Kremlchef gibt Wirtschaftsprobleme zu :Putin lehnt ein direktes Treffen mit Selenskyj ab
Kremlchef Putin hat den Vorschlag des ukrainischen Präsidenten Selenskyj für ein direktes Treffen abgelehnt. Gleichzeitig räumte er wirtschaftliche Probleme Russlands ein.
Der ukrainische Präsident Selenskyj hat Russlands Präsident Putin in einem offenen Brief direkte Gespräche an einem neutralen Ort vorgeschlagen.
05.06.2026 | 1:35 minDer russische Präsident Wladimir Putin hat den Vorschlag des ukrainischen Staatschefs Wolodymyr Selenskyj für ein Treffen abgelehnt. In einer Rede beim Internationalen Wirtschaftsforum in seiner Heimatstadt St. Petersburg kritisierte Putin den offenen Brief Selenskyjs. "Ist das ein Weg, um Konditionen für persönliche Treffen und Gespräche zu schaffen, oder ein Umfeld zu schaffen, das jegliche persönliche Treffen unmöglich macht?", fragte Putin. "Ich glaube, es ist Letzteres." Er sehe "keinen Sinn" in einem Treffen.
Zuvor hatte - angesichts stockender Vermittlungsbemühungen der USA - Selenskyj dem Kremlchef direkte Friedensgespräche angeboten. Er schlage ein persönliches Treffen in einem Drittstaat vor, um "Schlüsselfragen" zu klären, hieß es in dem Schreiben, das vom Präsidentenbüro in Kiew veröffentlicht worden war.
Die Äußerungen des russischen Präsidenten beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg werden in der Ukraine aufmerksam verfolgt. ZDF-Korrespondent Dara Hassanzadeh berichtet.
05.06.2026 | 1:09 minKreml hält an Forderung nach Donbass-Kontrolle fest
Der Kreml jedoch hatte zunächst nur sein - von Selenskyj schon mehrfach abgelehntes - Angebot für Verhandlungen in Moskau erneuert, ebenso die Forderung nach einer vollständigen Kontrolle der ukrainischen Donbass-Region als Voraussetzung für einen Frieden.
Die Bundesregierung andererseits hatte Selenskyjs Angebot begrüßt. "Wir teilen zudem die Ansicht von Präsident Selenskyj, dass an Gesprächen mit Russland auch Vertreter Europas und der Vereinigten Staaten beteiligt werden sollen", sagte Vize-Regierungssprecher Sebastian Hille.
Um Russlands Truppen zu schwächen, greift die Ukraine Versorgungsrouten an und führt zugleich "Deepstrikes” aus, die auch Moskaus Wirtschaft schwächen sollen, sagt Militäranalyst Hendrik Remmel.
04.06.2026 | 25:31 minPutin gibt sich bei Wirtschaftsforum siegesgewiss
Beim Internationalen Wirtschaftsforum gab sich der russische Präsident siegesgewiss. Probleme habe vor allem die ukrainische Gegenseite, sagte er in einer Pressekonferenz für ausländische Nachrichtenagenturen.
In seiner Rede vor großem Publikum räumte Putin später Probleme der russischen Wirtschaft ein. Bei der Plenarsitzung sagte er:
Ja, die wirtschaftliche Dynamik ist derzeit gebremst.
Wladimir Putin, Präsident Russlands
Russland sei jetzt auf dem Niveau angekommen, auf dem sich Europa schon jahrelang befinde, fügte er in einem Seitenhieb gegen die EU hinzu.
Auf dem Wirtschaftsforum in St. Petersburg sind 130 Länder vertreten. Kreml-Chef Putin will es nutzen, um Investoren anzulocken, die seine vom Krieg getroffene Wirtschaft ankurbeln könnten.
05.06.2026 | 0:24 minIn den ersten Jahren des Kriegs gegen die Ukraine gelang es Moskau trotz westlicher Sanktionen, Wachstum zu erzeugen, weil es die Wirtschaft auf Kriegsproduktion umstellte. Seit 2025 kühlt sie sich deutlich ab, im ersten Quartal 2026 meldete die Regierung einen Rückgang beim Bruttoinlandsprodukt.
In seiner Rede deutete Putin auch an, dass das Haushaltsdefizit weiter wachsen könne. Derzeit liege es aber nur bei 2,6 Prozent - unter den Defizitwerten europäischer Länder. Was er dabei ausließ - wegen der mit der Inflation einhergehenden hohen Zinsen in Russland muss Moskau für seine Staatsverschuldung vergleichsweise mehr Geld ausgeben als die EU-Länder.
Bei ukrainischen Drohnenangriffen wurden kurz vor dem Start des internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg Energie- und Militäranlagen getroffen.
03.06.2026 | 2:15 minTrump fände Treffen von Selenskyj und Putin gut
US-Präsident Donald Trump sagte vor Journalisten im Weißen Haus auf den Brief angesprochen, dass er es gut fände, wenn es zu einem Treffen zwischen Putin und Selenskyj käme.
Inhaltlich ging die russische Seite nicht auf den Brief ein. Putin hatte kurz vor der Veröffentlichung des Schreibens gesagt, "wir sind zweifellos dazu bereit, mit der Ukraine eine Vereinbarung zu treffen".
Basis dafür seien jedoch die Abmachungen von Anchorage, betonte der Kremlchef. In der Stadt in Alaska hatte ihn US-Präsident Trump im vergangenen Sommer getroffen. Konkrete Ergebnisse waren danach allerdings nicht bekannt geworden.
Kurz vor Beginn eines internationalen Wirtschaftsforums hatten ukrainische Drohnen Ziele in Sankt Petersburg getroffen. ZDF-Reporter Felix Klauser mit einer Einordnung.
03.06.2026 | 1:05 minRussland beharrt auf voller Kontrolle über Donbass
Putin sagte, seine Forderung nach einer vollständigen russischen Kontrolle der Gebiete Donezk und Luhansk widerspreche als Friedensbedingung nicht der postulierten Dialogbereitschaft. Seiner Darstellung zufolge greift die russische Armee auf ganzer Front an, während der Ukraine Soldaten fehlten.
Die Ukraine setzt Moskaus Kriegsnachschub für die Front massiv unter Druck und trifft Ziele tief im russischen Inland. Wie stark ist der Druck auf Putin? Militäranalyst Remmel bei ZDFheute live.
04.06.2026 | 39:14 minAuf dem Schlachtfeld habe Russlands Militär die Oberhand und verbuche ständig Gebietsgewinne, meinte er weiter. Die dafür von ihm angegebene Zahl von 2.440 hinzugewonnenen Quadratkilometern liegt indes deutlich über Kiews Angaben. Nach Berechnungen regierungsnaher ukrainischer Militärbeobachter hat die russische Armee seit Jahresbeginn knapp 700 Quadratkilometer erobert.
Aktuelle Meldungen zu Russlands Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit in unserem Liveblog: