Nach tagelangem Druck:Präsident Selenskyj entlässt Oberbefehlshaber Syrskyj
Der ukrainische Präsident hat Armeechef Syrskyj entlassen. Zuvor hatte die Absetzung von Verteidigungsminister Fedorow, der sich mit Syrskyj überworfen hat, Proteste ausgelöst.
Tausende Menschen demonstrierten vor dem Präsidialamt in Kiew. Grund war die Entlassung des in der Bevölkerung beliebten Verteidigungsministers Federow durch Präsident Selenskyj.
20.07.2026 | 2:01 minDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach tagelangem Druck von Demonstranten Armeechef Olexander Syrskyj entlassen. Neuer Oberbefehlshaber werde Mychajlo Drapatyj, teilte Selenskyj auf Telegram mit.
Der Präsident der Ukraine hatte zunächst trotz Kritik an seinem seit 2024 eingesetzten Oberkommandierenden festgehalten, nachdem er vorige Woche den populären Politiker Mychajlo Fedorow als Verteidigungsminister entlassen hatte.
Fedorow machte Konflikt mit Syrskyj öffentlich
Der erst 35 Jahre alte Fedorow hatte danach seinen Konflikt mit dem noch zu Sowjetzeiten ausgebildeten Syrskyj öffentlich gemacht. Dabei ging es maßgeblich um einen Richtungsstreit in der Kriegsführung. Fedorow stand vor allem für die auch im Westen gelobten Einsätze ukrainischer Drohnen gegen russische Ziele.
Die Entlassung des populären Verteidigungsministers Fedorow sorgte in der Ukraine für Proteste. ZDFheute live mit einer Analyse.
18.07.2026 | 28:44 minAusdrücklich dankte Selenskyj dem scheidenden General und würdigte seine militärischen Verdienste. Der Präsident hatte angesichts fortdauernder Proteste gegen die Entlassung von Fedorow seit Tagen Gespräche mit Militärs geführt, wie er auf der Plattform X mitteilte.
Schon am Samstag hatte er in seiner täglichen Videoansprache angesichts der Straßenproteste gesagt, dass er darauf höre, was die Leute sagen. Er habe auch lange mit Fedorow und Syrskyj gesprochen, sagte er.
Am Dienstagabend folgte nach Angaben von Selenskyjs Sprecher Dmytro Lytwyn ein weiteres Gespräch mit Fedorow. Dieser solle eine "würdige Position" bekommen, in der er sich weiter um die technische Entwicklung der Ukraine kümmern könne, kündigte Selenskyj an. Details nannte er nicht.
"Ein ganz besonderes, ukrainisches Drama", sagt ZDF-Reporterin Anne Brühl nach der Entlassung von Verteidigungsminister Fedorow. Die Proteste halten an, Präsident Selenskyj steht unter Druck.
21.07.2026 | 2:11 minLange Proteste gegen Syrskyj und für Fedorow
Sechs Tage in Folge hatten zuletzt in der ukrainischen Hauptstadt Kiew und anderen Städten mehrere Tausend vor allem junge Menschen gegen Fedorows Entlassung demonstriert. Sie forderten seine Wiedereinsetzung, Hauptforderung war dabei aber eine Ablösung von Armeechef Syrskyj. Aus Militärkreisen gab es zugleich auch offene Unterstützung für Syrskyj.
Fedorows Posten als Verteidigungsminister hat am Freitag geschäftsführend der Geheimdienstler Jewhenij Chmara übernommen. Selenskyj muss Chmaras Kandidatur jedoch noch im Parlament einreichen und ihn von den Abgeordneten bestätigen lassen.
Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren gegen die Invasion Russlands. Syrskyj war seit Februar 2024 Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte. Der aus Russland stammende 60-jährige Berufsmilitär hat sich vor allem bei der Verteidigung von Kiew und der erfolgreichen Gegenoffensive im Raum Charkiw 2022 verdient gemacht.
Fedorow wiederum hatte das Verteidigungsministerium seit Januar geleitet. Davor stand er an der Spitze des 2019 geschaffenen Digitalisierungsministeriums.
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