Trumps Abkommen mit Venezuela:Der "größte Öl-Deal der Weltgeschichte"? Experte skeptisch
Trump feiert das Öl-Abkommen mit Venezuela als "größten Deal der Welt". Ein Experte hält dagegen: Es gehe vor allem um Kontrolle - und der Geldsegen sei alles andere als sicher.
"Größter Öl-Deal in der Weltgeschichte": Die USA sichern sich laut Trump mehr als 65 Milliarden Barrel der Ölreserven Venezuelas. ZDFheute live analysiert, was hinter dem Abkommen steckt.
29.08.2026 | 10:23 min65 Milliarden Barrel Öl soll ein neues Abkommen den USA sichern - genug, um die US-Ölreserven mehr als zu verdoppeln. Venezuela winken im Gegenzug fast 100 Milliarden Dollar. Donald Trump spricht vom "größten Öl-Deal der Weltgeschichte", auch Caracas hat die Vereinbarung bestätigt. Der Lateinamerika-Experte Professor Wolfgang Muno von der Universität Rostock dämpft im Gespräch mit ZDFheute live die Erwartungen jedoch deutlich.
Experte: Venezuela Protektorat der USA geworden
Für Muno ist das Abkommen weniger ein Neuanfang als die Bestätigung eines längst bestehenden Zustands. Trump gehe es vor allem um Kontrolle über das venezolanische Öl.
Dieser Vertrag, der jetzt abgeschlossen wurde, ist im Prinzip eine Formalisierung eines bisherigen Verhältnisses, denn Venezuela ist eigentlich kein eigenständiger Staat mehr, sondern mittlerweile ein Protektorat der USA geworden.
Wolfgang Muno, Lateinamerika-Experte von der Universität Rostock
US-Außenminister Marco Rubio agiere dabei "gewissermaßen als Vizekönig" und kontrolliere Land, Ölvorkommen und Ölverkäufe Venezuelas. Vieles bleibe aber offen: "Da ist noch viel Zukunftsmusik dabei." Ob die Investitionen tatsächlich flössen und sich das komplizierte Schweröl vermarkten lasse, müsse sich erst zeigen.
Wochen nach dem Erdbeben in Venezuela gelten immer noch Menschen als vermisst. Mehr als 6.000 starben, viele Häuser sind zerstört. Einige Betroffene leben noch in Zelten.
07.08.2026 | 1:40 minVenezuela unter Druck
Das Land verfügt über die größten bekannten Erdölreserven der Welt, war aber von Misswirtschaft und Sanktionen gezeichnet. Interimspräsidentin Delcy Rodríguez verkaufe den Deal als Erfolg, erklärt der Experte - auch weil ihr Regime "unter Druck" stehe, verstärkt durch ein jüngstes Erdbeben. Im Erdölsektor fehlten seit Jahren Investitionen, gefördert und raffiniert werde weniger als möglich und weniger als vor der Ära Hugo Chávez. Die venezolanische Hoffnung: frisches Kapital zur Modernisierung.
Schweröl wie Asphalt
Rodríguez sprach von rund 17 strategisch wichtigen Ölfeldern - vor allem in der Region um das Orinoco-Delta im Osten des Landes. Das Öl in diesem Gebiet sei " so ähnlich wie Asphalt", erklärt Muno, "sehr schwer" und "sehr zähflüssig".
Das ist sehr schwer aus dem Boden zu bekommen.
Wolfgang Muno, Lateinamerika-Experte von der Universität Rostock
Es müsse erst verflüssigt werden, nur wenige Spezialraffinerien könnten damit arbeiten. Bislang seien daher nur wenige Firmen wie die US-amerikanischen Konzerne Chevron oder Halliburton involviert, die nun mehr investieren sollen; auch der spanische Energiekonzern Repsol könnte einbezogen werden.
Die USA kündigen die "härtesten Sanktionen der Geschichte" und die "Endphase" des Konflikts mit Iran an. ZDFheute live analysiert die Details, Hintergründe und was neue Sanktionen bringen.
24.08.2026 | 36:21 minUSA wollen Chinas Einfluss dämmen
Neben dem Zugriff auf das Öl verfolge Washington ein zweites Ziel: "Den chinesischen Einfluss zurückzudrängen". Unter Chávez und Maduro sei das Land ein enger Partner Chinas, Russlands und Irans gewesen und habe sich hoch verschuldet: Rund 60 Milliarden Dollar habe Venezuela allein bei China mit Öllieferungen abbezahlt.
Muno sieht darin eine moderne Fassung einer alten US-Leitlinie - der Monroe-Doktrin, die schon vor 200 Jahren "Amerika den Amerikanern" forderte und europäische Einmischung von außen unter anderem auch in Lateinamerika ablehnte. Trump greife dieses Prinzip nun wieder auf, richte es aber gezielt gegen China.
Die Erlöse kommen auf ein Konto nach New York, und Marco Rubio entscheidet persönlich, welche Gelder davon für was in Venezuela ausgegeben werden. Venezuela steht komplett unter Vormundschaft.
Wolfgang Muno, Lateinamerika-Experte von der Universität Rostock
Die USA wollen Iran mit neuen Sanktionen wirtschaftlich weiter isolieren. Finanzminister Scott Bessent warnt andere Staaten vor Geschäften mit Teheran.
25.08.2026 | 1:40 minSkepsis in der Wirtschaft
Erste US-Konzerne zeigten sich zurückhaltend - wegen maroder Infrastruktur und früherer Enteignungen. Der Lateinamerika-Experte hält die Vorbehalte für begründet.
Eine schnelle Rendite ist nicht in Sicht. Langfristige Investitionen hängen von der Stabilität eines Regimes ab - und das Regime ist eigentlich sehr instabil.
Wolfgang Muno, Lateinamerika-Experte von der Universität Rostock
Eine Demokratisierung sei nicht absehbar. Der Vertrag solle die fehlende Rechtssicherheit durch US-Kontrolle ersetzen. Ob das aufgehe, zeige sich erst in vielen Jahren - auch weil der Aufbau der Infrastruktur enorm viel Zeit koste.
Trump will über das Iran-Fiasko wegkommen
Für Muno ist der Deal vor allem eine Erfolgsmeldung mit Blick auf die Zwischenwahlen. Seit dem Iran-Krieg sei der Sprit teurer, Trumps Beliebtheit eingebrochen.
Er riskiert, die Mehrheiten in beiden Kammern zu verlieren, und dann ist er eine Lame Duck für den Rest seiner Amtszeit.
Wolfgang Muno, Lateinamerika-Experte von der Universität Rostock
Mit der Nachricht wolle Trump über das Iran-Fiasko hinwegkommen, auf sinkende Ölpreise hoffen und sich einmal mehr als Retter inszenieren - zumal die Inflation hoch sei und die Fed Zinserhöhungen angedeutet habe.
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