Verhandlungen über Straße von Hormus:Experte warnt vor Irans wachsendem Einfluss
Für die Straße von Hormus schlägt Iran neue Schiffsrouten vor. Sie würden Irans Position stärken. Ein Angebot, das die USA kaum akzeptieren kann, so Nahost-Experte Fathollah-Nejad.
Den Krieg beenden und Iran nie wieder bedrohen - das fordert Iran für die Öffnung der Straße von Hormus. Dass die USA dem zustimmen, gilt als unwahrscheinlich.
09.08.2026 | 0:30 minAli Fathollah-Nejad ist Nahost-Experte und Gründer der Forschungseinrichtung "Center for Middle East and Global Order" (Zentrum für den Mittleren Osten und globale Ordnung), ansässig in Berlin. Schwerpunktmäßig beschäftigt er sich mit Iran und Entwicklungen im Nahen Osten und deren weltweite Einflüsse, auch im Iran-Krieg, wo er auch regionale Player wie Oman beobachtet.
ZDF: Die Verhandlungen zwischen Iran und Oman zur Straße von Hormus kommen nicht voran, es scheint eine Hängepartie zu sein. Wie schätzen Sie die momentane Verhandlungssituation ein?
Ali Fathollah-Nejad: Die iranische und omanische Seite sind in Verhandlungen über die zukünftige Verwaltung der Meerenge von Hormus. Es soll um eine neue Schiffsroute gehen, also eine Eingangsroute in den Persischen Golf durch die Meerenge, die vollständig von der Islamischen Republik kontrolliert werden soll.
Und es soll nur eine Route vom Persischen Golf wieder raus durch die Meerenge in die Weltmeere geben. Und da soll die Kontrolle geteilt werden zwischen Iran und Oman. Dadurch hätte Iran drei Viertel der Kontrolle über die Meerenge von Hormus.
Iran fordert einen Rückzug aller US-Truppen aus der Region. Andernfalls werde die Blockade der Straße von Hormus fortgesetzt. ZDF-Korrespondentin Christiane Hoffmann berichtet.
09.08.2026 | 1:11 minZDF: Sollte es zu einer Neuordnung der Schiffsrouten kommen, bedeutet es eine Stärkung des Iran. Wie beurteilen Sie das?
Fathollah-Nejad: Bei diesen Verhandlungen sind nicht nur Iran und Oman beteiligt, obgleich es die Hauptparteien sind, sondern auch Katar und womöglich auch Pakistan.
Und durch diese Parteien, die ja auch eine Vermittlerrolle gespielt haben, sind auch die USA irgendwie wohl beteiligt bei diesen Gesprächen, wenngleich nur im Hintergrund.
Ein großer Faktor wird sein, inwieweit - so auch die iranische Forderung - die amerikanische Marineblockade von iranischen Häfen aufgehoben wird.
Die Straße von Hormus
Quelle: ZDFDas hat die iranischen Ölexporte stark unterminiert. Laut iranischem Verhandlungsführer Ghalibaf hat Iran im Mai, also in jenem Monat, wo diese amerikanische Seeblockade vollständig gewirkt hat, nicht mal ein Barrel Öl durch die Meerenge exportieren können. Also es hat zu einem Kollaps iranischer Ölexporte geführt.
Trump erklärt die Straße von Hormus nach einer Minenräumung für befahrbar. Gleichzeitig verlangt er vom Iran Entschädigungen für Opfer und Schäden des Konflikts.
11.08.2026 | 0:21 minZDF: Was würde es denn bedeuten, wenn diese Vereinbarung so geschlossen würde, wie sie jetzt auf dem Tisch liegt? Das ist ja eine richtige Stärkung des Iran.
Fathollah-Nejad: Absolut. Es wäre eine Stärkung der Position der Islamischen Republik. Es gibt seit Wochen schon im Zuge des Krieges den Anspruch Teherans, dass man die Meerenge von Hormus kontrolliert, dass man dort der Souverän ist.
Im Sinne des iranischen Regimes ist es auch eine Garantie, dass dort keine militärischen Lieferungen seitens der Amerikaner beispielsweise für amerikanische Basen in den arabischen Golfstaaten stattfinden. Also es ist eine Art Sicherheitsgarantie.
Übers Wochenende hat Iran seine Forderungen erweitert und stellt jetzt Maximalforderungen, die auch Teil der von Trump und dann Teheran später aufgekündigten Absichtserklärung von Islamabad von Juni waren:
Ende der Drohungen gegen Iran, Beendigung der Angriffe auf Iran und seine Verbündeten im Libanon (also die Hisbollah), Palästina (also die Hamas), im Jemen (sprich die Huthis); Ende der Seeblockade und Abzug aller US-Truppen aus Irans Nachbarschaft; Reparationszahlungen; Aufhebung aller Sanktionen und Freigabe eingefrorener Gelder.
In Zeiten des Iran-Kriegs entsteht ein neues Bündnis in Nahost: Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan haben einen Verteidigungspakt geschlossen. Was dahinter steckt, analysiert ZDFheute live.
07.08.2026 | 17:01 minZDF: Eigentlich können die USA das ja auch nicht akzeptieren.
Fathollah-Nejad: Die USA können solch ein Arrangement eigentlich kaum akzeptieren, aber es gibt einige Faktoren, die Washington durchaus unter Druck setzen, was auch die Islamische Republik sehr genau beobachtet.
Das ist vor allen Dingen die militärische Komponente, also Berichte, dass die Amerikaner nicht mehr über genügend Abwehrraketen und Munition verfügen. Das ist das eine.
Das zweite, was das iranische Regime sehr genau beobachtet, ist, dass US-Präsident Trump politisch sehr stark unter Druck steht, dass die Benzinpreise sehr hoch gegangen sind, dass es von Seiten der demokratischen Parteien und insgesamt innerhalb der amerikanischen Gesellschaft eine größere Kritik gibt hinsichtlich der amerikanischen Unterstützung für Israel beispielsweise.
Die USA und Iran greifen sich erneut gegenseitig an. Erst kürzlich hatte Trump das Rahmenabkommen für hinfällig erklärt. Wie lange kann er den Krieg noch fortführen? Die Analyse bei ZDFheute live
13.07.2026 | 23:37 minZDF: Wenn wir auf Iran blicken, gibt es durch die Blockade und nach dem Krieg gleichzeitig auch große Nöte. Wie ist denn da die Lage einzuschätzen? Es scheint ja, dass sich das Regime stabilisiert hat.
Fathollah-Nejad: Dass das Regime diesen Krieg überlebt hat, bedeutet nicht unbedingt, dass es stark ist. Wir haben wirklich sehr gravierende strukturelle Krisen, innenpolitische Krisen in Iran. Wir haben eine gravierende Wirtschaftskrise.
Wir haben eine Hyperinflation, die ungefähr 90 Prozent - offiziell wohlgemerkt - erreicht hat. Und es gibt durchaus die Befürchtung innerhalb des Regimes, dass in Zeiten des Friedens wieder all diese Krisen das Regime heimsuchen, dass die Forderungen der Gesellschaft wieder laut werden, dass man Lösungen findet für diese Krisen, wofür das Regime keinerlei Lösungen allerdings hat.
Also gibt es durchaus auch Kräfte innerhalb des Machtapparates in Iran, die nicht unbedingt an einer dauerhaften diplomatischen Lösung mit den USA interessiert sind, die eher weiterhin auf eine konfrontative Haltung setzen.
Das Interview führte Christiane Hoffmann, derzeit Reporterin im ZDF Studio Istanbul.
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