Vor Treffen des Präsidiums:Chef der Jungen Gruppe: In der CDU "braucht es jetzt Führung"
Kurz vor einem Treffen des CDU-Präsidiums fordert der Vorsitzende der Jungen Gruppe der Union, Pascal Reddig, die Reformen schnell umzusetzen. Er hat einen Appell an Kanzler Merz.
Pascal Reddig fordert Kanzler Merz und die CDU auf, die Reformkurs zu halten. (Archivbild)
Quelle: dpaVor gut einem Jahr wurde Pascal Reddig (CDU) als Anführer der "Rentenrebellen" im politischen Berlin bekannt. Auch heute wird noch immer über die Alterssicherung diskutiert. Was Reddig jetzt von der Bundesregierung und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) fordert, lesen Sie im exklusiven Interview mit ZDFheute.
Das CDU-Präsidium trifft sich Sonntag und Montag in Berlin, um über die Konsequenzen aus den Landtagswahlen und den schlechten Umfragen zu beraten. In der Partei ist dabei eine Richtungsdebatte entbrannt, ob sich die CDU vor den fünf Landtagswahlen in Westdeutschland im Jahr 2027 eher konservativer oder christlich-sozialer aufstellen soll. Kanzler Friedrich Merz will die Ergebnisse am Montag in einer Pressekonferenz vorstellen.
ZDFheute: Herr Reddig, was muss die CDU nach diesen drei Landtagswahl-Niederlagen ändern? Was sollte sie auf keinen Fall ändern?
Pascal Reddig: Mein Eindruck ist jedenfalls nicht, dass viele in der Bevölkerung jetzt sagen, wir brauchen gar keine Reformen mehr. Alles soll so bleiben, wie es ist. Im Gegenteil. Die Erwartungshaltung an uns ist, dass wir das strukturelle Reformdefizit, das wir ganz viele Jahre und Jahrzehnte aufgebaut haben, dass wir das als Union beseitigen. Deswegen müssen wir jetzt auf Reformkurs bleiben.
Am 11. Oktober kommt das CDU-Präsidium in Berlin zu einer Klausurtagung zusammen. Vor allem das schlechte Abschneiden bei den letzten Landtagswahlen soll dabei Hauptthema werden.
09.10.2026 | 1:59 minZDFheute: Das heißt, die Junge Gruppe hält an ihrer Forderung fest, die Rentenreform ohne Änderungen und so schnell wie möglich zu beschließen?
Reddig: Das Allerwichtigste für Politik ist doch Verlässlichkeit und auch für das Vertrauen der Menschen.
Wir haben vor der Sommerpause fest verabredet, dass wir die Ergebnisse der Rentenkommission eins zu eins bis Ende des Jahres umsetzen.
Das haben Lars Klingbeil, Bärbel Bas und Friedrich Merz gesagt und jetzt müssen sich auch alle daran halten. Politik braucht Verlässlichkeit und das gilt auch jetzt gerade in einer Zeit, wo es schwierig ist.
Das CDU-Präsidium trifft sich am Sonntag, um über die Niederlagenserie bei den Landtagswahlen zu sprechen. „Wir sind in einer dramatischen Lage“, so Sepp Müller (CDU).
09.10.2026 | 4:21 minZDFheute: Friedrich Merz hat angekündigt, dass das Rentenpaket doch erst im kommenden Jahr umgesetzt wird. Was bedeutet diese erneute Zeitverschiebung mit Blick auf die Glaubwürdigkeit der Regierung?
Reddig: Mein Eindruck ist, dass ganz viele im Moment sagen, irgendwie glaube ich nicht daran, dass die Koalition das, was sie ankündigt, auch tatsächlich umsetzt. Das Schlimmste, was man in so einer Situation machen könnte, ist, diesen Glauben noch zu verstärken, indem man es wirklich nicht macht.
Deswegen würde ich mir wünschen, dass alle sich jetzt mal zusammenreißen, liefern und wir die Versprechen, die wir gemacht haben, auch einhalten.
ZDFheute: Auch die CDU scheint sich intern bei den Reformen nicht komplett einig zu sein. Wie sollen die Strömungen innerhalb der Partei zusammengebracht werden? Wer kann, wer sollte das tun?
Reddig: Es ist jetzt auf jeden Fall Führungsaufgabe, dass klar ist, in welche Richtung wir gehen. Das erwarten sich natürlich viele bei uns in der Partei, in der Fraktion, in den Ländern, aber vor allem auch ganz viele Menschen in der Bevölkerung. Die wollen einfach, dass an der Spitze ordentlich geführt und regiert wird, und zwar in eine Richtung, die das Land wieder besser macht. Die Aufgabe haben jetzt gerade alle, die Verantwortung für das Land tragen.
Der Wahlschock in Sachsen-Anhalt überschatte den Koalitionsausschuss, so ZDF-Korrespondentin Diana Zimmermann. Er schwäche die CDU und stärke das Misstrauen in der SPD.
07.10.2026 | 3:10 minZDFheute: Ist Friedrich Merz der richtige Kanzler, um diese Führungsaufgabe zu übernehmen?
Reddig: Das kann er jetzt auf jeden Fall in den nächsten Wochen beweisen.
ZDFheute: Was bedeutet das?
Reddig: Die Erwartungshaltung an den Bundeskanzler, das ist ja völlig klar, ist extrem groß in einer Situation, in der die Koalition und auch unsere Partei nicht in einem besonders guten Zustand sind. Deswegen ist die Erwartungshaltung gegenüber dem Kanzler gerade sehr groß. Ich bin mir sicher, dass er das auch weiß.
Einst haben CDU und SPD bei Wahlen jeweils 30-40 Prozent erreicht. Doch die Zeiten sind vorbei. Während die ehemaligen Volksparteien immer weniger Zustimmung bekommen, erstarken die Ränder.
04.10.2026 | 3:59 minZDFheute: Was sind Ihre Erwartungen an die Klausur des CDU-Präsidiums am Sonntag und Montag? Wann ist es in Ihren Augen, in den Augen der Jungen Gruppe, eine gute, eine erfolgreiche Klausur?
Reddig: Wir brauchen jetzt eine Vergewisserung der Partei, in welche Richtung die Union gehen soll in dieser Koalition, aber auch insgesamt.
Es reicht eben nicht nur, immer wieder zu sagen, dass wir Menschen entlasten wollen, dass wir Reformen brauchen, sondern wir müssen es auch konkret machen.
Wir müssen ein klares Konzept haben, wie wir dieses Land aus der Wirtschaftskrise, aber auch die Demokratie aus der Vertrauenskrise führen wollen. Dafür braucht es jetzt Führung und dafür ist die Klausurtagung ein guter Moment, das zu beweisen.
Das Interview führte Ines Trams, Korrespondentin im ZDF-Hauptstadtstudio.
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