Selenskyj entlässt Armeechef Syrskyj - Nachfolger will Reform

Nach Protesten gegen Personalumbau:Selenskyj entlässt Armeechef Syrskyj - Nachfolger für Reform

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Armeechef Olexander Syrskyj entlassen. Damit reagiert Selenskyj auf Proteste. Syrskyjs Nachfolger will eine Armee-Reform.

Archiv: Ukrainischer Präsident Selenskyj und Oberbefehlshaber Syrskyj

Nach der Entlassung des Verteidigungsministers Fedorow hat der ukrainische Präsident Selenskyj nun den Armeechef Syrskyj entlassen. Offenbar hatte es Streit zwischen den beiden gegeben.

22.07.2026 | 0:26 min

Der 43 Jahre alte Generalmajor Mychajlo Drapatyj führt künftig die ukrainischen Streitkräfte im Kampf gegen die russische Invasion. Präsident Wolodymyr Selenskyj entließ nach tagelangem Druck von Demonstranten den bisherigen Oberkommandierenden Olexander Syrskyj (60) und berief den jüngeren General auf diesen Posten.

In einer Videobotschaft aus Kiew kündigte der Staatschef eine Neuordnung des Generalstabs in Abstimmung mit Verteidigungsministerium und Präsidialamt an. Drapatyj, seit 25 Jahren Soldat, schrieb auf Facebook:

Ich werde verantwortungsbewusst, konzentriert und mit Respekt gegenüber den Menschen arbeiten, die heute unser Land verteidigen.

Mychajlo Drapatyj, neuer Oberkommandierender der ukrainischen Streitkräfte

Selenskyj hatte zunächst trotz Kritik an seinem seit 2024 eingesetzten Oberkommandierenden Syrskyj festgehalten, nachdem er vorige Woche den populären Politiker Mychajlo Fedorow als Verteidigungsminister entlassen hatte.

Anne Brühl | ZDF-Reporterin in Kiew

Nach Tagen der Proteste entlässt Präsident Selenskyj den Oberbefehlshaber Syrskyj. Die Ukraine wolle dennoch an ihrer Militärstrategie festhalten, berichtet ZDF-Reporterin Anne Brühl aus Kiew.

22.07.2026 | 3:04 min

Fedorow machte Konflikt mit Syrskyj öffentlich

Der erst 35 Jahre alte Fedorow hatte danach seinen Konflikt mit dem noch zu Sowjetzeiten ausgebildeten Syrskyj öffentlich gemacht. Dabei ging es maßgeblich um einen Richtungsstreit in der Kriegsführung.

Fedorow hatte in einem halben Jahr im Amt die Technisierung der ukrainischen Armee vorangetrieben. Dies zeigte sich vor allem bei den zunehmend erfolgreichen Drohnenangriffen auf das russische Hinterland. Die Demonstranten sahen Fedorow als Vertreter einer Kriegführung, die auf Technik statt auf den Verschleiß von Soldaten setzt, an denen es in der Ukraine fehlt.

Nach tagelangen Beratungen mit vielen Kommandeuren traf Selenskyj sich am Dienstagabend noch einmal mit Fedorow. Dieser solle eine "würdige Position" bekommen, in der er sich weiter um die technische Entwicklung der Ukraine kümmern könne, kündigte der Präsident an. Details nannte er nicht.

russische Kriegsgefangene stehen in einheitlicher Kleidung und in Reihen in deinem ukrainischen Gefangenenlager

Eine in Kiew lebende Russin unterstützt mit Billigung der ukrainischen Behörden die Suche nach Kriegsgefangenen. Sie hält Kontakt zu Angehörigen und gibt ihnen Hoffnung im Krieg.

21.07.2026 | 2:25 min

Drapatyj: Militärische Erfahrung in Mariupol und Charkiw

Der in der Bevölkerung beliebte Drapatyj wird nach Walerij Saluschnyj und Olexander Syrskyj der dritte Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee in fast viereinhalb Jahren des russischen Angriffskriegs.

Er erlangte schon 2014 als Major Berühmtheit, als er mit einem gepanzerten Mannschaftstransporter eine Straßensperre prorussischer Kräfte in Mariupol durchbrechen ließ. Damals konnte die Hafenstadt von der Ukraine verteidigt werden.

2024 half Drapatyj als Kommandeur, den russischen Einmarsch in das Gebiet Charkiw zu begrenzen. Später wurde er Befehlshaber der ukrainischen Bodentruppen. Von diesem Posten trat er 2025 zurück, weil beim Einschlag einer russischen Iskander-Rakete in eine Ausbildungseinheit zwölf Soldaten getötet worden waren. Er übernehme die Verantwortung dafür, dass im Heer Soldaten nicht genügend geschützt worden seien, erklärte er.

Ukraine: Kiew: Menschen protestierten gegen die Absetzung von Verteidigungsminister Fedorow.

Tausende Menschen demonstrierten vor dem Präsidialamt in Kiew. Grund dafür war die Entlassung des in der Bevölkerung beliebten Verteidigungsministers Federow durch Präsident Selenskyj.

20.07.2026 | 2:01 min

Drapatyj unterstützt Fedorow - und wirbt für Armee-Reform

Zuletzt befehligte Drapatyj eine Armeegruppe, die für die Verteidigung des Gebiets Charkiw zuständig ist. Das Portal "Kyiv Independent" schrieb, der General habe ein Image als "der oberste moderne, auf Menschen fokussierte Militärführer der Ukraine". In einem Facebook-Eintrag erklärte Drapatyj seine Unterstützung für Fedorow und forderte eine Armee-Reform:

Die Armee braucht Veränderungen, aber ohne Gerechtigkeit sind Veränderungen für die Menschen sinnlos, die diesen Krieg jeden Tag auf ihren Schultern tragen.

Mychajlo Drapatyj, neuer Oberkommandierender der ukrainischen Streitkräfte

Lange Proteste gegen Syrskyj und für Fedorow

Sechs Tage in Folge hatten zuletzt in der ukrainischen Hauptstadt Kiew und anderen Städten mehrere Tausend vor allem junge Menschen gegen Fedorows Entlassung demonstriert. Sie forderten seine Wiedereinsetzung, Hauptforderung war dabei aber eine Ablösung von Armeechef Syrskyj. Aus Militärkreisen gab es zugleich auch offene Unterstützung für Syrskyj.

Fedorows Posten als Verteidigungsminister hat am Freitag geschäftsführend der Geheimdienstler Jewhenij Chmara übernommen. Selenskyj muss Chmaras Kandidatur jedoch noch im Parlament einreichen und ihn von den Abgeordneten bestätigen lassen. Fedorow wiederum hatte das Verteidigungsministerium seit Januar geleitet. Davor stand er an der Spitze des 2019 geschaffenen Digitalisierungsministeriums.

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Satellitenbild: Rauchgeneratoren auf der Krim-Brücke aufgenommen am 22.6.2026
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Quelle: dpa
Über dieses Thema berichteten mehrere Sendungen, darunter das heute journal am 21.07.2026 ab 21:45 Uhr und heute Xpress am 22.07.2026 ab 07:00 Uhr.

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