Fotos zeigen Wrack nach Drohnen-Angriff:So wichtig ist der zerstörte Radar-Jet für die US-Luftwaffe
von Nils Metzger, Oliver Klein, Jan Schneider
Ein iranischer Drohnenangriff in Saudi-Arabien hat einen wichtigen US-Aufklärungsflieger zerstört. Der Schlag traf die USA offenbar unvorbereitet. Was sind die Folgen?
Das zerstörte Awacs-Flugzeug der US-Luftwaffe auf dem Stützpunkt in Saudi Arabien.
Quelle: AFP/UGC (UNKNOWN)Der iranische Angriff auf den Luftwaffenstützpunkt Prinz Sultan in Saudi-Arabien erfolgte zwar bereits am Freitag - aber bis heute gibt es von offizieller Seite der USA dazu keine Bestätigung oder Stellungnahme. Dabei waren die Auswirkungen offenbar verheerend:
Medienberichten zufolge sollen mindestens zwölf US-Soldaten verletzt worden sein, zwei von ihnen schwer. Ein US-Aufklärungsflugzeug vom Typ Boeing E-3 Sentry wurde zerstört, wie mehrere Fotos zeigen. Die Bilder wurden zunächst in Sozialen Medien geteilt, ZDFheute konnte sie verifizieren.
Das zerstörte US-Aufklärungsflugzeug auf der Rollbahn der Air Base. Im Hintergrund zwei Hallen, die auch auf dem Satellitenbild zu sehen sind (blaue Markierung).
Quelle: Google Earth, AFP, UGC, ZDFEtliche Merkmale auf den Bildern - beispielsweise Masten, Hallen, Bunker oder Markierungen auf Rollbahnen - stimmen mit Satellitenbildern des saudi-arabischen Luftwaffenstützpunkts rund 100 Kilometer südlich von der Hauptstadt Riad überein. Auf weiteren Satellitenbildern, die das Areal nach dem Angriff zeigen, sind an den entsprechenden Stellen Schäden und Rauch zu sehen.
Das "Wall Street Journal" berichtete, dass auch mindestens zwei US-Tankflugzeuge beschädigt wurden. Vor allem die Zerstörung der sogenannten Awacs-Maschine - das Aufklärungsflugzeug mit dem markanten flachen Radar-Pilz auf dem Rumpf - dürfte für die US-Luftwaffe ein herber Verlust sein.
In Saudi-Arabien wurde ein Luftwaffenstützpunkt der USA durch Iran getroffen - mehrere Soldaten wurden verletzt. Iranische Drohnenangriffe wurden auch aus Kuwait, Oman und den Emiraten gemeldet.
28.03.2026 | 0:31 minZerstörtes Flugzeug war wichtige Radarplattform
Mit solchen Maschinen können die US-Streitkräfte über Hunderte Kilometer hinweg den Luftraum überwachen, Ziele identifizieren oder befreundete Flugzeuge verfolgen. In der modernen Kriegsführung, in der unterschiedlichste Waffensysteme am Boden und in der Luft miteinander kommunizieren, sind Awacs-Maschinen ein essenzielles Bindeglied.
Üblicherweise sind während großer Missionen wie gerade über Iran ständig auch Awacs-Maschinen in der Luft, um Informationen für Bomber, Jagdflugzeuge und die Flugabwehr am Boden zu sammeln. Sie selbst halten sich dabei mit großem Abstand im Hintergrund, die Maschinen sind unbewaffnet.
Iran hat erneut mehrere Golfstaaten angegriffen. Unter anderem meldete Kuwait Schäden an einem Kraftwerk. Auch Jordanien, Saudi-Arabien, Katar und die Emirate melden Beschuss.
30.03.2026 | 0:30 minAuf den Typ Boeing E-3 setzen nicht nur die USA seit Jahrzehnten, sondern auch die Nato insgesamt. Sie unterhält im nordrhein-westfälischen Geilenkirchen gar ein eigenes multinationales Kommando mit 14 dieser fliegenden Überwachungsstationen. Ihre Bedeutung hat im Laufe der Zeit jedoch abgenommen, weil inzwischen Satelliten viele der Aufgaben wahrnehmen können.
