Stabschefin Wiles: Trump hat "Persönlichkeit eines Alkoholikers"

FAQ

Aufregung um Interna aus Weißem Haus:Stabschefin: Trump hat "Persönlichkeit eines Alkoholikers"

von Fränzi Meyer und Beatrice Steineke, Washington D.C.

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Für US-Präsident Donald Trump ist sie die mächtigste Frau der Welt: Susie Wiles. Jetzt wurden Interviews mit der Stabschefin veröffentlicht - voller indiskreter Details.

US President Trump signs Fostering the Future executive order in Washington, DC

Offene Kritik aus Trumps engstem Umfeld: Ein Vanity-Fair-Artikel mit Aussagen der Stabschefin über Trump und die US-Regierung sorgt für Diskussionen - und für deutliche Reaktionen.

17.12.2025 | 0:51 min

US-Präsident Donald Trump habe die "Persönlichkeit eines Alkoholikers". Diese und weitere Aussagen stammen von einer der einflussreichsten Figuren in Trumps innerstem Machtzirkel. Eine Frau, die seit Jahrzehnten in der US-Politik mitmischt und auf deren Rat Trump vertraut. Sie ist wohl die mächtigste Frau in Washington: die amtierende Stabschefin Susie Wiles.

Er [Trump] handelt in der Überzeugung, dass es nichts gibt, was er nicht schaffen kann. Nichts, absolut nichts.

Susie Wiles, amtierende Stabschefin

Diese Aussage dürfte den US-Präsidenten noch freuen, doch Susie Wiles geht in ihren am Dienstag veröffentlichten Interviews mit dem US-Magazin "Vanity Fair" viel weiter. Sie kritisiert mehrere Mitglieder der aktuellen US-Regierung, spricht über Details zu Venezuela oder zu den Epstein-Ermittlungen.

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16.12.2025 | 0:30 min

Was hat Susie Wiles gesagt?

Normalerweise sucht Susie Wiles keineswegs die Öffentlichkeit. Lässt sich nur widerwillig von US-Präsident Donald Trump manchmal ins Rampenlicht ziehen, der sie als "mächtigste Frau der Welt" bezeichnete. Die Interview-Serie mit "Vanity Fair" ist mehr als ungewöhnlich.

In dem Artikel werden nur Fragmente ihrer Aussagen zitiert - hier Auszüge:

  • Zu Donald Trump: Für Aufsehen sorgte Wiles Vergleich von Trump zu ihrem Vater, dem Football-Spieler und Sportmoderator Pat Summerall, der Alkoholiker gewesen sei. Der US-Präsident habe in seiner Persönlichkeit die Züge eines Suchtabhängigen. Seine Zollpolitik sei entstanden, durch "lautes Nachdenken". Und zum Vorgehen gegen Gegner sagte Wiles: Trump wache zwar nicht morgens auf und denke über Vergeltung nach, aber wenn sich eine Gelegenheit biete, werde er sie nutzen.

  • Zu J.D. Vance: Der US-Vizepräsident sei "seit einem Jahrzehnt ein Verschwörungstheoretiker" und habe sich aus politischen Gründen vom Trump-Kritiker zum Trump-Verehrer gewandelt.

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  • Zu Elon Musk: Der lange Zeit ganz nah am Kabinett agierende Tech-Milliardär leitete die Abteilung für Regierungseffizienz (DOGE). Er verantwortet unter anderem die Abwicklung der US-Entwicklungshilfeorganisation USAID. Diesen Prozess könne kein vernünftiger Mensch gut heißen, so Wiles. Musks chaotische Führung hänge mit einer Ketamin-Abhängigkeit zusammen. Diese Aussage bestritt Wiles gegenüber der "New York Times", die sich wiederum auf Sprachaufnahmen von "Vanity Fair" bezieht.

  • Zu Pam Bondi und den Epstein-Ermittlungen: US-Justizministerin Pam Bondi habe im Fall der Epstein-Akten "völlig versagt". Es hätte etwa nie eine Kundenliste gegeben. Zudem habe Trump zwar behauptet, dass Ex-Präsident Clinton auf der Privatinsel von Epstein gewesen sei. Dafür gebe es aber keine Beweise.

