Russische Vermögen für Ukraine-Hilfen?:EU-Gipfel in Brüssel: Gespräche dauern wohl bis in die Nacht
Beim EU-Gipfel drängt Selenskyj auf eine rasche Entscheidung zur Ukraine-Hilfe. Doch das Ringen um Russlands Vermögen dauert an. Womöglich steht eine "lange Brüsseler Nacht" bevor.
Die EU debattiert über die Finanzierung der Ukraine-Hilfen für die nächsten Jahre – und ob eingefrorenes russisches Vermögen dafür verwendet werden sollte. Alles hängt an Belgien.
18.12.2025 | 2:47 minDas Ringen um die Verwendung eingefrorener russischer Staatsvermögen für die Unterstützung der Ukraine geht weiter. Auf dem EU-Gipfel in Brüssel bahnt sich eine Nachtsitzung an. Große Fortschritte in den Verhandlungen gebe es bislang nicht, berichtet ZDF-Korrespondent Ulf Röller aus Brüssel:
Noch ist kein Durchbruch zu vermelden.
Ulf Röller, ZDF-Korrespondent in Brüssel
Die EU geht davon aus, dass die Ukraine für die nächsten zwei Jahre ein Finanzierungsloch von rund 135 Milliarden Euro stopfen muss. Demnach droht dem Land ab April das Geld auszugehen. Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, mithilfe der mehr als 200 Milliarden Euro eingefrorenen russischen Zentralbankgelder der Ukraine ein Darlehen von 90 Milliarden Euro zu gewähren. Dagegen gibt es Bedenken.
"Wenn das scheitert, wären alle blamiert", ordnet ZDF-Korrespondent Ulf Röller in Brüssel ein.
18.12.2025 | 2:05 minRöller: "Lange, lange Brüsseler Nacht" bevor
Der Auftritt des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj beim Gipfel habe vielen EU-Vertretern deutlich gemacht, was auf dem Spiel stehe, erklärt Röller weiter: "Wenn die EU nicht die Ukraine finanziert, dann ist die Ukraine am Anfang nächsten Jahres wirtschaftlich mehr oder weniger pleite - und militärisch am Ende."
Insbesondere Belgien sei nicht von der Verwendung der eingefrorenen russischen Vermögen überzeugt, so Röller. "Da muss noch viel geredet werden und das soll heute Nacht stattfinden."
Man wird also eine lange, lange Brüsseler Nacht erleben, um ein Ergebnis zu erzielen.
Ulf Röller, ZDF-Korrespondent in Brüssel
Es stehe nicht nur die Zukunft der Ukraine und Europas auf dem Spiel, sondern auch das Ansehen von Bundeskanzler Friedrich Merz und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.
Der Streitpunkt beim EU-Gipfel ist laut Röller: Wie soll Belgien abgesichert werden, falls Russland zurückschlägt?
18.12.2025 | 3:03 minSelenskyj mahnt EU zur Eile
Am Nachmittag hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zur Eile gemahnt. Die Entscheidung müsse "bis zum Ende dieses Jahres" getroffen sein, sagte Selenskyj in Brüssel. Darüber seien auch die europäischen Partner informiert. Wenn man die Ukraine nicht unterstütze, seien die Chancen hoch, dass das Land nicht bestehen könne, so Selenskyj.
Dann wird Europa bereits nicht mehr mit Geld, sondern mit Blut bezahlen.
Wolodymyr Selenskyj, ukrainischer Präsident
Er pflichtete damit Polens Regierungschef Donald Tusk bei, der vor Beginn des Treffens entsprechend gemahnt hatte: "Entweder heute Geld oder morgen Blut". Er meine damit nicht nur die Ukraine, sondern auch Europa.
Seit Wochen wird über den Plan zur Nutzung von in der EU eingefrorenem Staatsvermögen Russlands für die Ukraine gestritten. Heute soll beim EU-Gipfel eine Entscheidung fallen.
18.12.2025 | 2:01 minEU-Gipfel in Brüssel: Streit über Finanzierung der Ukraine-Hilfe
Die EU hat sich bis zu ihrem Dezember-Gipfel Zeit gegeben, über die Finanzierung der Ukraine-Hilfe für die nächsten zwei Jahre zu entscheiden. Eine Mehrheit der Staats- und Regierungschefs möchte die in Europa eingefrorenen russischen Vermögen für ein sogenanntes Reparationsdarlehen für die Ukraine nutzen.
Kiew müsste das Geld erst zurückzahlen, wenn es von Moskau Reparationszahlungen erhalten hat. Russland hätte erst wieder Zugriff auf seine in Europa angelegten Vermögen, wenn die EU die Sanktionen gegen das Land aufhebt.
Wie reagiert Russland auf die europäischen Debatten über sein eingefrorenes Staatsvermögen? ZDF-Korrespondent Sebastian Ehm berichtet, welche Argumente Moskau ins Feld führt.
18.12.2025 | 1:56 minBelgien warnt vor Risiken einer Freigabe russischer Vermögen
Beim EU-Gipfel geht es vor allem darum, Belgien zu einer Zustimmung zu dem Vorschlag zu bewegen. Premierminister Bart De Wever fürchtet allerdings finanzielle und rechtliche Konsequenzen sowie russische Vergeltung gegen sein Land und verlangt verbindliche und langfristige Garantien der anderen Mitgliedstaaten.
Selenskyj argumentierte, dass ein Stopp der Finanzierung der Ukraine gefährlicher sei, als die Nutzung der russischen Vermögen. "Rechtliche Schritte" Russlands seien "nicht annähernd so beängstigend, wie wenn Russland an den eigenen Grenzen steht", sagte er. Solange die Ukraine Europa verteidige, "müsst ihr der Ukraine helfen", forderte Selenskyj.
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