Ukraine: Erfolgreiche Gegenangriffe - aber kein Durchbruch

Analyse

Taktische Erfolge Kiews:Erfolgreiche Gegenangriffe der Ukraine sind kein Durchbruch

von Christian Mölling und András Rácz

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Die Ukraine konnte russische Vorstöße weitgehend stoppen, doch Kiews Erfolge sollten nicht überbewertet werden. Einer Offensive des Landes steht einiges im Weg. Die Militäranalyse.

Ukrainische Soldaten der 30. Brigade feuern am 31.05.2026 mit „Bohdana“-Artillerie auf russische Stellungen im Gebiet Donezk, Ukraine.

Ukrainische Soldaten der 30. Brigade feuern mit "Bohdana"-Artillerie auf russische Stellungen im Gebiet Donezk, Ukraine. (Archivbild)

Quelle: Imago

Der Ukraine ist es gelungen, die russische Offensive im späten Winter und Frühjahr weitgehend zu stoppen. Darüber hinaus gelang es den ukrainischen Streitkräften, die Russen an einigen Stellen zurückzudrängen, insbesondere in den Regionen Saporischschja und Dnipropetrowsk.

Doch daraus lässt sich kaum das Potenzial für eine erfolgreiche Offensive ableiten. Dafür müsste die Ukraine erhebliche Herausforderungen überwinden:

Der Ukraine fehlt Personal

Der wohl wichtigste Grund ist der vorherrschende Personalmangel auf ukrainischer Seite, auf den auch die ständigen Diskussionen über eine weitere Senkung des Mindestalters für die Mobilmachung und/oder dessen Ausweitung auch auf Frauen hindeuten.

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Defensive braucht weniger Truppen als Offensive

Das Halten gut vorbereiteter Verteidigungsstellungen, wie es die Ukraine im Donbass und auch im Süden tut, erfordert weniger - und weniger ausgebildete - Truppen als ein erfolgreicher Angriff auf dieselben Stellungen. Dies gilt insbesondere im Zusammenhang mit der Drohnenkriegsführung, bei der Truppen, die der Beobachtung durch feindliche Drohnen ausgesetzt sind, fast sofort verheerenden Drohnen- und Artillerieangriffen ausgesetzt sind.

Sollte die Ukraine in die Offensive gehen, würde sich die Dynamik ändern und russische Truppen würden die Vorteile der Verteidigung genießen, während die Ukrainer sich über offenes Gelände bewegen müssten und dabei russischen Drohnen ausgesetzt wären.

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Logistik könnte unter Druck geraten

Die Logistik würde einen weiteren Engpass für jede größere ukrainische Offensive in die besetzten Gebiete darstellen. Die vergangenen und andauernden Belagerungen befestigter ukrainischer Städte - sei es Pokrowsk, Kostjantyniwka usw. - haben gezeigt, dass Russland tatsächlich in der Lage ist, Versorgungslinien durch anhaltende, intensive Drohnenangriffe zu unterbrechen. In der Verteidigung kann die Ukraine Nachschub unter etablierten Anti-Drohnen-Netzen transportieren, die die Hauptstraßen abdecken.

In der Offensive wären die ukrainischen Versorgungslinien jedoch ebenso massiven russischen Drohnenangriffen ausgesetzt, wie es derzeit die russischen Versorgungslinien den ukrainischen Angriffen sind - einfach, weil man die Anti-Drohnen-Netze nicht schnell genug über den Straßen aufbauen kann, während man vorrückt.



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Russische Verteidigungslinie "Surowikin"

Eine weitere Einschränkung besteht darin, dass die sogenannte "Surowikin-Linie", die Russland in den ersten Monaten des Jahres 2023 in den besetzten Regionen Cherson und Saporischschja errichtet hat, nach wie vor besteht. Dieses vielschichtige Verteidigungsnetzwerk und insbesondere die großen Minenfelder spielten eine entscheidende Rolle bei der Abwehr der verhängnisvollen ukrainischen Gegenoffensive im Sommer 2023.

Zwar hat Russland nicht viele Ressourcen für die Instandhaltung oder den Ausbau dieser Befestigungslinie aufgewendet, doch die Elemente aus dem Jahr 2023 sind nach wie vor vorhanden, ebenso wie die Minenfelder.

Sollte die russische Militärführung die Gefahr eines bevorstehenden Durchbruchs der Ukraine sehen, wird sie diese Befestigungen anpassen, modernisieren und möglicherweise sogar ausbauen. Insgesamt macht es die "Surowikin-Linie" äußerst unwahrscheinlich, dass die Ukraine von der Region Saporischschja aus größere Landoperationen in Richtung Asowsches Meer oder der besetzten Krim starten könnte.

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Andere Frontbereiche weniger stark befestigt

In den Regionen Donezk und Luhansk hingegen hat Russland nicht annähernd so viel Energie und Ressourcen in den Bau ähnlich starker Befestigungen gesteckt wie in die "Surowikin-Linie" im Süden - zudem ist das Gelände im Donbass komplexer.

Aus Sicht der Befestigungsanlagen könnte es für die Ukraine daher etwas einfacher sein, Gebiete in der Region Donezk zurückzugewinnen, wo die von Russland besetzten Gebiete durch schwächere - wenn auch immer noch umfangreiche - Befestigungsanlagen geschützt sind.

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Probleme russischer Verteidigung schwer zu erkennen

Dies alles gilt, solange auf russischer Seite kein unerwarteter Zusammenbruch der Front eintritt, wie beispielsweise ein Militärputsch oder eine Art moralischer Zusammenbruch. Der bekannte "Nebel des Krieges"-Effekt und die strenge Einhaltung der Kommunikationssperre durch die russischen Streitkräfte erschweren es, solche Disruptionen vorherzusagen.

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