USA sichern sich große Mengen Öl:Öl-Deal mit Venezuela: Sinken nun die Spritpreise in den USA?
von Marie Ahlers, Washington, D.C.
Die USA haben ein großes Öl-Abkommen mit Venezuela abgeschlossen. Sinken dadurch bald die Spritpreise? Und wie schnell kann Venezuela das Öl exportieren? Fragen und Antworten.
"Größter Öl-Deal in der Weltgeschichte": Die USA sichern sich laut Trump mehr als 65 Milliarden Barrel der Ölreserven Venezuelas. ZDFheute live analysiert, was hinter dem Abkommen steckt.
29.08.2026 | 10:23 min"Den größten Öl-Deal der Weltgeschichte" will Donald Trump mit Venezuela abgeschlossen haben. Der US-Präsident spricht gerne in Superlativen, macht mit Vorliebe große Versprechungen - wie auch in diesem Fall, in dem er ankündigt, die Öl-Reserven der USA zu verdoppeln. Warum sich das - zumindest kurzfristig - schwierig gestalten könnte und was sich Trump und Venezuela dennoch von dem Abkommen versprechen:
Was haben die USA und Venezuela vereinbart?
Die USA sollen die Kontrolle über ein Fünftel der venezolanischen Ölreserven - die als die größten weltweit gelten - sichern, 17 Ölfelder mit Reserven von 65 Milliarden Barrel. Zum Vergleich: Die USA verfügen über Ölreserven von 46 Milliarden Barrel.
Dafür gehe das Weiße Haus eine Partnerschaft mit dem venezolanischen Unternehmen North American Blue Energy Partners (Nabep) ein, teilte die US-Regierung am Montag mit. Die amtierende venezolanische Präsidentin Delcy Rodríguez gewähre dem Unternehmen für 100 Jahre die Rechte an diesen Ölfeldern.
Das Weiße Haus erklärte, das Abkommen werde für die USA "keine Kosten" verursachen. Das US-Verteidigungsministerium solle einen Eigentumsanteil von 35 Prozent an der Nabep-Muttergesellschaft erhalten. Außerdem werde den USA über das Außenministerium das Recht garantiert, 20 Prozent der Fördermenge zum Selbstkostenpreis zu erwerben. Die Mehrheit der Vorstandsmitglieder in dem Joint Venture solle aus US-Bürgern bestehen. Bei der Ernennung habe die US-Regierung ein Vetorecht.
Im April hatten die USA die Sanktionen gegen Venezuelas Präsidentin Rodríguez aufgehoben. Rodríguez begrüßte die Entscheidung als Schritt in Richtung Normalisierung und Stärkung der Beziehungen.
02.04.2026 | 0:26 minWas verspricht sich Venezuela von dem Öl-Deal?
Das Abkommen sieht vor, dass Nabep bis zu 100 Milliarden Dollar in neue Ölinfrastruktur investiert. Zudem sollen in den ersten 25 Jahren voraussichtlich 200 Milliarden Dollar an Lizenzgebühren und Steuern an Venezuela fließen.
Diese Einnahmen sollen den heutigen und künftigen Regierungen Venezuelas helfen, den Wiederaufbau des Landes und soziale Programme zu finanzieren.
Fact Sheet des Weißen Hauses
Venezuela mit seiner geschäftsführenden Präsidentin Delcy Rodríguez hofft durch das Abkommen auf Investitionen in die marode Ölindustrie und dadurch eine höhere Ölproduktion, die wiederum Arbeitsplätze und höhere Einkommen mit sich bringt. Laut Rodríguez werde die Vereinbarung die Beschäftigung stärken und auch Handel, Bauwirtschaft und öffentliche Dienstleistungen beleben.
Nach Angaben von Präsident Trump haben sich die Vereinigten Staaten von Amerika große Ölvorkommen in Venezuela gesichert. Durch das Abkommen erhält das Land Kontrolle über 65 Milliarden Barrel Öl.
29.08.2026 | 0:28 minWas verspricht sich Trump von dem Deal?
Trump steht innenpolitisch, noch dazu kurz vor den Zwischenwahlen in den USA, unter Druck, weil die Benzinpreise infolge des Kriegs mit Iran extrem angestiegen sind. Das Öl aus Venezuela soll den Notvorrat in den USA wieder auffüllen - und zwar, so Trump, schon bald. Die Ölreserven waren im August auf einem so tiefen Stand wie seit 44 Jahren nicht mehr.
