Wie Russland den Krieg von der Öffentlichkeit fernhält

Drohnenangriffe auf Moskau:Wie Russland den Krieg von der Öffentlichkeit fernhält

Felix Klauser

von Felix Klauser, Moskau

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Moskau wird erneut von ukrainischen Drohnen angegriffen. Es ist die schwerste Attacke seit zwei Jahren. Die Schäden bleiben überschaubar - die russischen Medien schweigen.

Autoverkehr staut sich auf einer Straße in der Nähe des Kremls in Moskau. (Archiv)

Moskau ist wieder Ziel von ukrainischen Drohnenangriffen geworden - die staatlichen Medien schweigen erstmal.

Quelle: epa

Die Mitteilung des Moskauer Bürgermeisters kommt ziemlich zuverlässig jeden Morgen - heute aber lässt ihr Inhalt einmal mehr aufhorchen: 620 ukrainische Drohnen, berichtet Sergej Sobjanin, seien von Montagabend bis Dienstagmorgen in Richtung der russischen Hauptstadtregion geflogen. Laut Russlands staatlicher Nachrichtenagentur Tass ist es der schwerste Angriff auf Moskau in den vergangenen zwei Jahren.

Bei den Angriffen sollen Wohnhäuser, Geschäfte und ein Kraftwerk in der Region Moskau getroffen worden sein. Mindestens drei Menschen seien verletzt worden, teilte der lokale Gouverneur mit. Die meisten Drohnen seien bereits im Anflug abgewehrt worden, 180 von ihnen über dem Luftraum der Hauptstadtregion.

Russische Medien verschweigen Schäden durch Angriffe

In Moskau selbst ist von alldem am Dienstag wenig zu spüren - abgesehen davon, dass gleich drei Flughäfen der Stadt den Betrieb zwischenzeitlich eingestellt haben. In der Millionenmetropole gehören gestrichene Flüge und lange Wartezeiten mittlerweile zum Alltag.

Militäranalyst Franz-Stefan Gady

Die Ukraine treffe derzeit besonders kritische Ziele, um Russland zu schwächen, so Militäranalyst Gady. Dazu zählt er auch die Angriffe am Schwarzen Meer. Doch auch Russland verzeichne Erfolge.

13.08.2026 | 25:17 min

Fester Bestandteil dieses Alltags ist auch, dass das staatliche Fernsehen am Dienstagmorgen erstmal schweigt - zumindest in Bezug auf die Drohnenattacken. Schäden werden nicht gezeigt. Stattdessen läuft das Programm, als ob gar nichts geschehen wäre - und zeigt Erfolgsmeldungen von der Front.

Dazu passt, dass mittlerweile in einem Großteil Russlands verboten ist, Videos von Angriffen oder daraus resultierenden Schäden aufzunehmen oder zu verbreiten. Personen, die dagegen verstoßen, droht ein Bußgeld. Das klar erkennbare Ziel: den Krieg und die Angriffe möglichst aus der russischen Öffentlichkeit herauszuhalten.

Wieder Attacke auf Wildberries-Lager

Allein: In zwei Bereichen gelingt das nicht so recht. Da wären zum einen die Angriffe der Ukraine auf Warenlager des russischen Onlinehändlers Wildberries, der häufig als russisches Amazon bezeichnet wird. Seit mehreren Wochen greift die Ukraine die Logistikzentren des Unternehmens an - der Schaden dürfte mittlerweile weit in den Milliarden liegen.

Rauch steigt über einem Wildberries-Logistikzentrum in Rjasan auf, während Feuerwehrleute nach einem ukrainischen Drohnenangriff den Brand löschen.

Das ukrainische Militär hat erneut ein Lager des russischen Onlinehändlers Wildberries mit Drohnen angegriffen. Kiew wirft dem Unternehmen vor, Bedarf für den russischen Angriffskrieg zu liefern.

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Vor allem kleinere Händler, die ihre Produkte über Wildberries verkaufen, fragen sich, wer eigentlich für ihre Verluste aufkommt. Auch heute Nacht wurde ein Wildberries-Lager in der Region Moskau getroffen. Der Schaden soll überschaubar sein, Verletzte gab es nicht.

Benzinmangel in Moskau

Zum anderen wären da die Angriffe auf russische Raffinerien und Öllager, die seit Monaten anhalten - und direkte Auswirkungen auf den Alltag der Russinnen und Russen haben. Eine erste Benzinkrise im Juni schien überstanden, in den vergangenen Wochen hatte sich die Versorgung mit Benzin und Diesel weitgehend stabilisiert.

Jüngst aber hat sich die Lage auch im Raum Moskau wieder verschärft: Mithilfe von Apps suchen Autofahrer nach Tankstellen, die momentan Benzin vorrätig haben - wohl wissend, dass bei ihrer Ankunft bereits alles wieder verkauft sein könnte.

Putin vor einer Karte der Ukraine.

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Bußgeld für Beschwerde über Benzinverteilung

Der Unmut, der über das knapp werdende Benzin geäußert wird, wird mittlerweile ebenfalls teils unterbunden. In Wolgograd beschwerten sich mehrere Personen in einem Social-Media-Video über ungerecht verteilte Benzinverkäufe - was die Polizei als nicht genehmigte öffentliche Veranstaltung wertete. Die Folge auch hier: ein Bußgeld.

Der Angriff auf Moskau heute Nacht zeigt einmal mehr, wie stark der Krieg in Russlands Alltag angekommen ist - und wie viel der Machtapparat dafür tut, dass möglichst wenig darüber gesprochen wird.

Felix Klauser ist ZDF-Reporter für Russland, den Kaukasus und Zentralasien.

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