Warum Deutschland im Visier von Cyberkriminellen steht

Interview

IT-Experte: Gefahr wird unterschätzt:Warum Deutschland im Visier von Cyberkriminellen steht

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Deutschland zählt zu den größten Angriffszielen von Cyberkriminellen. Experte Dennis-Kenji Kipker warnt vor unterschätzten Risiken und erklärt, warum KI die Bedrohung verschärft.

Dennis-Kenji Kipker und Nazan Gökdemir

IT-Sicherheitsexperte Dennis-Kenji Kipker warnt: KI industrialisiere Cyberkriminalität. Digitale Gegenschläge allein lösten das Problem nicht.

13.05.2026 | 3:55 min

Das Bundeskriminalamt warnt bei der Vorstellung des Lagebilds Cybercrime vor weiter steigenden Angriffszahlen. Deutschland zählt demnach zu den weltweit wichtigsten Zielen von Cyberkriminalität. Die dadurch entstehenden Schäden haben laut Behörden einen neuen Höchststand erreicht.

Im heute journal update ordnete Dennis-Kenji Kipker, Professor für IT-Sicherheitsrecht am Cyber Intelligence Institute in Berlin und Frankfurt am Main, die Lage ein.

Schauen Sie das ganze Interview oben oder lesen Sie es hier in Auszügen:

Kipker: Cybergefahr wird unterschätzt

Viele Unternehmen unterschätzten die Gefahr von Cyberangriffen weiterhin, sagte Kipker. Gerade im Mittelstand werde Cyberkriminalität häufig noch als abstraktes Risiko gesehen.

Es geht nicht um das Ob eines Cyberangriffs, sondern um das Wann eines Cyberangriffs.

Dennis-Kenji Kipker, Professor für IT-Sicherheitsrecht

"Es kann jeden zu jeder Zeit betreffen und dementsprechend sind die Vorbereitungsmaßnahmen leider noch nicht weit genug", so der Experte. Unternehmen müssten sich deshalb stärker auf mögliche Ausfälle, Datenverlust und Erpressungsszenarien vorbereiten.

Eine Person tippt mit behandschuhten Händen auf einer beleuchteten Laptop-Tastatur.

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Deutschland als Angriffsziel

Deutschland sei für Cyberkriminelle aus mehreren Gründen besonders attraktiv, erklärt Kipker. Die starke Industrie sowie viele mittelständische Unternehmen mit sensiblen Daten spielten dabei eine zentrale Rolle.

Auch politisch sei Deutschland als Nato-Partner zunehmend im Fokus. Angriffe zielten dabei nicht nur auf wirtschaftliche Schäden, sondern auch auf gesellschaftliche Verunsicherung.

Dies geschehe insbesondere durch sogenannte DDoS-Angriffe, bei denen Server durch massenhafte Anfragen überlastet werden. Als Beispiel nannte Kipker Angriffe auf die Deutsche Bahn, "wo dann die kritische Infrastruktur zum Beispiel ausfällt oder kommunale Dienste nicht mehr richtig funktionieren".

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Experte: KI verschärft die Bedrohung

Künstliche Intelligenz verstärke die Gefahr deutlich, sagte Kipker. Sie senke die Hürden für Cyberkriminalität erheblich. Technische Fähigkeiten würden dadurch teilweise ersetzt, wodurch Angriffe leichter zugänglich und effizienter würden.

Auch komplexe Abläufe wie Erpressungskommunikation oder Schadsoftware-Erstellung könnten zunehmend automatisiert werden.

Zum Beispiel das Lösegeld auszuhandeln (...) - das kann man jetzt durch einen Chatbot mit einer KI erledigen lassen.

Dennis-Kenji Kipker, Professor für IT-Sicherheitsrecht

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Kritik an digitaler Gegenwehr

Skeptisch äußerte sich Kipker zu den von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt angekündigten Plänen für ein Gesetz zur aktiven Cyberabwehr und digitale Gegenschläge gegen Angreifer. Fraglich sei, ob solche Maßnahmen die Cybersicherheit tatsächlich erhöhen könnten. Cyberangriffe gingen von sehr vielen unterschiedlichen Akteuren aus, die zudem oft schwer eindeutig zu identifizieren seien.

Zudem verwies er darauf, dass der Schaden in der Regel bereits eingetreten sei, bevor überhaupt reagiert werden könne. Digitale Gegenschläge könnten daher nicht verhindern, dass Systeme ausfallen, Daten gestohlen werden oder digitale Dienste zeitweise nicht funktionieren.

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Über dieses Thema berichtete das heute journal update am 13.05.2026 um 00:00 Uhr.

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