Gleichzeitig erlangen die USA durch das Abkommen weitere Kontrolle über Venezuela, wie Lateinamerika-Experte Wolfgang Muno bei ZDFheute live erklärt. "Die USA entscheiden, welches Öl verkauft wird und die Erlöse kommen auf ein Konto in New York", so Muno. US-Außenminister Marco Rubio entscheide dann, wie das Geld in Venezuela ausgegeben werde.
Venezuela steht komplett unter Vormundschaft.
Wolfgang Muno, Lateinamerika-Experte
Der Krieg zwischen USA und Iran werde noch länger andauern, da Trump ein Plan fehle, sich aus der Auseinandersetzung zurückzuziehen, so Politikwissenschaftler Stephan Bierling bei ZDFheute live.
31.08.2026 | 14:58 minWie schnell kann Venezuela überhaupt Öl liefern?
Die Infrastruktur Venezuelas zur Ölförderung gilt als marode. Gleichzeitig ist das venezolanische Öl besonders schwer zu fördern und weiterzuverarbeiten. Das Öl in diesem Gebiet ist sehr schwer und sehr zähflüssig, erklärt Muno. "Das ist sehr schwer aus dem Boden zu bekommen."
Auch ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen erklärt: "Es braucht Jahre und Investitionen von über 100 Milliarden Dollar, um die Ölproduktion in Venezuela deutlich zu erhöhen."
Und das Öl aus dem mittelamerikanischen Land ist zu schwer, um daraus Benzin zu gewinnen.
Elmar Theveßen, ZDF-Korrespondent in Washington, D.C.
Es eigne sich bestenfalls für Asphalt und Diesel-Kraftstoff, so Theveßen. "Aber das verschweigt Donald Trump den Wählern."
Ehemalige Energieberater der US-Regierung warnten zudem, die Vereinbarung berge politische Risiken, da künftige Regierungen in Venezuela oder den USA den Vertrag anfechten könnten. Selbst wenn das Abkommen Bestand habe, könne es nach Einschätzung von Analysten Jahre dauern, den maroden Energiesektor Venezuelas wieder in Gang zu bringen.
Acht Monate nach der Gefangennahme durch das US-Militär hat sich Maduro auf Social Media zu Wort gemeldet. Seinen Landsleuten versicherte Venezuelas Ex-Präsident, er sei "standhaft".
31.08.2026 | 0:32 minWelche Rolle spielen die US-Benzinpreise?
Am 27. August kostete eine Gallone bleifreies Benzin im Durchschnitt 4,09 Dollar. Damit ist der Kraftstoffpreis seit Beginn des Iran-Kriegs um über ein Drittel gestiegen. Dem amerikanischen Automobilklub AAA zufolge könnte der August "einen neuen Rekord als teuerster August an der Zapfsäule" aufstellen.
Die Benzinpreise spielen bei den Midterms eine wichtige Rolle, weil die Menschen merken, dass das Leben unter der Trump-Administration immer teurer wird.
Elmar Theveßen, ZDF-Korrespondent in Washington, D.C.
Der Präsident wisse das genau, deshalb wolle er mit dem Öl-Deal mit Venezuela den Anschein erwecken, als könnten die Benzinpreise dadurch sehr bald schon sinken. "Das ist aber illusorisch", so Theveßen.
Die hohen Preise in den USA sind weiterhin das laut Umfragen drängendste Problem des Landes. Werden steigende Lebenshaltungskosten die Zwischenwahlen im November entscheiden?
06.05.2026 | 1:26 minZunächst hatte Trump Hoffnungen geweckt, dass die US-Bürger infolge des Deals mit niedrigeren Preisen rechnen könnten. Dann ruderte er zurück: Es könne "ein bisschen" dauern, bis sich die Vereinbarung auf die Preise an den Tankstellen auswirke, sagte er am Montag im Weißen Haus.
Was hat der Öl-Deal mit Russland und China zu tun?
Nach US-Angaben waren viele der Felder, die nun über den Öl-Konzern Nabep unter US-Kontrolle sind, zuvor im Besitz russischer oder chinesischer Unternehmen. Laut Lateinamerika-Experte Muno geht es Trump mit dem Öl-Abkommen auch darum, den Einfluss Chinas und Russlands auf Venezuela zu reduzieren.
Unter Ex-Präsident Hugo Chávez und auch unter Nicolás Maduro sei das Land ein enger Partner Chinas, Russlands und Irans gewesen. Gemäß der alten "Monroe-Doktrin" nähmen die USA aber für sich in Anspruch, als Einzige Einfluss auf Lateinamerika zu haben.
Marie Ahlers ist Reporterin im ZDF-Studio Washington, D.C.
Mit Material von Reuters und dpa.
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