Debatte bei "maybrit illner":AfD-Wahl in Magdeburg: Lauterbach wirft CDU Unehrlichkeit vor
von Torben Schröder
CDU-Fraktionschef Frei wehrt sich dagegen, dass es zwingend seine Parteikollegen waren, die für einen AfD-Landtagspräsidenten stimmten. Schwarz und Rot betonen ihren Reformwillen.
Sehen Sie hier die Sendung "maybrit illner" vom 8. Oktober 2026 in voller Länge.
08.10.2026 | 62:09 minVon wem kamen die vier Stimmen über die Mehrheit von AfD und BSW hinaus, die in Sachsen-Anhalt für einen AfD-Landtagspräsidenten gestimmt haben? Das könne man nicht wissen, schließlich war es eine geheime Wahl, sagt Unions-Fraktionschef Thorsten Frei (CDU) in der ZDF-Sendung "maybrit illner". Und erntet damit einigen Widerspruch. Karl Lauterbach (SPD) spricht von einem "historischen Ereignis":
Wir haben zum ersten Mal jemanden, der quasi gesichert rechtsextrem ist, im Präsidium eines Parlaments in Deutschland. Das ist schon eine bestürzende Zäsur.
Karl Lauterbach, SPD-Politiker
Dass die CDU sage, es könnten auch Stimmen anderer Parteien sein, sei "ein Stück weit unehrlich". Lauterbach spricht von einer "Verschwörungstheorie", zumal CDU-Leute bekanntermaßen darüber diskutiert hätten, für den AfD-Kandidaten zu stimmen.
Haben CDU-Abgeordnete in Sachsen-Anhalt den AfD-Politiker Rausch zum Landtagspräsidenten gewählt? Einschätzungen von ZDF-Korrespondent Andreas Postel.
08.10.2026 | 2:47 minStimmen aus Reihen der CDU?
"Jeder, der bis 14 zählen kann, weiß, dass Herr Schulze mit seiner Aussage, 14 CDUler würden sich enthalten, offensichtlich nicht recht hatte - es waren nur fünf", sagt Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge mit Blick auf Ministerpräsident Sven Schulze (CDU). Es sei an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), den Menschen nun zu versichern, dass seine Parteikollegen bei der Wahl eines möglichen AfD-Ministerpräsidenten mit Nein stimmen werden, und ihnen die Ängste zu nehmen.
Es kämen einige Indizien zusammen, dass die Stimmen aus Reihen der CDU stammten, sagt der Journalist Gerald Traufetter ("Der Spiegel"). Aber man werde es nicht beweisen können, solange die betreffenden Abgeordneten es nicht selbst zugeben. Die in den Medien verdächtigten CDU-Abgeordneten hätten laut Frei glaubhaft beteuert, es nicht gewesen zu sein. Dieser "sehr, sehr schwierige Tag" habe im Koalitionsausschuss nur kurz eine Rolle gespielt. Wie auch Lauterbach, ist Frei bemüht, den Eindruck einer reformwilligen und handlungsfähigen Koalition zu vermitteln.
Nach der Wahl von AfD-Politiker Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt stehen Koalition und Kanzler unter Druck. ZDF-Hauptstadtkorrespondentin Diana Zimmermann berichtet.
07.10.2026 | 1:53 minDröge: Synonym für Kürzungen, Druck und Sparen
"Wir wissen um die Größe der Aufgabe und haben den Willen, das Land zu reformieren und nach vorne zu bringen", sagt Frei. "Wir müssen uns zusammenraufen", betont Lauterbach. Es gebe bei Sozialbeiträgen und Arbeitsmarkt klare Ziele.
"Wir werden die Reformen gut hinbekommen", verspricht der frühere Gesundheitsminister. Und zwar im Konsens und in den nächsten Wochen. "Wir werden uns bei Rente, bei Pflege und bei der Arbeitsmarktreform einigen." Man dürfe nicht jeden Streit um Sachfragen zu einem möglichen Koalitionsbruch stilisieren.
Ich würde mich wohler fühlen, wenn es mehr Vertrauen gäbe zwischen den Koalitionären, denn das ist das, was jetzt verbraucht ist und was die Situation so gefährlich macht.
Gerald Traufetter, Journalist
Union und SPD haben im Koalitionsausschuss über den Haushalt 2027 und Reformen beraten. Beide wollen die Reformen gemeinsam umsetzen, sagt Hauptstadtkorrespondent Wulf Schmiese.
08.10.2026 | 1:00 minDas Wort Reform sei, wie Dröge sagt, für viele nur noch ein Synonym für Kürzungen, Druck und Sparen. Bei Familien werde immer zuerst gekürzt. Es brauche gerechtere Reformen, um mehr Vertrauen zu schaffen. Und es brauche positive Veränderungen und Dynamik.
Von Illner auf viel diskutierte Interview-Aussagen angesprochen, sagt Dröge, dass einst vielleicht eine grün-rot-rote Koalition sich bei sozialen Fragen einigen könnte - in der Außenpolitik nach aktueller Lage aber überhaupt nicht. Schwarz-Grün fände Dröge auch interessant, dieses Bündnis käme aber bei Gerechtigkeit und Klimaschutz wohl nicht zusammen.
Der Wahlschock in Sachsen-Anhalt überschatte den Koalitionsausschuss, so ZDF-Korrespondentin Diana Zimmermann. Er schwäche die CDU und stärke das Misstrauen in der SPD.
07.10.2026 | 3:10 minWie weiter mit der Rente?
Der Ökonom Michael Hüther (Institut der deutschen Wirtschaft, Köln) spricht sich dafür aus, das von der Rentenkommission vorgelegte Reformpaket unangetastet zu lassen. Gerade weil es für alle Seiten eine Zumutung bedeute, könnten sich eigentlich auch alle darin zusammenfinden.
Lauterbach sagt, es gehe nicht darum, die Diskussion von vorn zu beginnen, sondern um einen konkreten Punkt, die Rente nach 45 Beitragsjahren. Und für die dafür ausfallende Ersparnis wolle die SPD einen Ausgleich vorschlagen.
Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zu Schwarz-Rot
- Analyse
Schwarz-Rot in der Krise?:Diese drei Punkte belasten die Koalition - ziemlich sogar
von Dominik Rzepkamit Video0:28 Nach Treffen im Kanzleramt:Koalition für zügige Reformen und gegen Extremismus
mit Video0:28- Exklusiv
ZDF-Politbarometer:Mehrheit sieht Reformen der Bundesregierung kritisch
- Analyse
Vor Koalitionsausschuss am Abend:Wie Sachsen-Anhalt die Koalition in Berlin belastet
von Wulf Schmiesemit Video2:44