  • Zu Venezuela: Hinter den US-Angriffen auf angebliche Drogenboote und der Beschlagnahmung eines Öltankers vor der Küste Venezuelas stecke Trumps Motivation, den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro unter Druck zu setzen: "Er will so lange Boote in die Luft jagen, bis Maduro kapituliert."

Auf X rudert Wiles nach der Veröffentlichung zurück. Ihre Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen. Der Artikel sei ein Angriff auf ihre Person und den Präsidenten. Sie distanziert sich zwar, aber bestreitet auch keine ihrer Äußerungen.

X Post von Stabschefin Susie Wiles

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Der venezolanische Präsident Nicolas Maduro spricht während einer Kundgebung zum Jahrestag der Schlacht von Santa Ines, die während des venezolanischen Bundeskriegs im 19. Jahrhundert stattfand.

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Wie reagiert Donald Trump?

Auf die Aussagen von Wiles angesprochen, zeigte sich der US-Präsident nicht überrascht, geschweige denn empört. In der "New York Post" sagte er, Wiles mache einen "fantastischen Job".

Ich denke, die Fakten waren falsch, und es war ein sehr fehlgeleiteter Interviewer, absichtlich fehlgeleitet.

Donald Trump, US-Präsident

Er habe eine besitzergreifende Persönlichkeit und wenn er trinken würde, wäre er mit hoher Wahrscheinlichkeit Alkoholiker.

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Was sagt Trumps Umfeld?

Ebenso verteidigte Vizepräsident J.D. Vance die "beste Stabschefin im Weißen Haus" - trotz Meinungsverschiedenheiten:

Ich habe nie erlebt, dass Susie Wiles dem Präsidenten etwas sagt und dann hinter den Kulissen versucht, ihn zu hintergehen oder seinen Willen zu sabotieren.

J.D. Vance, US-Vizepräsident

Auch Trumps Sprecherin Karoline Leavitt unterstrich, dass es keine loyalere Präsidentenberaterin als Wiles gebe. So erfährt die Stabschefin - trotz ihrer deutlichen Indiskretion - nur Rückendeckung.

Die Reihen innerhalb des Kabinetts und der Republikanischen Partei schlossen sich so schnell für sie, dass es nur einen Schuldigen - in den Augen der US-Regierung - gibt: das Magazin "Vanity Fair", sprich die 'Mainstream-Medien'.

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Hat "Vanity Fair" etwas zu befürchten?

Auf einer Veranstaltung in Pennsylvania gab Vance zu, den Artikel und die Aussagen der Stabschefin zwar nicht gelesen zu haben. Allerdings:

Wenn wir aus diesem Vanity-Fair-Artikel irgendetwas gelernt haben, dann hoffentlich das, dass wir weniger Interviews mit 'Mainstream-Medien' führen sollten.

J.D. Vance, US-Vizepräsident

Diese Schlussfolgerung von Vance kommt nur einen Tag, nachdem bekannt wurde, dass US-Präsident Trump die britische Rundfunkanstalt BBC auf zehn Milliarden Dollar verklagt.

Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis Trumps Anwaltsteam nun in irgendeiner Form gegen "Vanity Fair" vorgeht. Seit Amtsantritt schränkt die US-Regierung unter Donald Trump weiter und weiter die Pressefreiheit im Land ein, begrenzt Zugänge, schließt Journalisten aus oder verklagt Medien.

Drohen Wiles Konsequenzen?

Klar ist: Die Position der Stabschefin ist nicht gefährdet, erklärt US-Politikwissenschaftler Grant Reeher im Gespräch mit ZDFheute. Es werde ihr weithin zugeschrieben, dass sie Trump in seiner zweiten Amtszeit im Gegensatz zur ersten, fokussierter und aufgabenorientierter gehalten habe.

Sie hat die US-Regierung in Bezug auf die Erreichung ihrer Ziele wesentlich effektiver gemacht.

Grant Reeher, US-Politikwissenschaftler

Ihr Wert sei für den US-Präsidenten größer als der mögliche Schaden dieser Interviews, so Reeher. So könnte sich Susie Wiles nach einem kurzen Aufenthalt im Scheinwerferlicht wieder in den Schatten im Oval Office zurückziehen - ohne Folgen für sie selbst.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute in dem Beitrag "Diskussionen nach Interview von Trumps Stabschefin" am 17.12.2025 um 02:15 Uhr.

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