Experten warnen vor Folgen:US-Atomdeal mit Saudis ein "Spiel mit dem Feuer"
Die US-Pläne für ein ziviles Atomprogramm in Saudi-Arabien stoßen auf Kritik. Experten warnen vor einem Wettrüsten und neuen Risiken für die Atomverhandlungen mit Iran.
Trotz erneuter Eskalation des Iran-Kriegs will Trump Saudi-Arabien beim Aufbau eines zivilen Atomprogramms unterstützen. ZDFheute live ordnet die Lage ein.
23.07.2026 | 18:56 minDie USA und Saudi-Arabien wollen ein ziviles Atomprogramm in dem Golfstaat aufbauen - inmitten der extrem angespannten Situation in der Region. Denn während die USA in Iran das Atomprogramm bekämpfen, verhelfen sie den Saudis nun genau dazu. Was bedeutet das für die Region und warum geht die US-Regierung nun diesen Schritt?
Experte Braml: US-Atomdeal mit Saudis kurzsichtig
Politologe und USA-Experte Josef Braml zeigt sich bei ZDFheute live angesichts der Nachrichten über den Atomdeal sehr skeptisch. Es sei ein Problem, dass die USA nicht aus früheren Fehlern lernten. "Man hat ja dem iranischen Schah-Regime damals nukleare Technologie gegeben, die man jetzt verhindern will." Jetzt mache man den gleichen Fehler mit Saudi-Arabien.
Wer weiß, was aus diesem Regime wird. Da denkt man wirklich zu kurz.
Josef Braml, USA-Experte
Eine weitere "Scheinheiligkeit" sei, dass man dem einen etwas erlaube, was man dem anderen versage. Zudem lasse Washington die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) außen vor.
Trump und die Seinen spielen hier mit dem Feuer. Die eine Kurzsichtigkeit bewirkt weitere.
Josef Braml, USA-Experte
"Amerika demonstriert gerade seinen Niedergang", sagt Braml. Europa sei gut beraten, sich nicht mehr auf die Vereinigten Staaten zu verlassen.
Man erlaubt dem einen, was man dem anderen nicht erlaubt, sagt US-Experte Braml. Damals habe man dem iranischen Schah-Regime Nukleartechnologie gegeben, die man jetzt verhindern wolle.
23.07.2026 | 7:24 minDurch US-Deal mit Saudis bessere Karten für Iran?
Auch Andreas Reinicke vom Deutschen Orient-Institut sieht den Atomdeal mit Blick auf den Konflikt zwischen den USA und Iran kritisch: Die Iraner sind "knochenharte Verhandler" - sie würden die Frage stellen, warum sie sich der Kontrolle der IAEA unterwerfen sollten und Saudi-Arabien nicht. Das erschwere die künftigen Verhandlungen mit Teheran in "unnötiger" Weise, sagte Reinicke bei ZDFheute live.
Möglicherweise sei Iran durch den Deal nun sogar in einer besseren Position für seine eigenen Verhandlungen mit den USA. Der Deal mit Donald Trump sei "ein geschickter Schachzug des saudischen Königs, der damit zum Ausdruck gebracht hat, welche Karten er in der Hand hat". Denn Saudi-Arabien führe auch Gespräche über Atomenergie mit China und Russland. Diesen Einfluss wolle Trump mit dem neuen Deal vermutlich zurückdrängen, sagt Reinicke.
Dass Trump Saudi-Arabien kaum Auflagen beim Atom-Deal macht, könnte Iran nutzen, sagt Nahost-Experte Reinicke. Womöglich habe Teheran nun "noch bessere Karten" für die eigenen Verhandlungen.
23.07.2026 | 9:36 minDass die USA dahingehend keinen "Goldstandard" von den Saudis fordern, kann sich Reinicke nicht erklären. Das werde auch zu Problemen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien führen. Denn andere Partner der USA - wie die Emirate - hätten sich dazu verpflichtet, auf die eigene Uran-Anreicherung und auf die Wiederaufbereitung zu verzichten. "Das sind Spannungen vorprogrammiert."
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