Der Elefant im Schlafzimmer:Wie Bienen in Malawi Mensch und Tier voreinander schützen
von Verena Garrett, Malawi
Elefanten kommen auf der Suche nach Futter bis in die Dörfer. In Malawi setzen Menschen auf Bienen, um die Dickhäuter fernzuhalten und gleichzeitig Geld zu verdienen.
Rund um Malawis Kasungu-Nationalpark halten Bienenstöcke Elefanten von Feldern und Dörfern fern. Ein Training zeigt, wie Familien mit dem Honig zusätzliches Einkommen erzielen.
22.09.2026 | 4:41 minDas Dach musste sie neu decken, die komplette Wand wieder aufbauen. Die Nacht, in der Christine Banda aufwachte und ein Elefant vor ihr stand, wird sie nie vergessen. Er riss die Wand herunter, um den Mais dahinter zu fressen.
Und auf einmal stand er bei uns im Schlafzimmer.
Christine Banda
Christine Banda lebt in einem kleinen Dorf direkt neben dem Kasungu Nationalpark in Malawi - 2.300 Quadratkilometer Wildnis. Immer wieder kommt es hier zu Begegnungen zwischen Menschen und Elefanten. In Kasungu prallen zwei Welten aufeinander: Menschen, die ihre Felder bestellen wollen und Elefanten, die ständig auf der Suche nach Nahrung sind.
Wir nehmen Stöcke und zünden sie an, und wir klopfen auf Töpfe und machen Lärm, um die Elefanten zu verscheuchen.
Christine Banda
Nirgendwo auf der Erde ist die Natur ursprünglicher als in Afrika. Bis heute hat eine unvergleichliche Großtierwelt überlebt, und es gibt noch riesige unberührte Naturlandschaften.
04.06.2023 | 43:28 minSeit ein paar Monaten gibt es einen Zaun, der die Tiere vom Dorf fernhalten soll. Früher, erzählt Christine Banda, hat sie versucht, sich anders zu schützen - mit Bienen: als die Elefantenbesuche häufiger wurden, hängte sie Bienenstöcke in die Bäume.
Bienen als Abschreckung
Elefanten haben empfindliche Haut - besonders um die Augen und am weichen Rüssel. Sie fürchten Bienenstiche und erinnern sich an schmerzhafte Begegnungen.
Die Bienenstöcke hängen an dicken Drähten. Berührt ein Elefant einen Draht, gerät der Stock ins Schwingen und die Bienen werden aufgeschreckt. Elefanten suchen dann meist schnell das Weite. Ganz sicher aber fühlte sich Christine Banda mit dieser Methode allerdings nie.
Bienen sichern nicht nur Ernten durch Bestäubung. In den Mangroven vor Kenias Küste übernehmen sie eine besondere Rolle. Wie ihr Einsatz dort Mensch und Natur gleichermaßen schützt.
20.05.2026 | 3:38 minDie Bienenstöcke hat sie behalten. Denn was einst vor Elefanten schützen sollte, soll jetzt auch Geld bringen: Banda versucht sich als Imkerin. Einen Schutzanzug hat sie nicht.
Ich zünde trockenes Laub an, das ich unter den Bienenstock lege. Sobald Rauch aufsteigt, ziehe ich Plastiktüten über und hole den Honig raus.
Christine Banda
In Singapur hat Clarence Chua in sechs Jahren rund sechs Millionen Bienen gerettet. Statt Nester zu vernichten, siedelt er die Tiere an sichere Orte um.
06.07.2026 | 1:29 minKlimawandel und Wilderei
Viele Familien in der Region leben von der Landwirtschaft - normalerweise. Doch der Regen bleibt aus, die Ernten werden schlechter. Gleichzeitig gibt es in den Dörfern kaum Arbeitsplätze.
Die Menschen sind deshalb auf die Ressourcen des Nationalparks angewiesen. Sie fällen Bäume für Feuerholz und Holzkohle oder wildern Tiere, damit sie und ihre Familien etwas zu essen haben. Für Umwelt- und Tierschutzorganisationen bedeutet das: Wer Mensch und Tier schützen will, muss auch den Menschen eine andere Möglichkeit geben, Geld zu verdienen. "Der Klimawandel hat die Region bereits getroffen", sagt Phillip Namagonya vom Internationalen Tierschutzfonds IFAW. Und weiter: "Sie können nicht mehr genug ernten, um ihre Familien zu ernähren. Vor diesem Hintergrund ist es schwer, mit der Wilderei aufzuhören."
