Manöver als Machtdemonstration:Warum "Sapad" kein Eskalationsrisiko birgt
von Christian Mölling, András Rácz
Die Militärübung von Russland und Belarus ist in diesem Jahr kleiner als die vorherigen "Sapad-Manöver". Ihr Hauptzweck ist Propaganda - eine Gefahr für Europa besteht nicht.
Seit Freitag läuft die strategische Militärübung "Sapad-2025" (auf Deutsch übersetzt West-2025) von Russland und Belarus, die bis zum 16. September dauern wird. Russland führt regelmäßig groß angelegte Militärübungen in einer der vier sogenannten strategischen Richtungen durch, nämlich West, Süd, Zentrum und Ost. Die strategischen Übungen im Westen finden immer teilweise auf dem Territorium von Belarus statt, unter aktiver Beteiligung der belarussischen Streitkräfte und in Zusammenarbeit mit den für die Übung nach Belarus entsandten russischen Truppen.
Nachfolger des Manövers von 2021 - aber kein Vorbote
Die letzte derartige Übung, "Sapad-2021", diente als Vorbereitungsplattform für die vollständige Invasion der Ukraine im Februar 2022. Ein Großteil der für die Übung nach Belarus verlegten schweren militärischen Ausrüstung und Vorräte wurde dort zurückgelassen und später gegen die Ukraine eingesetzt.
Diesmal stellt die Übung jedoch aus vielen Gründen keine ähnliche Gefahr für die Ukraine oder die Nato dar:
1. Die ukrainische Armee ist professioneller
Die ukrainische Armee ist seit 2022 viel größer, erfahrener, besser ausgebildet und ausgerüstet. Die belarussischen Streitkräfte, die der Ukraine unterlegen waren, haben hingegen keine ähnlichen Entwicklungen durchlaufen.
2. Die Grenze zwischen Belarus und Ukraine ist schwer überwindbar
Die Ukraine hat ja bereits 2022 die Grenze zu Belarus geschlossen und sie seitdem massiv befestigt. Zusätzlich zu dem sehr komplizierten Gelände an der Grenze, einschließlich dichter Wälder und ausgedehnter Sumpfgebiete, hat die Ukraine Hunderttausende von Landminen verlegt, Befestigungsanlagen errichtet und alle Brücken auf den Straßen zur Grenze zerstört. Daher wäre jeder Angriff auf die Ukraine von Belarus aus sehr langsam und extrem kostspielig. Da sich die belarussischen Streitkräfte ihrer eigenen Schwäche bewusst sind, versuchen sie innerhalb des belarussischen Systems aktiv, die "Falken" davon abzuhalten, sich dem Krieg Russlands gegen die Ukraine anzuschließen.
3. Belarus deeskaliert bewusst
Ein interessantes Phänomen ist, wie Belarus versucht, die Spannungen mit seinen Nachbarn abzubauen. Lukaschenko hat persönlich beschlossen, die "Sapad"-Manöver vom Übungsgelände entlang der polnischen und ukrainischen Grenze in Einrichtungen weiter im Landesinneren zu verlegen. Außerdem hat Belarus zugesagt, mehrere internationale Beobachter aufzunehmen, obwohl Russland diese fernhalten wollte.
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11.09.2025 | 3:29 minDarüber hinaus warnte Minsk während des Drohnenvorfalls gegen Polen am 10. September Warschau sogar, dass russische Drohnen auf polnisches Gebiet zusteuerten.
In Bezug auf die Übung geben verschiedene belarussische Beamte (darunter Alexandr Volfovich, Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates, und General Pavel Muraveyko, Chef des Generalstabs) wiederholt deeskalierende, beruhigende Erklärungen ab, dass die Übung keine Gefahr darstelle.
4. Der Umfang des "Sapad"-Manövers ist geringer
"Sapad-2025" wird vergleichsweise kleiner ausfallen als die Übungen von 2021 oder 2017. Insgesamt werden etwa 30.000 Soldaten an den Manövern teilnehmen, die sowohl in Belarus als auch in Russland stattfinden. Dieser Umfang reicht für einen bedeutenden Angriff auf die Ukraine und insbesondere auf Polen nicht aus. Ein weiterer Unterschied zu den früheren "Sapad"-Manövern besteht darin, dass diesmal offenbar keine Streitkräfte aus dem Kaliningrader Gebiet beteiligt sind.
Auf der internationalen Messe DSEI zeigt sich, welche Entwicklungen aus den Erfahrungen aus dem Ukraine-Angriffskrieg kommen und wie sich das Bild der Rüstungsindustrie verändert hat.
12.09.2025 | 2:08 min5. Die Anwesenheit weiterer Staaten dürfte deeskalierend wirken
Kurz vor der "Sapad"-Übung fanden in Belarus auch drei Manöver der Organisation des Kollektiven Sicherheitsvertrags (CSTO) statt. Im Rahmen dieser Manöver wurden einige Tausend zusätzliche Streitkräfte aus anderen CSTO-Mitgliedstaaten in das Land entsandt. Es ist jedoch äußerst unwahrscheinlich, dass selbst Russland versuchen würde, die "Sapad"-2025 für Provokationen zu nutzen, und andere CSTO-Mitglieder würden zulassen, dass ihre noch in Belarus stationierten Streitkräfte für solche Zwecke eingesetzt werden.
Dennoch wird Russland die "Sapad"-Übung sicherlich für Propaganda nutzen, insbesondere, um über Angstgefühle vor einem russischen Angriff die gesellschaftliche Diskussion und politische Entscheidungen zu beeinflussen. Da die Übung den simulierten Einsatz von Langstreckenraketen und möglicherweise auch von Atomwaffen (zumindest auf der Ebene der Stabsverfahren) umfasst, wird Russland diese wahrscheinlich nutzen, um auch die Abschreckungskraft seines eigenen Atomwaffenarsenals zu verstärken.
Es ist möglich, dass Russland die "Sapad"-Übung nutzen wird, um ein weiteres Exemplar seiner noch in der Erprobung befindlichen "Oreschnik"-Rakete zu testen. Doch selbst, wenn dies geschehen sollte, würde dies, abgesehen von der Informationskomponente, keine Eskalationsgefahr für die Nato-Verbündeten darstellen.
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