Nahost-Expertin: "Schreckliche Idee" :Sorge vor Wettrüsten nach US-Atomdeal mit Saudi-Arabien
Die Trump-Regierung will Saudi-Arabien beim Aufbau eines zivilen Atomprogramms helfen. Kritiker fürchten jedoch atomares Wettrüsten. Details des Deals blieben zunächst unklar.
US-Präsident Trump bei einem Besuch in Saudi-Arabien (Archivbild)
Quelle: APMitten im Iran-Krieg schürt ein neues Abkommen zwischen den USA und Saudi-Arabien Befürchtungen vor einem atomaren Wettrüsten im Nahen Osten. Die Regierung von Präsident Donald Trump teilte mit, dass sie Saudi-Arabien beim Aufbau eines zivilen Atomprogramms helfen wolle und die Energieminister beider Länder eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet hätten.
Den genauen Inhalt des Milliarden-Deals machte die US-Regierung zunächst nicht publik. Nach Informationen von US-Medien könnte er aber den Weg für Urananreicherung in dem sunnitischen Königreich ebnen, das mit dem schiitisch geprägten Iran um die Vorherrschaft in der Region ringt.
Kanzler Merz besuchte im Februar Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate. Es geht um Rüstungskooperation und Energieversorgung. Eine Wirtschaftsdelegation begleitete Merz.
04.02.2026 | 1:50 minAuch Urananreicherung in Saudi-Arabien?
Das "Wall Street Journal" hatte vor der offiziellen Unterzeichnung berichtet, das Abkommen solle eine Laufzeit von 30 Jahren haben, US-Unternehmen eine Schlüsselrolle beim Aufbau der saudi-arabischen Atominfrastruktur sichern und ausländische Konkurrenten ausschließen. Eine zentrale Regelung sieht dem Bericht zufolge vor, dass US-Unternehmen eine Urananreicherungsanlage in Saudi-Arabien bauen, sofern eine gemeinsame amerikanisch-saudische Studie zu dem Schluss kommt, dass ein solcher Schritt gerechtfertigt ist.
In der US-Mitteilung hieß es, es sei auch ein bilaterales Abkommen zu flankierenden Sicherheitskontrollen unterzeichnet worden. Was dieses konkret beinhaltet, blieb zunächst unklar. US-Energieminister Chris Wright betonte, die Vereinbarungen würden höchste Sicherheitsstandards gewährleisten und auch sicherstellen, dass keine Atomwaffen verbreitet werden.
Mit besonderen Visionen, aber auch mit brutalen Methoden verändert Mohammed bin Salman als Herrscher von Saudi-Arabien das Land. Mit seiner Macht über das Öl spielt er in der Weltpolitik mit.
12.02.2025 | 44:03 minNahost-Expertin: Abkommen ist eine "schreckliche Idee"
Der Deal sei ein "selbst verschuldetes Eigentor", schrieb Aaron David Miller, einst Berater im US-Außenministerium, bereits vor der offiziellen Verkündigung. Er sprach von einem "Verstoß gegen US-Politik zur Nichtverbreitung" und einem gefährlichen Zugeständnis an Riad. Das Letzte, was es nun brauche, sei "noch ein Staat, der seinen eigenen nuklearen Brennstoffkreislauf kontrolliert".
Nahost-Expertin Rosemary Kelanic sprach von einer aus vielerlei Gründen "schrecklichen Idee", die "mitten in einem Krieg über Irans Atomprogramm besonders schwachsinnig" sei. Der frühere US-Justizbeamte Michael Horowitz wies darauf hin, dass die Sicherheitsgarantien mit Blick auf das mögliche Streben nach Atomwaffen "rein bilateral" seien - und damit "komplett abhängig" vom Verlauf der Beziehungen zwischen Washington und Riad.
Libanon, Syrien, Irak, Jemen: Iran schmuggelt Geld und Waffen und unterdrückt Demokratiebewegungen - Eine Reise durch terrorisierte Länder. Und durch ihre Geschichte.
23.07.2026 | 43:44 minWiderstand im US-Kongress möglich
Saudi-Arabien hat kein bekanntes Atomwaffenprogramm, treibt die Nutzung von Kernkraft unter dem Kronprinzen und faktischen Herrscher Mohammed bin Salman aber seit Jahren voran. Er hat mehrfach erklärt, dass sein Land zwar nicht nach Atomwaffen strebe, aber "so schnell wie möglich" folgen werde, falls der Iran diesen Schritt gehen sollte. Das angebliche - und von Teheran wiederholt dementierte - Streben des Irans nach Atomwaffen wurde von der US-Regierung und ihrem Verbündeten Israel als maßgeblicher Grund für den Beginn der Angriffe auf die Islamische Republik Ende Februar angeführt.
Die Vereinbarung wird nun zur Prüfung an den US-Kongress übergeben, wo es Widerstand geben könnte. Zwar wollen die USA von der Vereinbarung wirtschaftlich profitieren, indem sie Nukleartechnik exportieren und Jobs für Amerikaner schaffen. Viele Abgeordnete lehnen jedoch eine Verbreitung wirkungsmächtiger Atomtechnik im politisch instabilen Nahen Osten ab - noch dazu im laufenden Krieg mit Saudi-Arabiens langjährigem Rivalen Iran.
Um eine militärische Nutzung der Atomtechnik zu verhindern, wäre Zugang internationaler Inspektoren zu den Standorten wichtig. Bei der Vereinbarung zwischen den USA und Saudi-Arabien blieb zunächst offen, in welchem Maß ein solcher Zugang gewährleistet werden könnte.
Die pro-iranische Huthi-Miliz im Jemen hat eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien angekündigt. Eine Seeblockade würde die Ölexporte Saudi-Arabiens erheblich behindern.
21.07.2026 | 0:22 min"New York Times": Trump ging bei Abkommen Kompromisse ein
Saudi-Arabien hat sowohl den Atomwaffensperrvertrag (NPT) unterzeichnet, der die Weiterverbreitung von Nuklearwaffen verbietet, als auch eine umfassende Vereinbarung mit der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, die den Bau von Atomwaffen durch Inspektionen verhindern soll. Riad hat bisher aber kein Zusatzprotokoll mit der IAEA geschlossen, das der Behörde die Suche im Land nach Spuren geheimer Aktivitäten erlauben würde.
Die "New York Times" berichtete unter Berufung auf Regierungsbeamte, Trump habe bei dem nun geschlossenen Abkommen Kompromisse machen müssen. So habe er Bedingungen zugestimmt, die internationale Inspektoren daran hindern könnten, Zugang zu bestimmten Standorten zu bekommen.
Gespräche auch mit China und Russland
Saudi-Arabien führt neben den USA auch mit China und Russland Gespräche über die Nutzung von Atomkraft. Die Trump-Regierung dürfte darauf hoffen, deren Einfluss durch die Atom-Einigung mit Riad zurückzudrängen. US-Energieminister Wright führte bei einer Reise nach Saudi-Arabien schon vergangenes Jahr Gespräche über einen solchen Deal, der auch Thema beim Treffen von Kronprinz Mohammed mit Trump im November in Washington war.
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