Putin beim Waldai-Forum: Spott für Ukraine und Warnung an Nato

Waldai-Forum in Moskau:Wie Putin an seiner Drohkulisse gegen den Westen arbeitet

Porträt von Felix Klauser, ZDF-Auslandsstudioleiter Moskau

von Felix Klauser, Moskau

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Russlands Präsident Putin sieht die Welt an einem "entscheidenden Punkt". Auf Bedrohungen erwäge Russland mit "allen Waffen" zu reagieren. Die Drohung folgt einem alten Muster.

Russlands Präsident Wladimir Putin gestikuliert, während er am 1. Oktober 2026 beim Treffen des Valdai-Diskussionsklubs in Moskau vor dem Publikum spricht.

Er droht dem Westen - wieder: Russlands Präsident Wladimir Putin.

Quelle: AFP / Igor Ivanko

Auftritte Putins folgen in der Regel einem altbekannten Muster: Die Gäste ein wenig warten lassen, etwas verspätet die angekündigte Rede halten, anschließend eine Diskussion mit einem Moderator führen, Spitzen gegen den Westen setzen.

Um es kurz zu machen: Wladimir Putin ist sich am Donnerstagabend treu geblieben, beim traditionsreichen Waldai-Forum, das Russlands Präsident alljährlich für seine außenpolitische Grundsatzrede nutzt. Die ist in diesem Jahr vielleicht noch düsterer ausgefallen als in den Jahren zuvor.

Donald Trump mit erhobener Faust als Schattenriss vor US-Flagge, darunter Schriftzug: "Der Trump Effekt - Kommt Russlands Angriff?", rechts Nahaufnahme von Putin, der einen Stift in der Hand hält

Europa will bis 2030 verteidigungsfähig sein. Doch Russlands hybride Angriffe laufen längst. Wie reagieren Deutschland, EU und Nato auf die wachsende Bedrohung?

29.09.2026 | 59:09 min

Putin: Vorschlag, Angriffe im Schwarzen Meer zu stoppen, "lächerlich"

Dabei sah es kurz nach einer möglichen Überraschung aus. Offen gestanden: sehr kurz. Ja, die Ukraine habe mit ihren Angriffen auf russische Ölraffinerien "ihre Ziele teilweise erreicht", so Russlands Präsident beim Waldai-Forum in Moskau. Die Angriffe würden Russland, so Putin, etwa ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts kosten.

Aber - mögliche Überraschung abgesagt - nein, Russland werde im Gegenzug für ein Ende der ukrainischen Angriffe auf Raffinerien nicht aufhören, ukrainische Schiffe im Schwarzen Meer anzugreifen. Der entsprechende Vorschlag aus Kiew und Washington sei laut Putin "lächerlich".

Militäranalyst Gustav Gressel vor einer Karte der Ukraine

Die Ukraine meldet Geländegewinne im Donbass. Mit "Operation Vivaldi" soll es gelungen sein, Russland wochenlang zu täuschen. Wurde Putin überrumpelt? Die Militäranalyse bei ZDFheute live.

01.10.2026 | 38:49 min

Waldai-Forum von Sotschi nach Moskau verlegt

Danach wirft Putin dem Westen vor, für den Krieg in der Ukraine verantwortlich zu sein, zur Eskalation beizutragen, sich dem Dialog zu verschließen, zu dem Russland bereit sei.

Alles normal also - auf den ersten Blick. Dabei spricht schon der diesjährige Veranstaltungsort Bände: Das traditionsreiche Waldai-Forum, das in den vergangenen Jahren in Sotschi veranstaltet wurde, wurde in diesem Jahr nach Moskau verlegt. Laut Medienberichten vor allem aufgrund der häufigen ukrainischen Drohnenangriffe am Schwarzen Meer.

Rettungskräfte löschen einen Brand im Gebäude der Nationalen Akademie der Wissenschaften, das nach einem russischen Drohnenangriff im Zentrum der ukrainischen Hauptstadt beschädigt worden war.

Der vermehrte Einsatz von Drohnen mit Jetantrieb verändert den Krieg in der Ukraine deutlich. Immer wieder werden auch Städte fernab der Frontlinie beschossen, allen voran die Hauptstadt Kiew.

30.09.2026 | 6:34 min

Russische Regierung legt Haushaltsentwurf vor: Defizit verdoppelt

Die Folgen der Angriffe werden in Russland im bereits fünften Jahr der "militärischen Spezialoperation" immer spürbarer. Die Wirtschaft steht unter Druck. Erst diese Woche hat die Regierung die Prognose für das diesjährige Haushaltsdefizit nahezu verdoppelt.

Gleichzeitig sollen die Ausgaben für den Verteidigungssektor auf einen neuen Höchststand seit dem Jahr 2022 steigen. Weiter mit Härte aufzutreten, passt ins Muster des Kreml. Dazu gehören auch Drohungen Richtung Westen - die Putin bei seinem Auftritt erneut abgibt. Und sie wohlgemerkt nicht als solche verstanden wissen will.

Parliamentary elections in Russia

Ukrainische Drohnen bringen den Krieg tief nach Russland – aber weil nur Putin-treue Kandidaten antreten dürfen, wird die Kriegsangst am Kreml-freundlichen Ergebnis wohl nichts ändern.

18.09.2026 | 3:22 min

Drohung gegen Nato: Russland bereit "ganzes Arsenal" einzusetzen

Beispiel: Putins Bemerkung zur russischen Exklave Kaliningrad, um die es in den vergangenen Tagen Aufregung zwischen Russland und der Nato gab. Russlands Vertretung in Brüssel, wo die Nato ihr Hauptquartier hat, drohte mit dem Einsatz des "ganzen Arsenals" Russlands - sprich: auch atomarer Waffen - sollte die Nato vermeintliche Szenarien zur Blockade Kaliningrads realisieren. Putin bekräftigt diese Aussage am Donnerstag.

Sollte es eine Bedrohung für die russische Exklave Kaliningrad geben, werden wir den Einsatz aller Waffen unseres Arsenals in Erwägung ziehen.

Wladimir Putin, Präsident Russland

Belege für Pläne dieser Art nannte die russische Seite nicht. Hintergrund der Drohungen dürften verstärkte Übungen der Nato an ihrer Ostflanke sein. Entsprechende Manöver kritisierte auch Putin beim Waldai-Forum, bezeichnete nicht näher benannte Militärübungen als "Eskalation".

Kiew

Seit Jahren eskaliert Russland den Luftkrieg gegen die Ukraine und griff allein in der vergangenen Woche mit mehr als 2.000 Drohnen an. Neue Modelle stellen die Luftabwehr dabei vor große Probleme.

30.09.2026 | 2:16 min

Putin: Welt an "entscheidendem Wendepunkt" angelangt

Dass Russland andere Staaten bedrohe, bestritt Putin bei seiner Rede erneut. Weder im Jahr 2029 noch 2030 noch 2050 plane man, irgendein Land in Europa anzugreifen, so der Kremlchef. Gleichzeitig streut er jedoch eine Warnung ein: Auf Aggressionen werde Russland reagieren.

Die Welt, so Putin, sei an einem "entscheidenden Wendepunkt" angelangt, an dem eine ungebremste Eskalation potenziell katastrophale Auswirkungen haben könnte. Putin spricht von Waffen, die alles Leben auf der Erde zerstören könnten, einem "Point of no Return", den es zu verhindern gelte.

Das Wort "Atomwaffen" nutzt er nicht. Und doch ist klar, was Putin meint. Es ist ein Auftritt des russischen Präsidenten, der ein düsteres Bild der Zukunft zeichnet - und damit in die Tradition des Waldai-Forums passt.

Felix Klauser leitet das ZDF-Studio Moskau.

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Seit Februar 2022 führt Russland einen Angriffskrieg gegen die Ukraine, die Kämpfe dauern an. Alle Entwicklungen und Ukraine-News im Liveticker.
Satellitenbild: Rauchgeneratoren auf der Krim-Brücke aufgenommen am 22.6.2026
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Über Putin und den Krieg in der Ukraine berichtete das ZDF unter anderem im Podcast "Der Trump-Effekt" am 29.09.2026 ab 15 Uhr sowie im auslandsjournal am 30.09.2026 ab 22:15 Uhr.

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