Russland setzt Oreschnik-Rakete ein: Moskaus Propagandawaffe

Analyse

Russlands Mittelstreckenrakete:Oreschnik-Rakete: Aktuell mehr Propaganda als Schlagkraft

von Christian Mölling und András Rácz

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Russland setzte in der Ukraine jüngst die Oreschnik-Rakete ein. Reichweite und Geschwindigkeit machen das System gefährlich. Dennoch ist sie aktuell eher eine Propagandawaffe.

Russische Mittelstreckenrakete Oreschnik in Belarus

Die russische Mittelstreckenrakete Oreschnik erreicht mehr als das Zehnfache der Schallgeschwindigkeit. (Archivbild)

Quelle: Russian Defense Ministry Press Service/AP/dpa

Während des massiven russischen Luftangriffs auf Kiew am 23. und 24. Mai wurde auch eine Kleinstadt in der Region Kiew von einer ganz besonderen Waffe getroffen: Russland setzte eine Oreschnik-Rakete gegen Bila Zerkwa ein.

Ziel der Mittelstreckenrakete bleibt unklar

Es ist unklar, was Russland in Bila Zerkwa treffen wollte, doch in der Stadt befindet sich ein wichtiger Militärflughafen. Ukrainische Medien veröffentlichten Aufnahmen von den Schäden an einem Garagenhof in der Stadt und behaupteten, die Oreschnik habe ausschließlich ein ziviles Ziel getroffen.

Die Geolokalisierung zeigt jedoch, dass sich diese Garagen nahe am Militärflughafen befinden. Ein wahrscheinliches Szenario ist daher, dass die Rakete auf den Flughafen gerichtet war, aber zumindest einige ihrer Submunitionen stattdessen einen nahegelegenen Garagenhof trafen.

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Dritter Einsatz der Oreschnik als Kriegswaffe

Dies war bislang der dritte Kampfeinsatz der Oreschnik-Rakete. Die beiden vorherigen fanden ebenfalls gegen die Ukraine statt. Zum ersten Mal setzte Russland eine Oreschnik im November 2024 gegen Dnipro ein, danach eine weitere gegen Lemberg im Januar 2026.

Die Oreschnik ist eine ballistische Mittelstreckenrakete, die von der Rakete RS-26 Rubezh abgeleitet ist. Die RS-26 kann nukleare Sprengköpfe transportieren. Die Oreschnik ist kleiner, hat eine Raketenstufe weniger und ist deshalb auch leichter.

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Oreschnik für Mehrfachsprengköpfe ausgelegt

Der Hauptunterschied besteht darin, dass die Oreschnik für den Transport eines konventionellen MIRV-Sprengkopfes ausgelegt ist. MIRV steht für "Multiple Independently Targetable Re-entry Vehicle" (mehrfach unabhängig zielbare Wiedereintrittsfahrzeuge), was bedeutet, dass sich der Sprengkopf der Rakete in der Endphase des Fluges in mehrere kleinere Submunitionen aufteilt, wodurch die Chancen auf einen Volltreffer vervielfacht und der Schaden am Ziel erhöht werden.



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Noch keine Sprengköpfe verfügbar

Das Hauptproblem des Oreschnik-Systems besteht darin, dass es noch nicht vollends einsatzbereit ist. Zwar ist die Rakete in der Lage zu fliegen und ihr Ziel zu treffen (mit einer noch unklaren Genauigkeit), doch sind die konventionellen Submunitionen für den MIRV-Sprengkopf noch nicht fertiggestellt. Dies ist der Grund, warum nach dem Aufprall bei keinem ihrer Einsätze Explosionen zu sehen waren.

Nach seiner Fertigstellung würde Oreschnik über einen Sprengkopf verfügen, der sich in sechs kleinere Sprengköpfe aufteilt, von denen jeder Submunitionen enthalten würde. Da diese jedoch noch nicht einsatzbereit sind, setzt Russland anstelle von mit Sprengstoff gefüllten Submunitionen das Oreschnik-System mit sechs inaktiven Blöcken ein, die in Größe, Form und Gewicht den - noch zu fertigstellenden - sechs explosiven Subsprengköpfen entsprechen.

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Reichweite und Geschwindigkeit machen Oreschnik gefährlich

Was die Oreschnik gefährlich macht, ist zum einen ihre Reichweite: Sie beträgt Berichten zufolge 4.000 bis 5.000 Kilometer, sodass sie den gesamten europäischen Kontinent abdecken kann, wenn sie aus dem Inneren Russlands abgefeuert wird. Der aktuelle Angriff wurde vom russischen Raketentestgelände Kapustin Jar in der Region Astrachan gestartet, etwa 1.100 Kilometer von Bila Zerkwa entfernt.

Zweitens fliegt die Oreschnik mit sehr hoher Geschwindigkeit, mehr als das Zehnfache der Schallgeschwindigkeit. Daher verleiht in der Endphase des Fluges allein die aus dieser Geschwindigkeit resultierende kinetische Energie der Rakete eine immense Zerstörungskraft, selbst wenn sie nur mit inaktiven Sprengköpfen fliegt.

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Bislang kein Serienprodukt in Sicht

Der Kreml versucht, das Image der Oreschnik so zu gestalten, als handele es sich um eine Art Wunderwaffe - eine Waffe, die den Verlauf des Krieges verändern und auch eine erhebliche Gefahr für Europa darstellen könnte. In Wirklichkeit ist die Oreschnik in ihrem derzeitigen Entwicklungsstadium jedoch kaum mehr als eine unfertige, experimentelle Rakete, die nur in sehr geringer Stückzahl verfügbar ist und nicht einmal über einen funktionsfähigen Sprengkopf verfügt.

Basierend auf der Analyse der beiden vorherigen Oreschniks ist die Rakete buchstäblich handgefertigt und aus Teilen anderer, älterer Raketensysteme zusammengesetzt. Daher ist ihr innerer Aufbau recht rudimentär, abgesehen davon, dass sie keinen richtigen Sprengkopf besitzt.

Alles in allem ist ihr Propagandawert weitaus höher als ihre tatsächliche militärische Leistungsfähigkeit.

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