Streit um das Nadelöhr:Wer kontrolliert die Straße von Hormus?
von Jörg Brase
Die USA behaupten, die Straße von Hormus sei offen. Iran behauptet das Gegenteil. Die Ölmärkte hoffen auf ein Ende des Streits. Doch das ist vorerst nicht in Sicht.
Die USA haben in den vergangenen Tagen gezielt iranische Infrastruktur angegriffen, was auch zu Energieknappheit und Stromausfällen führt, berichtet ZDF-Korrespondent Jörg Brase.
13.07.2026 | 11:45 minDie USA würden zum "Schutzengel der Meerenge", versprach Donald Trump im US-Sender Fox News. "Wir werden die Meerenge behalten und sie wahrscheinlich kontrollieren." Doch dafür, so Trump, müsse sein Land natürlich finanziell entschädigt werden.
Der Mann, der Grönland kaufen und Kuba zum nächsten US-Bundestaat machen will, denkt nun daran, die Straße von Hormus kontrollieren zu wollen. Vor den Augen Irans und Omans, den Küstenländern auf der nördlichen und südlichen Seite. Nicht nur die werden der neuesten Idee Trumps wenig abgewinnen können. Das zum einen. Zum anderen kann man nur "behalten", was man bereits hat. Und das ist schlicht nicht der Fall.
Wenn es eine Sache gibt, die das Regime in Teheran nicht akzeptieren wird, dann ist es eine Rolle des Erzfeinds USA bei der Kontrolle der Meerenge im Persischen Golf. So steht es auch im Rahmenabkommen, das zwischen den USA und der Islamischen Republik auf Vermittlung Pakistans und Katars Mitte Juni unterschrieben wurde. Demnach müssten sich alle amerikanischen Streitkräfte aus dem Umfeld Irans zurückziehen. Innerhalb von 30 Tagen nach Unterzeichnung einer endgültigen Friedensvereinbarung. Davon aber sind beide Seiten weit entfernt. Gerade haben die USA angekündigt, die Seeblockade wieder einrichten zu wollen, die nach dem Rahmenabkommen aufgehoben worden war.
Die amerikanischen Luftangriffe hätten nicht ausgereicht Iran “in die Knie zu zwingen”, analysiert Sicherheitsexperte Prof. Fischer. Eine Rückkehr zum Verhandlungstisch hält er für möglich.
13.07.2026 | 9:49 minStraße von Hormus: Iran und Oman haben finanzielle Interessen
Iran besteht darauf, diese für den Welthandel so wichtige Seestraße zu kontrollieren. Die Straße von Hormus sei für Iran wichtiger als Dutzende Atombomben, so formulierte es Mohsen Rezaei, der militärische Berater von Irans oberstem Führer Modschtaba Chamenei.
Tatsächlich scheint das Regime in Teheran im Zuge des laufenden Konflikts begriffen zu haben, welch wirksame Waffe man mit dem Zugriff auf die Meerenge in der Hand hält. Je länger die Auseinandersetzung mit den USA anhält, desto größer sieht Irans Führung die Chance, möglichst viel an Zugeständnissen herauszuschlagen. Und die bisherigen Ergebnisse der Verhandlungen scheinen das zu bestätigen.
So sieht das Rahmenabkommen vor, dass die Anrainer Iran und Oman über "die künftige Verwaltung und maritime Dienste in der Straße von Hormus" verhandeln sollen. Daran haben beide Länder das größte Interesse, denn solche "maritimen Dienste", wie etwa Lotsenschiffe, will man sich honorieren lassen. Es winken Milliardeneinnahmen, die vor allem Iran dringend braucht. In eine zukünftige Regelung der freien Durchfahrt sollen alle Anrainer des Persischen Golfs einbezogen werden, also auch Irak, Kuwait, Saudi Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Das US-Militär hat Dutzende Ziele in Iran angegriffen. Unter anderem standen Luftabwehrsysteme und Radarstationen im Visier. Iran reagierte mit Angriffen auf US-Militärstützpunkte.
13.07.2026 | 0:26 minIran hält Trumpf in der Hand - riskiert ihn aber
Ob es ein 300-Milliarden-Dollar-Wiederaufbauprogramm ist, die Freigabe eingefrorener Auslandsguthaben, die schrittweise Aufhebung der US-Sanktionen oder die Freigabe des Ölhandels, alle diese Punkte des Rahmenabkommens stärken die Position der iranischen Führung und zeigen, welch mächtigen Hebel Teheran mit der Störung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus in der Hand hält. Trotzdem riskiert die iranische Seite die bisherigen Verhandlungserfolge durch ständige Provokationen.
Iran unterstützt Terrorgruppen und Milizen im Nahen und Mittleren Osten. Viele arabische Staaten arbeiten eng mit den USA zusammen. Wer steht wo in der Krisenregion?
10.06.2026 | 1:19 minSo beschossen die Revolutionsgarden ein Containerschiff, das am Wochenende entlang der Küste Omans die Meerenge passieren wollte und dabei die Ortungsinstrumente abgeschaltet hatte. Iran besteht darauf, dass nur eigene, vorher festgelegte Routen nach erteilter Genehmigung genutzt werden dürfen. Immer wieder setzt Teheran Nadelstiche, um zu zeigen, dass es dem Regime ernst ist mit der Kontrollhoheit über den wichtigen Seeweg. Der jüngste Beschuss löste heftige Gegenschläge der USA aus. Eine Einigung scheint weit entfernt. Doch vermutlich werden beide Seiten wieder reden, wenn sich die Gemüter etwas beruhigt haben.
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