Bieterschlacht in den USA:Warner Bros.: Experte warnt vor "Verdichtung des Marktes"
US-Medienexperte Knüpfer sieht die beiden Übernahme-Szenarien für Warner Bros. kritisch. Er warnt bei ZDFheute live vor einer Verdichtung des Marktes mit weitreichenden Folgen.
Eine Übernahme von Warner Bros. würde den Medienmarkt auch in Deutschland und Europa verändern, sagt US-Medienexperte Knüpfer. Etwa bei der Vergabe von Sport-Übertragungsrechten.
09.12.2025 | 12:39 minDer Medienkonzern Paramount will den Hollywood-Rivalen Warner Bros. nicht kampflos Netflix überlassen und wendet sich mit einem Angebot direkt an die Aktionäre. Paramount bietet für den heutigen Gesamtkonzern Warner Bros. Discovery 108,4 Milliarden Dollar (knapp 94 Milliarden Euro).
US-Medienexperte Curd Knüpfer ordnet im Interview mit ZDFheute live die Bieterschlacht in einen größeren medienpolitischen und ökonomischen Rahmen ein.
Sehen Sie das ganze Interview oben im Video oder lesen Sie hier Auszüge.
Schon beim Netflix-Angebot hat Knüpfer "unter normalen Administrationen massive Zweifel", dass der Deal so durchgeht. Was aber nicht bedeute, dass dann Paramount übernehmen könne.
Quelle: ZDF
Neben den Übernahme-Optionen steht laut Knüpfer nämlich auch noch eine dritte Variante im Raum. Und zwar, dass alles beim Alten bleibt. "Es gibt in den USA Gesetze, die so etwas verhindern sollen, in beiden Fällen", betont Knüpfer mit Blick auf die Übernahmeangebote. Es gebe unterschiedliche Regularien, die jetzt eigentlich greifen müssten.
Hier muss der Staat eigentlich sagen, dass das dem Wettbewerb massiv schädigt und diese Merger eigentlich so nicht konform sind mit den Gesetzen.
Curd Knüpfer, US-Medienexperte
Knüpfer sieht also Szenario 3 ("Warner Bros. bleibt erhalten") als durchaus möglich an.
Der Unterhaltungskonzern Paramount Skydance will den geplanten Kauf von Warner Bros durch den Streaming-Anbieter Netflix verhindern und hat ein eigenes Übernahmeangebot vorgelegt.
09.12.2025 | 2:46 minGrundsätzlich habe sich der Medienmarkt insgesamt radikal geändert. Laut Knüpfer prallen derzeit zwei Welten aufeinander: Netflix treffe auf das "alte Hollywood". Die Art, wie Userinnen und User Medien, Filme und Serien konsumieren, habe sich verändert. Plattformmodelle und dezentraler Vertrieb stünden sich gegenüber. Das stehe auch für größere Marktveränderungen und den technologischen Wandel allgemein. Der Umbruch gehe also über das "Hantieren einzelner Unternehmen" hinaus.
Knüpfer: Verdichtung des Marktes
Beide Übernahme-Szenarien für Warner Bros. haben laut Knüpfer mit einer "massiven Verdichtung des Marktes" zu tun. Die großen Unternehmen würden zwar argumentieren, dass Nutzerinnen und Nutzer durch Zusammenschlüsse Zugriff auf mehr Inhalte bekämen. Die Erfahrung habe allerdings gezeigt, dass durch Monopole meist eben nicht weiter so produziert wird wie zuvor oder das Angebot günstiger werde, sondern dass vor allem Stellen eingespart würden.
Im Wettbieten um Warner Bros. gehe es auch um den Einfluss von Präsident Trump, sagt USA-Korrespondent David Sauer. Trump sagt offen, er werde an der Entscheidung beteiligt sein.
09.12.2025 | 8:49 minUnd er gibt zu bedenken:
Diese Konzerne sind in einer ganz anderen Verhandlungslogik, wenn es darum geht, mit Kulturschaffenden in Verhandlung zu treten oder mit Gewerkschaften.
Curd Knüpfer, US-Medienexperte
Ähnliches gelte, wenn es um Rechte und Lizenzen gehe. Das würde dann auch deutsche und europäische Märkte betreffen, zum Beispiel bei großen Sportereignissen.
Aus dieser Perspektive ist es natürlich nicht gut, wenn wir diese übermächtigen, massiv konsolidierten Unternehmen haben, die auch unterschiedliche Industrien besetzen.
Curd Knüpfer, US-Medienexperte
Paramount-Deal könnte nach Gefälligkeit für Trump aussehen
Der Bieterwettkampf hat aber auch eine politische Dimension, weil zu Warner Bros. Discovery auch CNN gehört. Der Nachrichtensender, der oft kritisch über US-Präsident Donald Trump berichtet, ist diesem ein Dorn im Auge.
Zur Rolle von Trump sagt Knüpfer: Die Regierung schaue in den hochpolitisierten USA derzeit immer darauf, welche Entscheidungen populär seien und welche nicht. Bei einem Paramount-Deal könne die "Optik" auf kommen, dass Trumps Familie bevorzugt werde. Unter den Geldgebern beim Übernahmeangebot von Paramount sind unter anderem die Investmentfirma Affinity Partners von Trumps Schwiergersohn Jared Kushner und Investoren aus Saudi-Arabien. Die Konzerne würden zwar versuchen, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Aber:
Donald Trump als Person hat mehrfach glaubwürdig bewiesen, dass ihn sowas nicht so sehr interessiert, auch nicht die Normen und Regularien, die bestehenden Gesetze der Vereinigten Staaten, die Verfassung.
Curd Knüpfer, US-Medienexperte
Die Behörden würden dagegen genauer auf die möglichen Übernahmen schauen, da es auch eine Zeit nach Trump gebe. Und dann könnten auch kritische Nachfragen aus dem US-Kongress kommen und Verantwortliche gegebenenfalls belangt werden, "wenn man jetzt Dinge durchwinkt, die sich später als illegal erweisen".
Das Interview bei ZDFheute live führte Jessica Zahedi.
Netflix hatte die Übernahme von Warner Bros. schon verkündet, da funkte Paramount mit einem Gegenangebot dazwischen. ZDFheute live zu den politischen Hintergründen.
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