Mekka-Abkommen: Was das neue Bündnis für die Region bringt

Bündnis Türkei, Saudi-Arabien, Pakistan:Was das Mekka-Abkommen für die Region bringt

von Christiane Hoffmann, Istanbul

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Durch den Mekka-Pakt wollen Saudi-Arabien, Türkei und Pakistan militärisch enger zusammenarbeiten, Sicherheit und Stabilität in der Region stärken. Ändert das die Machtbalance?

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (links), der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman (Mitte) und der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif (rechts) stehen neben einander.

Die Staats- und Regierungschefs von Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan haben in Mekka einen Verteidigungspakt geschlossen.

08.08.2026 | 0:21 min

Es soll ein historisches Bild sein, das die drei Staatschefs der Türkei, Saudi-Arabiens und Pakistans von der Unterzeichnung des Mekka-Pakts in die Welt schickten. Bemerkenswert ist der Anspruch der gegenseitigen Verteidigung nach Nato-Vorbild: Bei einem Angriff auf ein Mitglied sollen die Partner über Unterstützungsmaßnahmen beraten; von Geheimdienstkooperation bis hin zu militärischer Hilfe.

Dem türkischen Präsident Erdogan zufolge sollen weitere Länder dazukommen können. Angesichts der Entwicklungen in der Region müssten die Länder ihre Probleme stärker selbst lösen.

Mekka-Bündnis-Partner haben unterschiedliche Interessen

Zwischen den drei Ländern gibt es schon länger wirtschaftliche und militärische Kooperationen, sagt Stephan Roll, Politikwissenschaftler bei der Stiftung Wissenschaft und Politik. Diese würden durch den Pakt institutionalisiert. Die Interessen der Länder seien dabei unterschiedlich:

  • Die Türkei will ihren Einfluss in der muslimischen Welt ausbauen und hofft auf zusätzliche Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien.
  • Saudi-Arabien will seine Rolle in der Region und seine Sicherheit stärken und die eigene Rüstungsindustrie ausbauen.
  • Pakistan erhofft sich politische Rückdeckung und wirtschaftliche Unterstützung aus Saudi-Arabien. Als einzige Atommacht bringt es erhebliches militärisches Gewicht ein.
Recep Tayyip Erdogan

Präsident Erdoğan zeigt international Stärke. Gleichzeitig wachsen in der Türkei Wirtschaftskrise, Kritik am Demokratieabbau und Druck auf die Opposition.

06.07.2026 | 3:20 min

Die Ausgestaltung des Abkommens sei aber noch sehr unklar. Roll sieht nicht, dass das Bündnis mit der Nato zu vergleichen sei:

Weil ich glaube, dass am Ende die Golfstaaten weiterhin stark auf die USA angewiesen sind aufgrund der starken militärischen Abhängigkeit.

Stephan Roll, Stiftung Wissenschaft und Politik

Zudem sei unklar, ob die Partner sich im Ernstfall tatsächlich füreinander militärisch einsetzen würden.

Bündnis als Brücke zwischen Nato, China und Golfstaaten?

Skeptisch äußerte sich auch der türkische Politikwissenschaftler Ilhan Uzgel, der der türkischen Opposition nahesteht. Für die Türkei sehe er keinen Nutzen aus dem Mekka-Abkommen:

Die Türkei ist keiner unmittelbaren Sicherheitsbedrohung ausgesetzt. Sie ist bereits Mitglied der Nato.

Ilhan Uzgel, Politikwissenschaftler

Nato-Gipfel in Ankara

In Ankara haben sich im Juli die Nato-Regierungschefs getroffen. Auch US-Präsident Trump kommt - auf ausdrücklichen Wunsch seines türkischen Kollegen Erdoğan.

07.07.2026 | 2:22 min

Andere türkische Analysten sehen in dem Bündnis dagegen eine Brücke zwischen Nato-Staaten, China und den Golfmonarchien.

Experte: Mekka-Abkommen erhöht Druck auf Iran

Durch Blockade der Straße von Hormus und Angriffe der von Iran unterstützten Huthi-Miliz auf Schiffe in der Meerenge Bab-al-Mandhab im Roten Meer sind die wirtschaftlichen Folgen für die Energieversorgung weltweit spürbar.

Die Länder suchen andere Handelsrouten. Experte Röll sagt, sie suchten Weg "wie man sich resilienter machen kann gegenüber solchen Schocks." Saudi-Arabien hat durch die Ost-West-Pipeline ans Rote Meer vorgesorgt.

Irak arbeitet an einer Route durch die Türkei. Auch über neue Pipelines durch Jordanien, Syrien wird gesprochen. Das Mekka-Abkommen erhöht zeitgleich den Druck auf Iran, sagt der türkische Politikwissenschaftler Ilhan Uzghel.

Alle Mitgliedsländer sind Nachbarn des Iran. Daher sei es klar, dass Iran den Mekka-Pakt als eine Art strategische Einkreisung und Eindämmung durch Verbündete der USA betrachtet.

Ilhan Uzgel, Politikwissenschaftler

Auf dem Bild ist Andreas Reinicke zu sehen.

In Zeiten des Iran-Kriegs entsteht ein neues Bündnis in Nahost: Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan haben einen Verteidigungspakt geschlossen. Was dahinter steckt.

07.08.2026 | 17:01 min

Verschiebung der Machtbalance in der Region

Dem Nahost-Experten Volker Perthes zufolge ist die regionale Machtbalance insgesamt fluide. "Größere Verschiebungen zeichnen sich bei den geopolitischen und geoökonomischen Orientierungen ab." Denn die Golfstaaten seien durch den Krieg sowohl Teheran als auch Washington gegenüber misstrauischer geworden.

Die Golfmonarchien werden deshalb massiv in den Ausbau ihrer militärischen Fähigkeiten und eigenen Rüstungsproduktion investieren.

Volker Perthes, Experte für Außen- und Sicherheitspolitik

Und die Staaten würden nicht mehr allein von den USA abhängig sein wollen. Sie suchten weitere Partner wie die Türkei, Pakistan, China oder die Ukraine.

Die Unsicherheit wächst. Ob der Mekka-Pakt ein Stabilitätsanker werden kann, ist durch die unterschiedlichen Interessen und Konkurrenz der Länder untereinander nicht ausgemacht.

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Über das Mekka-Abkommen berichtete unter anderem ZDFheute live am 07.08.2026 um 16:00 Uhr und ZDFheute Xpress am 08.08.2026 um 09:27 Uhr.

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