Abgang der umstrittenen Trump-Sprecherin:Fünf Aussagen von Karoline Leavitt, die Schlagzeilen machten
von Katja Belousova, Nils Metzger
Trump-Sprecherin Karoline Leavitt gibt ihr Amt ab. Pressekonferenzen verwandelte sie zu Maga-Wutreden. Immer wieder machten ihre Aussagen international Schlagzeilen. Ein Überblick.
Sie wolle mehr Zeit für ihre Familie haben: Die Sprecherin von US-Präsident Donald Trump, Karoline Leavitt, beendet zum Monatsende ihre Tätigkeit. Ein Nachfolger steht noch nicht fest.
12.08.2026 | 0:29 minDie Aufgabe einer Regierungssprecherin ist, das Handeln ebendieser zu erklären und der Öffentlichkeit zu verkaufen. Da gehört es zum Amt, eine Art Gegenspieler für die Reporter zu sein.
Doch Karoline Leavitt markierte als Sprecherin des US-Präsidenten seit Januar 2025 auch für die polarisierten USA einen Einschnitt. Sie kopierte den Kommunikationsstil ihres Chefs, bei dem Beschimpfungen und klare Falschaussagen zur Normalität wurden.
Am Mittwoch kündigte Donald Trump den Abschied von Leavitt zum Monatsende an. Die 28-Jährige wolle mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen. Ein Rückblick auf Leavitts bedeutsamste Falschaussagen während der letzten eineinhalb Jahre.
Mitteilung von Karoline Leavitt
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Wer zahlt für Trumps Zollpolitik?
Mit seiner Zollpolitik hat Trump weltweit wirtschaftliche Schockwellen ausgelöst. Aber nicht nur Unternehmen ächzen unter ständig wechselnden Vorgaben, für US-Verbraucher haben die Zölle zu deutlich gestiegenen Preisen geführt.
Bei einer Pressekonferenz am 11. März 2025 behauptete Leavitt dennoch:
Zölle sind Steuersenkungen für das amerikanische Volk.
Karoline Leavitt
Leavitt argumentierte weiter, dass eine ausgeglichene Handelsbilanz auch mehr gutbezahlte Jobs in der US-Industrie und mehr Wohlstand bedeuten würde. Ob die Zölle dieses langfristige Ziel erreichen können, wird von der Mehrheit der Ökonomen bezweifelt - Handelshemmnisse gelten für diversifizierte Industriestaaten als volkswirtschaftlich schädlich.
Viele der von Trump auferlegten Zölle wurden inzwischen auch durch Gerichte für illegal befunden oder von ihm selbst zurückgenommen. Die Einnahmen daraus landeten auch nicht bei den Verbrauchern, sondern im Staatshaushalt. Laut dem Kiel Institut für Weltwirtschaft kommen US-Bürger für 96 Prozent der Zollkosten auf. Der Gemeinsame Wirtschaftsausschuss im US-Kongress schätzt die Mehrausgaben auf mehr als 2.500 Dollar pro Familie für 2026.
Im Juli flog US-Präsident Trump zum NATO-Gipfel nach Ankara. Heute häufen sich Medienberichte über eine Täuschungsaktion: Trump soll aus Sicherheitsgründen inkognito gereist sein.
11.08.2026 | 2:55 minSteuersenkungen wirklich zum Nulltarif?
Auch bei einem zweiten Wirtschaftsthema täuschte Leavitt die Öffentlichkeit wiederholt - bei den Folgen des als "One Big Beautiful Bill" bekannten Pakets zur Steuersenkung.
Am 19. Mai 2025 sagte Leavitt im Weißen Haus:
Dieses Gesetz erhöht das Haushaltsdefizit nicht. (…) Darin sind 1,6 Billionen Dollar Einsparungen enthalten.
Karoline Leavitt
Das Anfang Juli 2025 von Trump unterzeichnete Gesetz beinhaltet massive dauerhafte Steuersenkungen vor allem für Menschen mit höheren Einkommen. Gleichzeitig wurden verschiedene Sozialleistungen für ärmere Menschen gekürzt.
Die von Leavitt genannten Einsparungen waren keine vollständige Rechnung, sondern nur diese vorgesehenen Kürzungen. Der Wirtschafts-Think Tank Bipartisan Policy Center hat berechnet, dass das Gesetz über die nächsten zehn Jahre 3,4 Billionen Dollar an Mehrkosten verursachen wird. Dazu kämen noch Hunderte Milliarden für zusätzliche Zinszahlungen durch die ansteigende Staatsverschuldung.
Die Neuverschuldung im US-Bundeshaushalt steigt auch in Trumps zweiter Amtszeit rasant an.
Donald Trump hatte behauptet, dass Vandalen schuld daran seien, dass der Reflecting Pool kurz nach der Renovierung veralgte. Die Staatsanwaltschaft widerspricht dem US-Präsidenten.
02.08.2026 | 0:48 minMillionenzahlungen für Kondome in Gaza?
Weltweit Schlagzeilen machte Leavitt mit einer erfundenen Behauptung über Hilfsgelder für den Gazastreifen. Am 28. Januar 2025, ihrer ersten Pressekonferenz als Trump-Sprecherin, sagte sie über die Arbeit der neu eingerichteten Effizienz-Behörde DOGE:
[DOGE] hat mehr als 50 Millionen Dollar Steuergeld gefunden, die genommen wurden, um für Kondome in Gaza zu zahlen.
Karoline Leavitt
Damit argumentierte Leavitt für den nahezu vollständigen Stopp von US-Entwicklungshilfe weltweit. Trump bekräftigte tags darauf, dass die 50 Millionen "Kondome für Hamas" bestimmt gewesen seien.
