft. Eine wirksame Cybersicherheitsstrategie gelinge nur im engen Schulterschluss von Staat und Wirtschaft.

Wichtiger Hinweis in eigener Sache

Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.

Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.

→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen


Quelle: dpa, AFP, Reuters
Über das Thema berichtete phoenix vor Ort am 27.05.2026 um 13:10 Uhr.

Mehr zu Cybersicherheit in Deutschland

  1. Eine Person tippt mit den Fingern auf einer beleuchteten Laptop-Tastatur. (Symbolbild)

    BKA und Innenminister Dobrindt:Deutschland als "Top-Angriffsziel" für Cyberkriminelle

    mit Video1:43

  2. Das Bild zeigt grüne Nullen und Einsen auf schwarzem Hintergrund. In der unteren rechten Ecke ist das Logo der Firma Anthtopic: ein schwarzes Viereck, in dem in weiß "Anthropic" steht und das ganze unten drunter gespiegelt.

    Anthropic stellt neue KI vor:"Claude Mythos" setzt die Cybersicherheit unter Druck

    von Patrick Müthing
    mit Video6:50

  3. Hacker programmiert

    Offensiver gegen Hackerattacken:Dobrindt: Werden bei Cyberangriffen zurückschlagen

    mit Video2:35

  4. Frau steuert Smart-Home-Anwendungen via Touch Screen.

    Einfallstore für Hacker beseitigen:Wie man Smarthome-Systeme vor Cyberangriffen schützen kann

    von Isabel de la Vega
    mit Video2:34