Wir versuchen, Wissen zu vermitteln und sind mit den Menschen hier in Kontakt. Wir versuchen sie zu unterstützen.
Phillip Namagonya, IFAW
Eine dieser Alternativen sind die Bienen.
In Daressalam, Tansania, hat die Chinesin Yang Fenglan den Ruf einer tadellosen Geschäftsfrau. Hinter den Kulissen leitet sie ein riesiges Schmuggel-Netzwerk - und macht Millionen mit Elfenbein.
31.05.2026 | 43:46 minHonig statt schnelles Geld
Wie schützt man einen Bienenstock? Wie schützt man sich selbst vor Stichen? Wie und wann erntet man den Honig, damit möglichst wenig Bienen dabei sterben?
Das bringt Imker Charles Simuhango den Menschen bei. Immer wieder kommt er in diese Gegend Malawis, um entlang des Kasungu- Parks zu schulen. Auch der richtige Umgang mit den Bienen gehört dazu: Schutzkleidung und eine Rauchkanne sollen die Imker vor Stichen schützen. Das Schwierigste für die Allermeisten, sagt er: "Geduld."
Jemand, der es gewohnt ist, durch die Herstellung von Brennholz oder Holzkohle schnelles Geld zu verdienen, hat oft Schwierigkeiten, das Konzept der Imkerei direkt zu verstehen. Es kann etwa ein Jahr dauern, bis man hiermit nennenswerte Gewinne erzielen kann.
Charles Simuhango, Imker
Auch auf der anderen Seite des Zaunes - im Nationalpark - stehen Bienenstöcke. 15 gibt es in der Nähe des Dorfes. Erfahrene Imker aus den Gemeinden dürfen sie kontrollieren und den Honig ernten. Ein Ranger begleitet sie dabei, Schutzkleidung gehört zur Ausstattung.
Das Ziel: hochwertiger Honig, der sich gut verkaufen lässt. Wer mit Bienen Geld verdienen kann, so die Hoffnung, ist weniger auf den schnellen Verdienst durch Wilderei angewiesen. Für Banda hat sich bereits etwas verändert.
Wir können uns jetzt genug zu essen kaufen und wir haben ein paar Hühner - das haben wir den Bienen zu verdanken.
Christine Banda
Ob sich die Imkerei für Christine Banda und die anderen Menschen in den Dörfern beim Kasungu-Nationalpark dauerhaft lohnt, ob sie genug Geduld haben, wird sich erst mit der Zeit zeigen.
In vielen Ländern Afrikas kommt es zu Konflikten zwischen Menschen und Wildtieren. Wenn Dörfer und landwirtschaftliche Flächen wachsen, geraten Menschen und Tiere häufiger in Kontakt. Dürren und andere Folgen des Klimawandels können den Konflikt zusätzlich verschärfen: Auf der Suche nach Wasser und Nahrung verlassen Wildtiere ihre Schutzgebiete und gelangen in besiedelte Gebiete. Elefanten können dabei Felder zerstören oder Häuser beschädigen. Für Menschen kann das gefährlich werden, gleichzeitig sind Wildtiere durch Lebensraumverlust und Wilderei bedroht.
Deshalb gibt es verschiedene Ansätze, um Konflikte zu vermeiden. Zäune oder natürliche Barrieren sollen Tiere von Feldern und Dörfern fernhalten. Manche Projekte setzen auf Frühwarnsysteme, damit Menschen rechtzeitig gewarnt werden, wenn sich Elefanten nähern. Auch neue Einkommensmöglichkeiten spielen eine Rolle: Wenn Menschen mit Landwirtschaft, Imkerei oder Tourismus Geld verdienen können, soll der Druck auf die natürlichen Ressourcen sinken. Ziel ist es, Lösungen zu finden, bei denen sowohl die Menschen als auch die Wildtiere profitieren.
Verena Garrett ist Studioleiterin im ZDF-Studio Johannesburg.
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