Leergeräumte Regale?:Warum die Angst vor Eier-Knappheit unbegründet ist
von Miriam Hantzsche
Eier-Regale in Supermärkten sehen gerade vielerorts leerer aus als gewohnt. Angst vor echten Engpässen muss trotzdem niemand haben. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Lücken in den Supermarktregalen: Herrscht Eier-Mangel in Deutschland? Die Geflügelwirtschaft spricht von zeitweiser "Unterversorgung". Grund dafür ist aber nicht nur die Vogelgrippe.
05.02.2026 | 2:11 minWer regelmäßig Eier verzehrt, der dürfte sich in letzter Zeit das eine oder andere Mal über spärlich bestückte Eier-Regale im Supermarkt gewundert haben. Der Grund: Der Eier-Markt ist derzeit angespannt. Es kommt zu unregelmäßigen und regionalen Lieferengpässen.
Eier-Fans dürften sich nicht nur über das ausgedünnte Angebot ärgern. Die Eier-Preise sind im Januar im Vergleich zum Vorjahr um bis zu 25 Prozent gestiegen. Wie kommt es zu dieser angespannten Marktlage, und handelt es sich um einen ernsthaften Versorgungsmangel?
Haben wir gerade einen Versorgungsmangel an Eiern?
Nein. Von einem Mangel wird in der Lebensmittelwirtschaft gesprochen, wenn ein Versorgungsengpass oder Knappheit von Nahrungsmitteln vorliegen und dies zu messbaren Auswirkungen auf die Versorgung der Bevölkerung führt.
Laut dem Zentralverband der deutschen Geflügelwirtschaft ist dies bei Eiern im Moment nicht der Fall. Zwar seien aus verschiedenen Gründen etwas weniger Eier im Umlauf, doch einen echten Mangel verursache dies noch nicht.
Peter Hauk, CDU, Vorsitzender der Agrarministerkonferenz zur Vogelpest Ende 2025: "Wir antworten risikoorientiert: Dort, wo notwendig, wird aufgestallt und wo nicht, lassen wir die Tiere in Freiheit".
31.10.2025 | 5:27 minIst die Vogelgrippe in Deutschland der Grund für weniger Eier?
Mehrere Hunderttausend Tiere mussten laut Statistischem Bundesamt im letzten Jahr in Deutschland gekeult werden, um das Virus einzudämmen. In Summe habe dies aber gerade mal 1,2 Prozent des deutschen Geflügelbestands ausgemacht, erklärt Hans-Peter Goldnick, Präsident des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft.
Bei der Vogelgrippe (aviäre Influenza) handelt es sich um eine hochgradig ansteckende Viruserkrankung, die in erster Linie bei Geflügel und Wildwasservögeln auftritt. Vogelgrippeviren können bei Hühnern zu Krankheit und Tod führen. Anfang 2026 grassiert vor allem der hochinfektiöse Vogelgrippe-Subtyp H5N1 in Deutschland und Europa. Es handelt sich um eine der stärksten Vogelgrippe-Wellen der letzten Jahre.
Nichtsdestotrotz beeinflusse das Vogelgrippevirus die Eierbestände in Deutschland, meint Goldnick. Im Jahr 2024 stammten noch rund zwölf Prozent der Eier in Deutschland aus Polen. Dort sei aktuell das Vogelgrippevirus weit verbreitet.
Bereits Ende 2025 breitete sich die Vogelgrippe immer weiter aus. Hunderttausende Tiere mussten getötet werden. Die Geflügelwirtschaft forderte eine bundesweite Stallpflicht.
27.10.2025 | 1:50 minAllein im Frühjahr 2025 mussten in Polen über elf Millionen Tiere gekeult werden, berichtete das Global Center for Health Security der University of Nebraska. Dies habe durchaus einen negativen Einfluss auf die Eier-Importe aus Polen, so Hans-Peter Goldnick. Und ein weiteres hochansteckendes Geflügelvirus sei in Polen im Umlauf:
Hinzu kommt dort noch die Newcastle-Krankheit, ein anderes Vogel-Virus, das besonders Hühner und Puten betrifft.
Hans-Peter Goldnick, Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft
Der deutsche Eiermarkt versorgt sich nur zu circa 72 Prozent selbst. Die restlichen 28 Prozent werden importiert: hauptsächlich aus den Niederlanden, aber auch aus Polen. In Deutschland selbst werden jeden Tag ungefähr 42 Millionen Eier produziert (Stand 2024), die von circa 51,4 Millionen Legehennen stammen.
Ungefähr 50 Prozent der Eier werden als "Schaleneier" direkt an den Endkonsumenten verkauft. Die anderen 50 Prozent landen in verarbeiteten Nahrungsmitteln wie Nudeln, Kuchen. Eier werden hierzulande immer beliebter. Der Verbrauch steigt stetig: 2025 könnte er bei über 253 Eiern pro Kopf und Jahr liegen, 2023 waren es noch 239.
Wieso kommen auch weniger Eier aus den Niederlanden?
Aus den Niederlanden - dem Hauptimporteur für Eier nach Deutschland - kommen ebenfalls im Moment weniger Eier, so Goldnick. Zum einen grassiert dort auch die Vogelgrippe. Mehr Ausschlag geben dürfte jedoch die Tatsache, dass die Geflügelwirtschaft in den Niederlanden wegen Klima- und Umweltauflagen bewusst zurückgefahren wird.
Die Europäische Kommission hat dort umfangreiche freiwillige Ausstiegsprogramme genehmigt, die darauf abzielen, die Stickstoffemissionen in der Nutztierhaltung, einschließlich der Geflügelwirtschaft, zu reduzieren.
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04.12.2025 | 26:30 minWarum ist die Nachfrage nach Eiern so gestiegen?
Dass öfter mal die Eier-Regale in den Supermärkten leerer sind, kann auch am stetig wachsenden Appetit aufs Ei liegen. Die Nachfrage steigt seit Jahren stetig, insbesondere seit 2023. Denn:
Das Ei hat sein Image verändert.
Hans-Peter Goldnick, Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat das Ei von seinem negativen Image als Cholesterin-Treiber schon lange rehabilitiert. Laut ihr scheint das Ei zu Zeiten anhaltender Inflation eine preisgünstige Alternative zu hochpreisigen anderen tierischen Eiweißlieferanten wie Fleisch und Fisch zu sein. Anzunehmen sei laut DGE auch, dass eine vermehrt flexitarische, also fleischarme, Ernährung den Verbraucher mehr zu Eiern greifen lässt.
Gibt es zu Ostern wieder genügend Eier?
Laut Goldnick werden die Regale zu Ostern wahrscheinlich mit Eiern gefüllt sein. Auch wenn es womöglich immer wieder kurzfristig zu punktuellen Lieferengpässen kommen kann. So könne es zum Beispiel sein, dass die Verfügbarkeit von Bio-Eiern mal zu wünschen übrig lässt oder es die bunten Ostereier nicht in jeder Farbe zu kaufen gibt - darüber hinaus gäbe es keinen Versorgungsengpass.
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