Ukrainische Strategie "wirkt" - Experte Lange im Interview

Interview

Gegenangriffe auf Russland:Experte Lange: Ukrainische Strategie "wirkt"

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Gegenseitige Angriffe, Tote auf beiden Seiten: Auch für die russische Bevölkerung rückt der Krieg näher. Sicherheitsexperte Nico Lange spricht von einer wirksamen Strategie Kiews.

Nico Lange | Sicherheitsexperte und Politikwissenschaftler

"Die Ukraine ist in der Lage, Russland unter Druck zu setzen", sagt der Sicherheitsexperte Nico Lange. Gegenangriffe auf Russland gelten aktuell als "beste Möglichkeit" für einen Waffenstillstand.

21.07.2026 | 5:33 min

Die gegenseitigen Angriffe zwischen Russland und der Ukraine haben in den vergangenen Tagen wieder zugenommen. Zum Wochenbeginn kamen mindestens 14 Menschen ums Leben. Im Interview im ZDF-Morgenmagazin spricht der Sicherheitsexperte und Politikwissenschaftler Nico Lange über das derzeitige Kriegsgeschehen und darüber, warum der Krieg auch für die Menschen in Russland näher rückt.

Sehen Sie das Gespräch im Video in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagt Lange ...

... über die derzeitige Lage

Schläge tief nach Russland hinein, mit selbst entwickelten Drohnen und mit Raketen - "die Ukraine ist in der Lage, Russland unter Druck zu setzen", resümiert Lange. Das führe in Russland zu Diskussionen und auch "zu einer gewissen Problematik" für Präsident Wladimir Putin. Dieser habe jüngst im TV zugeben müssen, dass es Probleme gebe.

… ist Militär- und Sicherheitsexperte. Seit 2022 arbeitet er bei der Münchner Sicherheitskonferenz und beschäftigt sich mit sicherheitspolitischen Fragen. Von 2019 bis 2022 war er Leiter des Leitungsstabes im Bundesministerium für Verteidigung. Zuvor war er unter anderem stellv. CDU-Bundesgeschäftsführer, leitete bei der Konrad-Adenauer-Stiftung die Auslandsbüros in Kiew sowie Washington und forschte auch in St. Petersburg. Lange diente von 1993 bis 2000 als Zeitsoldat bei der Bundeswehr.


Auf der Gegenseite schieße Russland Massen an ballistischen Raketen immer wieder auf Kiew, zerstöre Wohnhäuser, terrorisiere die Menschen. Russland nutze aus, dass die Ukraine "keine Abwehr" gegen ballistische Raketen habe.

Und beide Seiten haben noch viele Möglichkeiten, das so weiterzumachen.

Nico Lange, Sicherheitsexperte

An der Front in der Ukraine indes passiere im Vergleich dazu "relativ wenig".

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... darüber, dass der Krieg auch für die russische Bevölkerung näher rückt

Es sei ukrainische Strategie, "den Krieg nach Russland zu tragen, die Menschen betroffen zu machen" - vor allem auch in den Zentren Moskau und Sankt Petersburg, so der Experte. "Und es wirkt, muss man sagen."

In sozialen Netzwerken in Russland äußerten sich Menschen erschrocken über die ukrainischen Drohnenangriffe. Für viele sei der Krieg bislang "irgendwo" passiert und habe die Ukrainer getroffen.

Aber wenn sie selbst betroffen sind, ändert sich die Meinung.

Nico Lange, Sicherheitsexperte

Lange spricht von einer guten Strategie der Ukraine, um womöglich irgendwann "wenigstens über einen sektoralen Waffenstillstand" sprechen zu können - also über einen möglichen Verzicht, sich gegenseitig mit Fernwaffen zu beschießen. Der Experte plädiert daher für eine weitere Unterstützung der Ukraine. Es sei ihre "beste Möglichkeit", zumindest einen teilweisen Waffenstillstand anzustreben.

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... dazu, worauf es aus europäischer Sicht ankommt

Die Ukraine habe sich die Verbesserung ihrer Position mit selbst entwickelten Waffensystemen selbst erarbeitet, erläutert Lange. Entsprechend sollten die Europäer die ukrainischen Rüstungsinnovationen weiter unterstützen und Industriepartnerschaften ausbauen, um die Produktion von ukrainischen Drohnen und Raketen hochzuhalten.

Massive Probleme gebe es hingegen bei der ballistischen Raketenabwehr. Lange schlägt vor, die Luftverteidigung und Drohnenabwehr der Ukraine und die an der Ostflanke der Nato miteinander zu verschränken. "Das wäre ein guter nächster Schritt."

Die Ukraine hilft uns, wir helfen der Ukraine.

Nico Lange, Sicherheitsexperte

Es sei zu wenig, nur zuzuschauen und der Ukraine alles Gute zu wünschen bei ihren Angriffen tief auf das russische Hinterland.

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Quelle: ZDF
Über dieses Thema berichtete das ZDF-Morgenmagazin am 21.07.2026 ab 05:30 Uhr.

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