Selenskyj im Weißen Haus:Trumps Rohstoff-Deal mit Kiew: Darum geht es
Die USA wollen wertvolle Rohstoffe aus der Ukraine, auch deshalb empfängt US-Präsident Trump den ukrainischen Präsidenten Selenskyj im Weißen Haus. Worum es geht: ein Überblick.
In Washington trifft Selenskyj auf Trump. Dabei soll ein umstrittenes Rohstoffabkommen unterzeichnet werden. ZDF-Korrespondentin Elmar Theveßen berichtet.
28.02.2025 | 2:06 minDie Ukraine räumt den USA Zugang zu wertvollen Bodenschätzen ein, um die Supermacht als Verbündeten gegen die russische Aggression zu halten. Ein Rahmenabkommen dazu soll heute unterzeichnet werden, wenn US-Präsident Donald Trump den ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj in Washington empfängt.
Wochenlang wurde über die Vereinbarung verhandelt und über den möglichen Ausverkauf der kriegsgeplagten Ukraine gestritten. Herausgekommen ist eine politische Absichtserklärung. Der Weg bis zur tatsächlichen Nutzung der Rohstoffe ist jedoch noch weit.
Hinsichtlich eines Rohstoff-Abkommens zwischen den USA und der Ukraine zeigt sich der Politologe Jakob Kullik skeptisch, langfristig müsse ein Schutz der Ukraine gegeben sein.
26.02.2025 | 12:36 minWas genau wird in Washington unterzeichnet?
Das elf Punkte umfassende Rahmenabkommen sieht die Schaffung eines Wiederaufbaufonds für die Ukraine vor. Im Detail regelt das Papier nur, dass die Ukraine 50 Prozent aller Einnahmen aus künftigen Rohstoffprojekten in den Fonds einzahlen soll. Dies betrifft Mineralvorkommen, Kohlenwasserstoffe wie Erdöl und Erdgas sowie Erlöse aus der Nutzung von Infrastruktur wie Häfen oder Flüssiggasterminals. Seltene Erden werden im Abkommen nicht gesondert erwähnt.
Sicherheitsgarantien für die Ukraine werden im Dokument lediglich als Ziel formuliert, das Washington unterstützen will. Konkrete finanzielle Details und Verpflichtungen sollen in einem noch auszuarbeitenden Vertrag geregelt werden.
Wie geht es mit dem Abkommen weiter?
Soweit bekannt, ist der eigentliche Vertrag über den Fonds bisher nicht ausgearbeitet. Die Arbeit daran kann Monate dauern. Der unterzeichnete Vertrag müsste in der Ukraine zudem vom Parlament ratifiziert werden. Selenskyj kann sich dabei nicht mehr auf eine stabile Mehrheit stützen. Diskussionen über einen als Ausverkauf wahrgenommenen Vertrag könnten dauern. Ein schnelles Inkrafttreten gilt daher als wenig wahrscheinlich.
Die USA knüpfen ihre militärische Unterstützung für die Ukraine an einen Deal: Es geht um wertvolle Rohstoffe wie Lithium und seltene Erden. Der genaue Plan ist noch unbekannt.
27.02.2025 | 2:23 minÜber welche Rohstoffe verfügt die Ukraine?
Der Gesamtwert der Bodenschätze wurde vom ukrainischen Ableger des "Forbes"-Magazins auf umgerechnet etwas mehr als 14 Billionen Euro geschätzt. Über 60 Prozent davon entfallen auf Steinkohle, die für die USA jedoch wenig interessant ist. Weitere 14 Prozent sind Eisenerz, während andere Rohstoffe jeweils unter fünf Prozent ausmachen.
ZDFheute Infografik
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Die Lagerstätten seltener Metalle, die der staatliche geologische Dienst auflistet, liegen aktuell zu fast 40 Prozent unter Kontrolle von Russland oder in Frontnähe. Nach aktuellen Kenntnissen verfügt die Ukraine über die europaweit größten Vorkommen an Lithium, das für Akkus benötigt wird. "Forbes" beziffert die bekannten Vorräte auf 33 Millionen Tonnen.
Für Elektronikbauteile wichtig ist Germanium, von dem in der ukrainischen Erde 41.000 Tonnen vermutet werden. Die USA könnten zudem mit ukrainischem Titan, das im Flugzeugbau und bei Rüstungsgütern verwendet wird, ihre Abhängigkeit von China senken.
Gibt es bald ein Rohstoff-Abkommen zwischen den USA und der Ukraine? Einschätzungen von Politikwissenschaftler Nico Lange.
26.02.2025 | 4:45 minWas verspricht sich die Ukraine von dem Abkommen?
Die Ukraine will die USA trotz der Wiederannäherung zwischen Trump und Kremlchef Wladimir Putin als Verbündeten halten, auch wenn Trump eine Aufnahme der Ukraine in die Nato ausschließt. Mit dem Abkommen im Rücken kann Selenskyj in Washington die Frage nach Waffenlieferungen anbringen.
So sind die Rohstoffe in der Ukraine verteilt.
Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung; liveuamap.comWas will Trump erreichen?
Der US-Präsident braucht einen schnellen Erfolg. Er ist mit seiner Ankündigung gescheitert, den seit 2022 andauernden russisch-ukrainischen Krieg binnen 24 Stunden zu beenden. Das Abkommen bietet ihm die Gelegenheit, einen Deal zu präsentieren, auch wenn es bisher keine konkreten Inhalte hat. Wann wirklich Investitionen getätigt werden und eventuell Dividenden aus dem noch zu schaffenden Fonds in die USA zurückfließen, scheint dabei zweitrangig.
Unbeantwortet ist bisher, woher das Geld für Investitionen stammen soll, wenn es nicht aus Steuermitteln kommt. Trump müsste Investoren attraktive Bedingungen bieten. Dazu gehört vor allem dauerhafter Frieden in der Ukraine.
In der US-Regierung wird der Rohstoff-Deal als Erfolg gewertet, berichtet David Sauer aus Washington. In der Ukraine sehen viele darin eine Erpressung, so Katrin Eigendorf in Kiew.
26.02.2025 | 3:39 minAktuelle Meldungen zu Russlands Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit in unserem Liveblog: