Tag der Unabhängigkeit der Ukraine im Schatten des Krieges

35. Unabhängigkeitstag der Ukraine:Feiertag im Schatten zunehmender Angriffe Russlands

ZDF-Reporter Henner Hebestreit in Kiew

von Henner Hebestreit, Kiew

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Der Nationalfeiertag der Ukraine wird überschattet von zunehmenden Todeszahlen. Abwehrwaffen fehlen, während ballistische Raketen zur wachsenden Gefahr für die Bevölkerung werden.

Schaltgespräch mit ZDF-Reporter Henner Hebestreit zum ukrainischen Nationalfeiertag

Internationale Gäste reisen zu den Feierlichkeiten am ukrainischen Nationaltag an. Dort gehe es um die Frage, "was nach einem möglichen Waffenstillstand passiert", so ZDF-Reporter Hebestreit.

24.08.2026 | 0:52 min

Über Kiew strahlt der Himmel an diesem Morgen so blau, wie er in der ukrainischen Nationalflagge dargestellt ist: ein Sommertag, wie er schöner kaum sein könnte. Kein Luftalarm hat die Nachtruhe gestört, der 35. Jahrestag der ukrainischen Unabhängigkeit beginnt traumhaft - immerhin.

Juli war bisher tödlichster Monat für die Zivilbevölkerung

Die Menschen in den großen ukrainischen Städten wie Kiew hat der Stress erreicht, den sie aus anderen, frontnäheren Landesteilen kennen: Immer wieder Luftalarm, Einschläge von russischen Geschossen dort, wo man sich lange sicher fühlte vor solchen Auswirkungen des Angriffskrieges, der vor viereinhalb Jahren begonnen hat.

Die ukrainische Nationalflagge weht im Wind.

Vor 35 Jahren löste sich die Ukraine von der Sowjetunion. Seitdem gilt der 24. August als Nationalfeiertag. Auch in diesem Jahr reisen zahlreiche internationale Gäste zu den Feierlichkeiten an.

24.08.2026 | 1:22 min

Der Juli war der bislang tödlichste Monat für die ukrainische Zivilbevölkerung, und der August hat auch schon tragisch viele Opfer gefordert, zuletzt mindestens 16 Tote und über 130 Verletzte bei einem Drohnenangriff auf ein Einkaufszentrum in Krywyj Rih, der Heimatstadt des ukrainischen Präsidenten Selenskyj.

Charkiw, Saporischschja, Odessa, Dnipro und auch in Kiew sterben inzwischen fast täglich Menschen bei russischen Luftschlägen.

Dieses Foto zeigt Rauch, der bei Sonnenuntergang nach einem Drohnenangriff in Kiew am 20. August 2026 im Zuge der russischen Invasion in der Ukraine aufsteigt.

Bei schweren russischen Angriffen auf Kiew und die umliegende Region sind mindestens 16 Menschen getötet worden. Präsident Selenskyj forderte erneut Abfangraketen vom Typ Patriot.

20.08.2026 | 2:42 min

Luftverteidigung der Ukraine kriselt

Vor allem im Duell gegen ballistische Raketen aus Russland steht die ukrainische Luftverteidigung zunehmend auf verlorenem Posten: Dem Land gehen die Patriot-Flugabwehr-Raketen aus, neue sind schwer zu bekommen: Auf dem globalen Rüstungsmarkt ist die Nachfrage nach diesen Waffen weitaus größer, als die Industrie produzieren kann.

Auch Bundesaußenminister Johann Wadephul hatte bei seinem Ukraine-Besuch am Wochenende keine kurzfristige Lösung im Gepäck, versprach aber, gemeinsam mit den europäischen und internationalen Partnern nach Lösungen zu suchen. Präsident Selenskyj, der seine Partner ständig um neue Abwehrwaffen bittet, erinnerte vor Journalisten daran, dass Deutschland zugesagt hat, 600 Patriots zu liefern. 2027, so Selenskyj, soll die Lieferung beginnen.

Johann Wadephul CDU, Bundesaussenminister, wird bei seiner Ankunft am Bahnhof von Kyjiw vom deutschen Botschafter in der Ukraine, Boris Ruge, empfangen.

Kurz vor dem 35. Unabhängigkeitstag der Ukraine besucht Außenminister Wadephul die ukrainische Hauptstadt Kiew. Wadephul sicherte der Ukraine weitere Unterstützung zu.

22.08.2026 | 0:18 min

Zahlreicher Besuch europäischer Spitzenpolitiker

Die nächsten Monate werden für die Menschen im Land also nicht leichter, was Angriffe aus der Luft angeht. Viele erinnern sich noch an die Schrecken des vergangenen harten Winters, als Russland die Energie- und Wärmeversorgung unter Feuer genommen hatte und man bei eiskalten Temperaturen bei bis zu minus 25 Grad frieren musste. Bis zum nächsten Winter sind es nur noch wenige Monate.

Da kommt der zahlreiche Besuch europäischer Spitzenpolitiker gerade recht: Neben dem Bundesaußenminister waren das am Wochenende vor allem Regierungschefs aus Skandinavien und dem Baltikum. Heute werden die Spitzen der sogenannten Koalition der Willigen in Kiew erwartet. Bundeskanzler Merz ist wie Frankreichs Staatschef Macron den Beratungen per Video zugeschaltet.

Militäranalyst Hendrik Remmel

Putin setze in der Ukraine weiter auf Schläge gegen die Zivilbevölkerung, sagt Militäranalyst Hendrik Remmel. Den Ukrainern stehe auch wegen anhaltender Angriffe ein harter Winter bevor.

20.08.2026 | 21:28 min

Weitere Unterstützung wird zugesichert

Die Ukraine kann sich weiterer moralischer und materieller Unterstützung sicher sein - denn, so sagte es Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen: "Eure Sicherheit ist Europas Sicherheit. Wenn ihr Charkiw oder Odessa verteidigt, dann verteidigt ihr auch Riga, Helsinki und Kopenhagen. Und dafür schulden wir euch Dank."

Vielleicht verdanken die Menschen in Kiew den zahlreichen Gästen aus dem Ausland auch diesen ruhigen Morgen: Russland mag davon absehen, den Nationalfeiertag mit Raketen zu stören. Morgen kehrt dann der Alltag zurück nach Kiew. Ein Alltag mit Luftalarm und Todesangst.

Tote in Kiewer Vorort gemeldet
:Während Wadephul-Besuch: Russische Angriffe auf Kiew

Außenminister Wadephul ist in die Ukraine gereist - während seines Besuchs kam es zu einem russischen Angriff auf Kiew. Wadephul warf Moskau "wahllosen Mord an Zivilisten" vor.
mit Video2:14
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) trifft Wolodymyr Selenskyj am 22.08.2026 in Kiew, Ukraine.

ZDF-Reporter Henner Hebestreit berichtet aus Kiew.

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Über dieses Thema berichtet das ZDF in heute Xpress am 24.08.2026 um 10:06 Uhr.

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