Untersuchungen konnten keine Belege für diese Behauptungen finden. Hilfsorganisationen, die als Empfänger der Zahlungen vorgesehen waren, teilten dem US-Faktencheckportal "Politifact" mit, dass sie diese Gelder nicht für den Kauf von Kondomen nutzten. Ein separates Regierungsprogramm zu Verhütungsmitteln hatte ein weltweites Jahresbudget von 60 Millionen Dollar - wobei Gaza nicht zu den Empfängern gehörte.
Das US-Außenministerium konnte die Vorwürfe anschließend nicht mit konkreten Angaben untermauern, sondern teilte über X mit, dass die Millionenzahlungen "auch für Verhütungsmittel" ausgegeben würden.
Vor der Sommerpause ziehen wir Bilanz: Wo war Donald Trump in den vergangenen Monaten erfolgreich – wo nicht? Was war die größte Überraschung – was die größte Peinlichkeit?
29.07.2026 | 69:14 minJoe Biden für hohe Eierpreise verantwortlich?
Hohe Lebensmittelpreise sind für die Trump-Administration und ihre Beliebtheitswerte ein Problem. Am 28. Januar 2025 erklärte Leavitt die Eierknappheit im Land so:
[Das Landwirtschaftsministerium unter Joe Biden] hat die Massentötung von mehr als 100 Millionen Hühnern angeornet, was zu einem Mangel an Hühnern in diesem Land und folglich zu einem Mangel an Eiern geführt hat.
Karoline Leavitt
Diese Aussage ließ jedoch den wesentlichen Aspekt außer Acht: die damals grassierende Vogelgrippe. Sie war der Hauptgrund für die Eierknappheit und die damit einhergehende Preissteigerung bei Eiern. Seit 2022 mussten ganze Bestände und mehr als 100 Millionen Tiere gekeult werden, um die Ausbreitung des Virus H5N1 auf weitere Tiere zu verhindern. Es ist eine gängige Praxis, die so auch während Trumps erster Amtszeit angewandt wurde und bis heute weiter gilt.
Alleine bis April 2025 verzeichnete der US-Kongress fast 125 Millionen erkrankte Legehennen und mehr als 13 Millionen erkrankte Masthühner. Zudem wurde das Virus auch bei Milchkühen und Menschen entdeckt. Betroffene Landwirte konnten damals eine Entschädigung für ihren Verlust beantragen. Das Auslassen von Kontext war immer wieder Teil der Kommunikationsstrategie von Leavitt.
US-Präsident Trump beschränkt die zentral empfohlenen Kinder-Impfungen auf elf Krankheiten. Gemeinsam mit Gesundheitsminister Kennedy setzt er zudem auf größere Abstände zwischen den Impfungen.
11.08.2026 | 0:18 minTödliche Kollision: Leavitt sieht Diversitätsprogramme als Absturzursache
Am 29. Januar 2025 kollidierte nahe Washington ein Hubschrauber der US-Armee mit einem Linienflugzeug. 67 Menschen starben bei dem Absturz. Im Anschluss konfrontierten Reporter das Weiße Haus mit kritischen Fragen zu Mängeln und Kürzungen bei Luftaufsichtsbehörden.
Trump und Leavitt verwiesen in mehreren Statements stattdessen auf Diversitätsprogramme, die zu einer "Verschlechterung der Einstellungskriterien" in der Luftfahrt und ihrer Aufsicht geführt hätten. An die Reporter bei der Pressekonferenz gerichtet, sagte Leavitt:
Wenn Sie mit Ihren Liebsten in einem Flugzeug sitzen (...), beten Sie dann, dass das Flugzeug sicher landet und Sie an ihr Ziel bringt, oder dass der Pilot eine bestimmte Hautfarbe hat?
Karoline Leavitt
Man würde alle Diversitäts-Einstellungsprogramme [DEI] bei der Flugaufsicht beenden, so Leavitt weiter. Einen Beleg, dass Einstellungskriterien wie Diversität irgendeine Rolle bei der Katastrophe gespielt haben, nannte das Weiße Haus nicht. Das Anliegen der Behörde, Diversität ihrer Mitarbeiter in verschiedenen Positionen zu fördern, hatte keine Auswirkungen auf die gleichbleibend hohen Anforderungen an Fluglotsen - von denen aber über lange Zeit, auch wegen finanzieller Engpässe, nicht genug ausgebildet wurden.
Auch bei den getöteten Piloten spielten Diversitäts-Faktoren keine Rolle. "Ich glaube nicht, dass [DEI] irgendwas mit diesem spezifischen Unfall zu tun hatte", sagte der republikanische Abgeordnete Sam Graves, Vorsitzender des Transportausschusses, im Januar 2025 gegenüber "Politico". Unmittelbar nach der Katastrophe hatten Nutzer in sozialen Medien eine transgeschlechtliche Pilotin der US-Armee fälschlich mit dem Ereignis in Verbindung gebracht und zahlreiche Falschbehauptungen über sie verbreitet.
Ein im Februar 2026 veröffentlichter Untersuchungsbericht benannte zahlreiche strukturelle Probleme als Ursachen, darunter eine schlechte Planung der Flugkorridore im stark frequentierten Luftraum nahe der Hauptstadt. Prozeduren der US-Armee und Flugaufsicht seien zu unklar gewesen und Fluglotsen überarbeitet. Viele Warnungen seien über Jahre ignoriert worden. Pilotenfehler wurden dort nicht als ursächlich benannt.
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