Fedorow-Demos und Russische Angriffe:Innenpolitischer Druck, schwerer Beschuss: So ist Kiews Lage
von Christian Mölling und András Rácz
Moskau greift massiv mit Raketen die Ukraine an, unterstützt von Drohnen. Zeitgleich muss Präsident Selenskyj im Konflikt um das Amt des Verteidigungsministers eine Lösung finden.
Tausende Menschen demonstrieren vor dem Präsidialamt in Kiew wegen der Entlassung des in der Bevölkerung beliebten Verteidigungsministers Federow durch Präsident Selenskyj.
20.07.2026 | 2:01 minDie innenpolitischen Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit der Entlassung des beliebten ehemaligen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow haben sich verschärft. In der gesamten Ukraine finden weiterhin Demonstrationen zur Unterstützung von Fedorow und gegen den Oberbefehlshaber General Olexander Syrskyj statt.
Das Präsidialamt wurde offenbar von der Intensität der Proteste überrascht, und Präsident Selenskyj führt bereits seit vier Tagen mehrere Gespräche hinter den Kulissen. Er versprach, bis Anfang nächster Woche Entscheidungen zu treffen.
Tausende protestieren in der Ukraine gegen die Absetzung von Verteidigungsminister Fedorow. Der Druck auf Selenskyj wächst. Wie gefährlich wird der Machtkampf für ihn?
18.07.2026 | 28:44 minUmfangreiche Angriffe auf Kiew mit ballistischen Raketen
Am 18. und 19. Juli führte Russland einen groß angelegten Luftangriff auf Kiew durch und setzte dabei eine der höchsten Anzahlen an ballistischen Raketen ein, die jemals bei einem einzigen Angriff zum Einsatz kamen. 25 ballistische Raketen sowie zehn "Zyrkon"-Hyperschallraketen und zehn weitere Raketen wurden auf Kiew abgefeuert, unterstützt von 125 Drohnen.
Russland hat die ukrainische Hauptstadt Kiew mit Raketen angegriffen. Laut Behörden wurden mehrere Wohngebäude getroffen.
19.07.2026 | 0:19 minAuch Charkiw, Isjum und eine Reihe weiterer Städte wurden schwer getroffen. In der gesamten Ukraine kamen zwanzig Menschen ums Leben und mehr als 140 wurden verletzt.
Ukraine kann einige Dörfer zurückerobern
Im Laufe der Woche gelang es den ukrainischen Streitkräften, einige zerstörte Dörfer in der Region Dnipropetrowsk in der Umgebung von Berezove, Ternove, Komyshuvakha und Maliivka zu befreien.
... ist Senior Advisor beim European Policy Centre. Er forscht und publiziert seit über 20 Jahren zu den Themenkomplexen Sicherheit und Verteidigung, Rüstung und Technologie, Stabilisierung und Krisenmanagement. Für ZDFheute analysiert er regelmäßig die militärischen Entwicklungen im Ukraine-Konflikt.
... ist Associate Fellow im Programm Sicherheit und Verteidigung der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin. Er forscht und publiziert zu Streitkräften in Osteuropa und Russland und hybrider Kriegsführung.
Es bleibt abzuwarten, ob es sich hierbei lediglich um einen lokalen Gegenangriff oder um den Beginn einer größeren Offensivaktion handelt. Durch die Rückeroberung dieser Dörfer wurden die russischen Streitkräfte fast vollständig aus der Region Dnipropetrowsk verdrängt.
Drohnenkomponenten: Russischer Online-Händler in Flammen
In der Nacht vom 17. Juli trafen ukrainische Drohnen zwei Logistiklager des russischen Online-Händlers Wildberries. Eine Anlage befand sich in der Region Tambow, die andere in der Region Moskau. Insgesamt kamen in den beiden Lagern acht Menschen ums Leben und mehr als 60 wurden verletzt.
Die Ukraine behauptete, Wildberries habe an der Lieferung von sanktionierten Komponenten sowie von Gütern mit doppeltem Verwendungszweck an die russischen Kampfeinheiten mitgewirkt, weshalb die Angriffe gerechtfertigt seien.
Private Logistikfirmen zu legitimen Zielen erklärt
Russland selbst hat während des Krieges bereits mehrere Einrichtungen der staatlichen ukrainischen Post "Ukrpochta" sowie des privaten Postdienstes "Nova Pochta" angegriffen und dabei stets behauptet, dass sich in diesen Einrichtungen auch Waffen oder militärische Güter befanden.
Die Ukraine greift mit Mid-Range-Drohnen russische Logistik hinter der Front an und erzielt dabei Erfolge.
11.06.2026 | 2:26 minDiese Angriffe auf die Wildberries-Lagerhäuser zeigen nun, dass die Ukraine, ähnlich wie Russland, auch private Logistikunternehmen als legitime militärische Ziele betrachtet. Russland reagierte am 18. und 19. Juli umgehend mit Vergeltungsschlägen gegen mindestens zwei ukrainische Logistikdepots.
Tatsächlich nutzen die Streitkräfte beider Seiten seit Beginn des umfassenden russischen Angriffskrieges in großem Umfang Online-Händler und Kurierdienste, um zusätzliche Ausrüstung und Güter zu bestellen, manchmal sogar ganze Drohnen oder Komponenten.
Kiewer Drohnen zerstören wertvolles russisches Kriegsgerät
Am 15. Juli veröffentlichte der Kommandeur der ukrainischen Drohnenstreitkräfte, Robert Brovdi, ein Video, in dem eine ukrainische Drohne einen Mi-28N-"Night Hunter"-Kampfhubschrauber trifft und zum Absturz bringt. Dem Filmmaterial zufolge traf die Drohne den Heckrotor des Hubschraubers, woraufhin die Mi-28N abstürzte.
Dies ist der erste vollständig dokumentierte Fall, in dem ein schwerer Kampfhubschrauber durch eine Drohne abgeschossen wurde.
ZDF-Reporter Carsten Thurau hat eine ukrainische Drohneneinheit begleitet, die bei der Verteidigung der Stadt Odessa eine wichtige Rolle spielt.
13.07.2026 | 1:39 minAm 17. Juli gab der ukrainische Sicherheitsdienst SBU bekannt, dass es ihm gelungen sei, den Luftwaffenstützpunkt Engels-2 in der russischen Region Saratow mit Langstrecken-Angriffsdrohnen zu treffen und einen dort stationierten strategischen Bomber vom Typ Tu-95MS zu zerstören.
Am 18. Juli veröffentlichte Satellitenbilder von PlanetLabs bestätigten die Zerstörung eines strategischen Bombers: Auf dem Satellitenbild ist deutlich zu erkennen, dass ein Tu-95-Bomber zerbrochen ist zwischen Heckleitwerk und Rumpf, und umfangreiche Brandspuren aufweist. Der Bomber ist nicht mehr zu reparieren.
Putins angebliche Residenz wohl in Reichweite ukrainischer Drohnen
Am 15. Juli traf eine ukrainische Sargan-3000-Marinedrohne ein FSB-Patrouillenboot, "Izumrud" genannt, im Hafen von Gelendschik am Schwarzen Meer und versenkte es. Das Schiff wurde durch die Explosion in zwei Teile gerissen und sank genau dort, wo es vor Anker lag.
Der Angriff hat auch politische Bedeutung, da sich in Gelendschik der opulente Palast befindet, von dem der verstorbene Alexej Nawalny behauptete, er gehöre Putin. Der Angriff würde bedeuten, dass sogar Putins Residenz durchaus in Reichweite ukrainischer Drohnen liegen könnte.
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