Rede beim Westfälischen Friedenspreis:Merz warnt vor russischem Angriff auf Deutschland und Nato
Die Nato hat den Westfälischen Friedenspreis in Münster erhalten. Bei der Laudatio warnt Kanzler Friedrich Merz eindringlich vor nachlassender Unterstützung für die Ukraine.
Die Nato wurde mit dem Westfälischen Friedenspreis ausgezeichnet. In seiner Laudatio warnte Bundeskanzler Friedrich Merz eindringlich vor Angriffen auf die Nato.
Quelle: dpa / Fabian StrauchBundeskanzler Friedrich Merz hat in einer außenpolitischen Grundsatzrede eindringlich vor nachlassender Hilfe für den Abwehrkampf der Ukraine gegen Russland gewarnt. "Wanken wir in Deutschland, dann wankt Europa. Wankt Europa, dann wankt auch die Ukraine", mahnte er bei der Verleihung des Westfälischen Friedenspreises an die Nato in Münster.
Er warnte konkret vor einem russischen Angriff auf Deutschland und die Nato, wenn die Ukraine fällt: "Gelingt es nicht, Moskau Einhalt zu gebieten, dann wird sich die russische Kriegsmaschinerie früher oder später gegen uns, gegen die Nato selbst richten. Vor dieser Gefahr dürfen wir nicht die Augen verschließen."
Ohne deutsche Hilfe werde der Krieg gegen die Ukraine in einen "diktierten Frieden" münden, betonte Merz. Dann drohten Massenmigration Richtung Westen und die Destabilisierung des ukrainischen Staats, so der Kanzler.
Merz kritisiert Nähe der AfD zu Russland
Deutschland ist inzwischen finanziell und militärisch der wichtigste Unterstützer der Ukraine. Es gibt aber wachsenden Widerstand gegen die Milliardenhilfen. Die AfD macht mit dem Thema Wahlkampf. Merz ging darauf in seiner Rede direkt ein: "Auch in Deutschland werden wir uns nicht spalten lassen", sagte er. "Nicht durch hybride Angriffe, nicht durch von Moskauer Bots gesteuerte Hetze in den sozialen Medien und auch nicht durch die Parolen der AfD und ihrer russischen Hintermänner", sagte der Kanzler mit Blick auf die Nähe der Partei zu Russland.
Europa will bis 2030 verteidigungsfähig sein. Doch Russlands hybride Angriffe laufen längst. Wie reagieren Deutschland, EU und Nato auf die wachsende Bedrohung?
29.09.2026 | 59:09 minDen Kritikern der Ukraine-Hilfe sagte Merz, dass die Unterstützung kein Selbstzweck sei. "Wir leisten sie vor allem anderen, um die Freiheit und die Sicherheit der Menschen in unserem Land zu schützen."
Russland verstehe nur "Sprache der Stärke"
Merz betonte, dass sich Deutschland auch durch zunehmende hybride Angriffe nicht von der Hilfe abbringen lassen werde. Er verwies auf den Drohnenangriff am Leipziger Flughafen im Sommer. Diese "gefährliche Eskalation" sei vor allem Ausdruck einer "wachsenden russischen Ratlosigkeit" angesichts erfolgloser Kriegsführung in der Ukraine. "Wir stellen uns auf weitere hybride Angriffe ein, auch auf schwere. Kämen sie, dann würden wir wie nach Leipzig schnell und sehr klar antworten", sagte Merz.
Das Gespräch von Außenminister Johann Wadephul mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow am vergangenen Wochenende sei ein weiteres Beispiel dafür, dass diplomatische Bemühungen in Moskau auf taube Ohren stießen. Russland verstehe nur die "Sprache der Stärke" und müsse auf diesem Weg an den Verhandlungstisch gebracht werden. "Eintracht und Stärke sind auch heute Erfolgsbedingungen für Verhandlungen mit Moskau."
Im ZDF-Exklusiv-Interview spricht Außenminister Johann Wadephul nach dem Treffen mit Sergej Lawrow von einem "intensiven Gespräch". Weitere Gespräche würden nun in russischer Hand liegen.
26.09.2026 | 3:28 minNato mit Westfälischem Friedenspreis geehrt
Der Friedenspreis wird alle zwei Jahre von der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe (WWL) verliehen. Er erinnert an den Westfälischen Frieden von 1648, der in den Rathäusern von Münster und Osnabrück geschlossen wurde. Mit ihm endete der Dreißigjährige Krieg, und er gilt als Beitrag zur europäischen Friedensordnung unter gleichberechtigten Staaten.
Dieses Jahr wurde die Nato in Anwesenheit von Generalsekretär Mark Rutte für ihren Beitrag zur europäischen Friedensordnung geehrt.
Die Laudatio des Kanzlers auf die Nato war seine zweite außenpolitische Grundsatzrede in diesem Jahr. Im Februar hatte er seine Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz vor allem der transatlantischen Partnerschaft zwischen Europa und den USA gewidmet. In seiner jetzigen Rede ging es fast ausschließlich um die Politik gegenüber der Ukraine und Russland.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat vor weiteren hybriden Angriffen aus Russland gewarnt. Geheimdienstinformationen zeigten, dass Russland weitere Sabotageakte plane, so Kallas.
28.09.2026 | 0:19 minLassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
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