Ungarn vor Wahl: Was Orbans Aus für Europa bedeuten würde

Analyse

Ungarn vor Parlamentswahl:Was Orbans Aus für Europa bedeuten würde

ZDF-Korrespondent Michael Bewerunge in Novi Sad

von Michael Bewerunge, Wien

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Noch immer liegt Orban in den Umfragen weit hinter seinem Herausforderer Magyar. Am Sonntag wird in Ungarn gewählt. Orbans Aus hätte Folgen weit über Ungarn hinaus.

US-Vizepräsident Vance zu Besuch bei Viktor Orban.

Kurz vor der Wahl in Ungarn erhält Viktor Orbán Unterstützung aus den USA. US-Vizepräsident JD Vance trat am Dienstag bei einer Wahlkampfveranstaltung der Fidesz-Partei auf.

07.04.2026 | 2:35 min

Selten hat eine Wahl so viel Aufmerksamkeit über das kleine Ungarn hinaus erregt. Für die Ungarn steht nach 16 Jahren Orban-Herrschaft möglicherweise eine Zeitenwende an. Und die ist so eng wie selten mit dem Schicksal ganz Europas verknüpft.

Der von Russland geführte Angriffskrieg gegen die Ukraine spielt im Wahlkampf eine Rolle. Der neue, kalte Krieg zwischen Europa und Russland. Die Beziehungen zur EU. Alles scheint mit allem verbunden und der Wahlausgang könnte die Karten auf einem ganzen Kontinent neu mischen.

Links Viktor Orban und rechts J.D. Vance. Sie winken und stehen Arm um Arm

Dem ungarischen Ministerpräsidenten Orbán droht bei der Wahl am Wochenende eine Niederlage. Die USA wollen das verhindern – mit prominenter Hilfe. Was das bringt, analysiert ZDFheute live.

07.04.2026 | 35:28 min

Orban: Ungarn immer mehr zur Autokratie umgebaut

Viktor Orban und seine Partei Fidesz haben Ungarn in den letzten Jahren nach ihren Vorstellungen komplett umgebaut. Sie haben Justiz und Pressefreiheit massiv eingeschränkt und Bürgerrechte beschnitten.

Der Staat und seine Institutionen wurden von Fidesz übernommen, wie der Politikwissenschaftler Tobias Spöri bemerkt. Ungarn sei nur noch eine Schein-Demokratie. "Mittlerweile sind die Überschneidungen zwischen der Partei, Fidesz und dem Staat so groß, dass man eigentlich von einem 'Captured State' spricht, also von einem gekaperten Staat", sagt Spöri.

Ungarn existiert nur noch als ausgehöhlte Demokratie, als Fassade, die aber im Inneren nicht mehr wirklich demokratisch regiert wird.

Tobias Spöri, Politikwissenschaftler

Ungarns Außenminister Peter Szijjarto

Ungarn soll jahrelang sensible Details aus EU-Sitzungen direkt mit Russland geteilt haben. Die EU und die Bundesregierung reagieren empört - Orban wittert einen Abhör-Skandal.

24.03.2026 | 2:47 min

Orban mit besonderer Nähe zu Putin

International hat sich das EU- und Nato-Mitglied Ungarn von einer gemeinsamen demokratischen Werte- und Außenpolitik verabschiedet. Vielmehr scheint Viktor Orban zum Verbündeten - oder besser gesagt - Befehlsempfänger von Wladimir Putin geworden zu sein, wie jüngste Presseberichte nahelegen.

Nicht nur in der Migrations- und Rechtsstaatspolitik geht Ungarn seinen eigenen Weg, sondern es blockiert auch wichtige EU-Entscheidungen wie die finanzielle Unterstützung für die Ukraine gegen ein übermächtiges Russland. Orban steht allerdings zumindest in der Nato nicht allein.

ZDF-Reporterin Isabelle Schäfers aus Brüssel.

Die EU-Kommission verlangt eine Aufklärung zu den Spionagevorwürfen. In Brüssel hoffe man, dass sich das "Problem Orbán" durch die Wahl erledigen könnte, sagt ZDF-Reporterin Isabelle Schäfers.

24.03.2026 | 6:57 min

Wahlkampfhilfe von JD Vance

Auch US-Präsident Donald Trump hofiert Putin immer wieder und hat sein Wahlversprechen nicht eingelöst, den Krieg schnell zu beenden. Sein Vizepräsident JD Vance macht sich gar zum Wahlkampfhelfer von Orban. Bei seinem Besuch lobt er Orbans Energiepolitik. Dabei besteht die darin, sich immer noch weitgehend auf russisches Öl zu verlassen.

Stehen die USA nicht mehr hinter den Sanktionen gegen Russland? Offenbar nicht und auch nicht mehr hinter der transatlantischen Wertegemeinschaft der Nato. Stattdessen unterstreicht Vance das Orban-Narrativ, Brüssel und Europa würden einen Frieden in der Ukraine verhindern. Brüssel wolle Ungarns Wirtschaft zerstören. Er sei nur aus einem Grund nach Ungarn gekommen.

Ich wollte ein Signal an alle senden, insbesondere an die Bürokraten in Brüssel, die alles getan haben, was sie können, um das ungarische Volk zu unterdrücken.

JD Vance, US-Vizepräsident

Der US-Vizepräsident JD Vance zeigt den Daumen nach oben, als er an Bord der Air Force Two geht, um nach Budapest aufzubrechen.

Die Trump-Regierung plant eine Wahlkampfhilfe für den amtierenden Ministerpräsident Orbán. Vizepräsident Vance ist vor der Parlamentswahl nach Budapest gereist – ein klares politisches Statement.

07.04.2026 | 2:07 min

Auch für Herausforderer Magyar wird es schwierig

Doch wird sein Herausforderer, Peter Magyar, alles besser machen? Selbst wenn er das will, stehen die Chancen dafür nicht gut. Selbst mit einer Zweidrittelmehrheit lässt sich die Zeit der Orban-Herrschaft nicht einfach zurückdrehen.

Peter Magyar während einer Rede in Budapest am 15.03.2026.

Peter Magyar während einer Rede in Budapest am 15.03.2026.

Quelle: epa

Politikwissenschafter Spöri hat seine Zweifel. Zu stark seien der Staat und seine Institutionen von Orbans Sympathisanten durchdrungen. "Sollte Viktor Orban abgewählt werden, bedeutet das, dass viele Personen, loyale Personen, egal ob in der Justiz, in den Medien, in der Zivilgesellschaft oder sonst wo natürlich nicht abgewählt werden", sagt Spöri.

Das heißt, selbst wenn Orban abgewählt werden sollte, wird es deshalb schwierig, die Demokratie wiederherzustellen.

Tobias Spöri, Politikwissenschaftler

Es steht viel auf dem Spiel bei dieser Wahl, für Ungarn und Europa.

Über dieses Thema berichtete das heute journal am 07.04.2026 ab 21:45 Uhr.

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