Verlust schränkt Fähigkeiten der USA kaum ein
Der Verlust eines solchen Fliegers ist für die USA eine peinliche Schlappe, aber sollte ihre militärischen Fähigkeiten nicht unmittelbar einschränken, weil die verbleibenden Maschinen die Lücke füllen können - eigentlich.
Auf dem Papier haben die USA 31 dieser Flugzeuge, praktisch könnten es aber auch nur etwa die Hälfte sein, wie das Fachmagazin "Air and Space Forces" schreibt. Die alternden E-3-Flugzeuge fallen immer häufiger aus, die Ausmusterung ist eigentlich schon angelaufen. Das heißt auch, dass die jetzt zerstörte Maschine nicht einfach nachproduziert werden kann.
Die USA hätten sich “militärische Optionen geschaffen“, berichtet der Sicherheitsexperte Nico Lange. Dazu gehört “vor allem weiter bombardieren“ – vielleicht aber auch Landungstruppen.
31.03.2026 | 5:10 minIm Falle eines großen Konflikts mit Russland oder China in den kommenden Jahren könnte man sich womöglich noch wünschen, man hätte keinen teuren Awacs-Flieger leichtfertig auf einem Rollfeld in Saudi-Arabien von einer vermutlich wenige zehntausend Dollar teuren Drohne ausschalten lassen.
USA vernachlässigten offenbar Schutz ihrer Stützpunkte
Vor allem zeigt der Vorfall in Saudi-Arabien, wie unzureichend sich die Planer der US-Militärkampagne offenbar mit der Absicherung ihres Aufmarschgebietes befasst haben: Dass iranische Drohnen eine Luftwaffenbasis mitten in Saudi-Arabien erreichen, hielt man wohl für ein wenig realistisches Szenario - eine massive Fehlkalkulation.
Der Luftwaffenstützpunkt Prinz Sultan in Saudi-Arabien liegt rund 100 Kilometer südlich der Hauptstadt Riad.
Quelle: ZDFÄhnliches betrifft weitere Standorte in der Region: Bei einem Drohnenangriff Anfang März auf eine US-Basis in Kuwait starben sechs Soldaten. "CNN" berichtete, dass ihr Trailer zwar rundherum mit Betonbarrieren abgeschirmt, vor Angriffen von oben aber ungeschützt war.
Wie können Militärbasen besser geschützt werden?
Als Schutz vor Luftangriffen sind viele Luftwaffenbasen mit bunkerähnlichen Hangars aus Beton ausgerüstet. Dort können Kampfjets sicher untergebracht werden. Bei großen Maschinen wie dem nun zerstörten Aufklärer oder Tankflugzeugen ist das jedoch schwieriger.
Man dürfe weder “den Willen der iranischen Machthaber“ noch “die Bereitschaft, das eigene Volk in den Kampf zu schicken, unterschätzen“, so ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa aus Istanbul.
31.03.2026 | 3:10 minDazu kommt, dass hier eine fremde Basis genutzt wurde - auf Satellitenbildern waren teilweise über ein Dutzend auf dem Rollfeld geparkte Flugzeuge zu erkennen. Das führt zwangsläufig zu einem Platzproblem.
Es ist nicht bekannt, ob die saudische Basis über eigene Abwehrsysteme gegen Drohnen verfügt, oder ob die USA zusätzlichen Schutz mitbrachten. Die US-Botschaft in Bagdad verfügt etwa über eigene Maschinenkanonen auf dem Dach, das ist aber die absolute Ausnahme. Es ist auch nicht bekannt, welche Vorwarnung die US-Truppen hatten, und ob bei diesem Angriff eine Koordination mit dem saudi-arabischen Militär stattfand.
Keine Lehren aus Ukraine-Krieg gezogen
Eine Vorwarnung hatten die USA jedoch: in Form von weltweit viralen Videos aus dem Ukraine-Krieg. Im Juni 2025 hatte die Ukraine mit einem koordinierten Drohnenschlag gleich mehrere von Russlands Langstreckenbombern ausgeschaltet. Auch sie standen damals einfach ungeschützt auf dem Rollfeld.
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