KI "Claude Mythos": Anthropic löst Debatte um Cybersicherheit aus

Anthropic stellt neue KI vor:"Claude Mythos" setzt die Cybersicherheit unter Druck

von Patrick Müthing

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Mit "Claude Mythos" will Anthropic IT-Sicherheitslücken schließen. Das Problem: Die KI könnte diese Lücken auch ausnutzen. Was das für die Cybersicherheit von Unternehmen bedeutet.

Anthropic neue KI „Claude Mythos“ entdeckt Zero-Day-Sicherheitslücken, plant Angriffe autonom und vertuscht danach ihre Taten. Experten warnen.

Anthropics KI spürt in Rekordzeit Zero-Day-Sicherheitslücken in Betriebssystemen und Browsern auf. Die Entwickler sehen Risiken und suchen aktiv die Zusammenarbeit mit der US-Regierung.

27.04.2026 | 6:50 min

Laut Angaben von Anthropic soll die KI "Claude Mythos" unentdeckte Sicherheitslücken in großen Betriebssystemen und Browsern finden können und bereits auch schon Tausende entdeckt haben. Anthropic will die KI rund 50 ausgewählten Unternehmen zur Verfügung stellen, damit diese sich absichern können. Welchen genau, teilte Anthropic bisher nicht mit. Als Beispiel wurden große amerikanische Tech-Konzerne wie Amazon Webservices, Google und Microsoft genannt. Ob auch europäische Firmen, Behörden oder andere Institutionen darunter sind, ist noch unklar.

Experte vermutet viele Lücken in kleineren Systemen

Heiko Rossnagel forscht am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation unter anderem im Bereich der Cybersicherheit. Dass die großen Unternehmen ihre Sicherheitslücken schließen können, sei erstmal gut, sagt er.

Doch es seien weitaus mehr relevante Unternehmen angreifbar, zum Beispiel Siemens. Abseits gut geprüfter Betriebssysteme gäbe es in kleineren Systemen auch vermutlich viel mehr Sicherheitslücken, die eine KI finden könne.

Da habe ich eine sehr große Befürchtung, denn darauf basiert unsere kritische Infrastruktur.

Dr. Heiko Rossnagel, Leiter des Teams Identitätsmanagement am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation

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Neue KI schon vor Veröffentlichung viel diskutiert

Auf Anthropics Ankündigungen zu "Mythos" folgten schnell Reaktionen. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel betonte in einer Rede in Rom mit Blick auf "Mythos", dass die IT-Sicherheit von entscheidender Bedeutung für die Finanzstabilität sei. Er forderte, dass "alle relevanten Institute Zugang zu dieser Technologie haben, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden".

Der Bundesverband deutscher Banken teilte mit, sie seien zu "Mythos" in einem konstanten Austausch mit Banken, Behörden und internationalen Institutionen. Man habe gehört, dass die KI nach und nach auch europäischen Banken verfügbar gemacht werde.

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"Mythos": Tatsächliche Gefahr oder viel PR?

Anthropic hingegen lässt verlauten, "Mythos" sei zu gefährlich, um es zu veröffentlichen. Denn die KI soll Sicherheitslücken nicht nur finden, sondern könne sie auch automatisiert ausnutzen, so Anthropic. In den falschen Händen wäre das ein großes Risiko. Bei der Geschwindigkeit, mit der KI Schwachstellen in alltäglichen Systemen finden könnte, bliebe Entwicklern nur wenig Zeit zur Reaktion.

In einem Blog-Artikel wenden sich "Mythos"-Entwickler an die Cybersicherheitsbranche. Es sei jetzt an der Zeit, "extrem proaktiv" zu werden. Sie gehen davon aus, dass in den kommenden Monaten weitere KI-Modelle noch fähiger darin werden, Sicherheitslücken zu erkennen und zu nutzen.

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Hinter allem steckt aber auch die Frage: Nutzt Anthropic "Claude Mythos" zu PR-Zwecken? Das Unternehmen bereitet sich auf einen Börsenstart vor. Der Wirbel um "Mythos" dürfte dem Unternehmen daher gelegen kommen, ebenso das Image, Vorreiter einer mächtigen KI-Entwicklung zu sein.

Was wirklich in "Mythos" stecke, sei derzeit schwer zu beurteilen, ohne dass Forscher Zugriff auf die KI bekommen, sagt Cybersicherheits-Experte Rossnagel.

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Cybersicherheit für Unternehmen oft eine ökonomische Frage

Ob sich Unternehmen gegen die wachsende Bedrohung wappnen, sei am Ende eine ökonomische Frage, so Mirko Ross. Er ist Betreiber einer Firma, die Unternehmen berät und dabei hilft, Cybersicherheitsrisiken zu priorisieren. Dafür untersucht sein Unternehmen auch KI-Systeme.

Am Ende wird immer abgewogen: zwischen dem Risiko, das man in Kauf nehmen möchte, und wie viel man bereit ist, in Cybersicherheit zu investieren.

Mirko Ross, Cybersicherheits-Experte und Geschäftsführer von asvin GmbH

Für Ross ist klar: "Mythos" kann im Vergleich zu einem menschlichen Entwickler vermutlich nicht besser programmieren und auch Schwachstellen nicht besser aufspüren. "Mythos" könne es aber schneller.

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Das zeigt auch ein Blogeintrag des Betreibers des Browsers Mozilla Firefox. Mithilfe von "Mythos" hätten sie 271 bisher unentdeckte Sicherheitslücken finden können - allerdings keine, die sehr gute menschliche Entwickler nicht auch hätten finden können. Es geht also nicht um das große Unbekannte, sondern darum, dass sich Kapazitäten verschieben und dass Cybersicherheitsstrategien überdacht werden müssten.

Patrick Müthing ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen

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Über dieses Thema berichtete NANO am 27.04.2026 ab 18:30 Uhr.

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