Kamelfleisch für den Kanzler:Merz gilt nun als neuer Freund am Golf - und Trump half
von Wulf Schmiese
Drei Tage war Kanzler Merz Stargast in der Golfregion. Bei der Reise ging es um die Suche neuer Partner. Merz zeigt sich zufrieden. Sein Fokus: Wirtschaftliche Chancen.
Die Suche nach Handelspartnern führe dazu, "dass Menschenrechte nur noch hinter verschlossenen Türen besprochen werden", berichtet der stellv. ZDF-Hauptstadtstudioleiter Wulf Schmiese.
06.02.2026 | 4:04 minWie ist es, bei lupenreinen Autokraten zu sein? Friedrich Merz ist soeben zurück von der Arabischen Halbinsel. Drei Tage war er Stargast in den megareichen Ölstaaten.
Zum Abschluss in Abu Dhabi sagt der Kanzler, dass diese dreitägige Reise vielleicht "zu den wichtigsten Besuchen zählt, die ich in den letzten Monaten gemacht habe". Sie werde womöglich "weitreichende Folgen in der Zusammenarbeit und auch in der wirtschaftlichen Entwicklung" haben.
Merz in den Golfstaaten: "Große Ehre"
Merz hat spezielle Erfahrungen gemacht: Der gefürchtete Kronprinz Saudi-Arabiens, den manche "Blutprinz" nennen, lud ihn hinter den Palastmauern zum Vier-Augengespräch ein. Der Emir von Katar servierte ihm in seinem Diwan Kamelfleisch. Und schließlich chauffierte ihn der mächtigste Scheich der Vereinigten Arabischen Emirate in seiner Milliardärs-Limousine höchstselbst durchs Emirat.
Merz ist dankbar für die "große Ehre", mitunter wirkt er geradezu begeistert:
Es sind beeindruckende Persönlichkeiten, die ich hier treffe. Es sind beeindruckende und intensive Gespräche.
Friedrich Merz, Bundeskanzler
Auf seiner Golfreise macht der Bundeskanzler nach Saudi-Arabien Stopp in Katar. Merz will die Wirtschaftsbeziehungen ausbauen – trotz schwieriger Menschenrechtslage. ZDF-Korrespondent Wulf Schmiese berichtet.
05.02.2026 | 2:33 minAuch über Menschenrechte? Mohammed Bin Salman, der faktische Herrscher in Riad, steht im Verdacht, 2018 den heimtückischen Mord des regierungskritischen saudischen Journalisten Khashoggi im Konsulat in Istanbul angewiesen zu haben.
Lockerungen bei Rüstungsexporten, Gespräche über Menschenrechte hinter verschlossenen Türen
Niemand wollte mehr neben ihm stehen auf Familienfotos bei G-20-Treffen. Deutschland hatte ihn schon drei Jahre zuvor gebannt mit einem faktischen Export-Verbot von schweren Rüstungsgütern an den Golf. Lex-Jemen hieß das, weil der Kronprinz 2015 in den jemenitischen Bürgerkrieg eingegriffen hatte.
Die Regierung Merkel hatte die Rüstungsexportkontrolle massiv verschärft. Die Regierung Merz hat sie wieder gelockert, um leichter Eurofighter, A400M und Raketenabwehr-Systeme verkaufen zu können.
Während die Grünen in der Ampel-Koalition regierten, sollte Außenpolitik "wertegeleitet" sein. Anders Merz beim Thema Menschenrechte.
Darüber habe ich in allen Gesprächen gesprochen, aber ich mache das hier nicht öffentlich, sondern ich spreche mit meinen Gesprächspartnern hinter verschlossenen Türen über diese Themen.
Friedrich Merz, Bundeskanzler
Trotz autoritärer Regierungen setzt Merz auf engere Partnerschaften in der Golfregion.
05.02.2026 | 1:45 minMerz will neue Partner in der Welt finden
Offen für Rüstungsexport und keine öffentlichen Ermahnungen mehr - beides wird als Spurwechsel in der deutschen Außenpolitik wahrgenommen:
"Es ist allen bewusst, dass in der gegenwärtigen Situation die Menschenrechtslage in diesen drei Staaten nicht die oberste Priorität des Kanzlers und der Bundesregierung ist", sagt Guido Steinberg von der "Stiftung Wissenschaft und Politik" - und es klingt nicht empört. Denn es gehe der Regierung nun darum, "neue Partner in einer Welt zu finden, in der die USA eben langsam wegdriften."
Die treulosen USA sind ein Vorteil für Merz auf seiner Suche nach neuen Partnern. Denn die suchen ja selbst auch. In Indien feierten sie deshalb den deutschen Besucher. So, wie sie ihn nun ebenso am Golf als neuen Freund empfinden.
Kurz gesagt: Donald Trumps Unberechenbarkeit hilft Merz, sich als besonders verlässlicher Partner darzustellen.
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