Naturgewalten in Südafrika:Nach der Flut: Kruger-Park will klimaresistent werden
von Verena Garrett, Johannesburg
Heftige Überschwemmungen haben Anfang 2026 Teile des Kruger-Nationalparks verwüstet. Straßen wurden unterspült, Camps schwer beschädigt. Der Wiederaufbau wird Jahre dauern.
Heftige Regenfälle setzten im Januar große Teile des Kruger-Nationalparks unter Wasser. Nun ist das Wasser weg – doch die Schäden sind weiterhin massiv.
24.03.2026 | 4:29 minMatratzen, Bettrahmen, Kühlschränke, Stühle - vieles ist zerstört. Auch Wochen nach den schweren Regenfällen sind die Folgen der Fluten noch überall sichtbar. Die Wassermassen, die im Januar durch Südafrikas weltberühmten Kruger Nationalpark strömten, überraschten nicht nur Touristen - sondern auch viele Menschen, die dort arbeiten. Faith Mkonyeni lebt im Mitarbeiterdorf des Camps Satara und arbeitet seit 2009 im Park: "Der Wetterdienst hatte gewarnt und gesagt, dass Regen kommt."
Aber wir ahnten nicht, dass es so viel werden würde, es hat uns alle überrascht.
Faith Mkonyeni, Mitarbeiter Camp Satara
Überraschung trotz Wetterwarnung
Innerhalb weniger Tage fielen bis zu 700 mm Regen. Das sind rund 700 Liter pro Quadratmeter. Eine Menge, die sonst über mehrere Monate verteilt fällt. Im Camp Satara leben rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einfachen Unterkünften. 15 der kleinen Steinhäuser wurden zerstört. "Das Fenster wurde zerdrückt von der Kraft des Wassers", sagt Faith Mkonyeni und zeigt auf zerborstene Scheiben.
Südafrika kämpft mit den Folgen der massiven Überschwemmungen, besonders betroffen ist der Krüger-Nationalpark. Zahlreiche Lodges sind zerstört, Touristen mussten mit Helikoptern gerettet werden.
25.01.2026 | 1:39 minVerwüstung nach den Fluten
Wo normalerweise Touristen auf Safari gehen, haben extreme Regenfälle Anfang des Jahres massive Zerstörungen hinterlassen. Straßen wurden weggespült, Uferbereiche weggerissen. Besonders stark getroffen hat es den nördlichen Teil des Parks. An manchen Stellen hat sich das Wasser regelrecht durch die Landschaft gefressen.
Einige Regionen des Parks sind bis heute nur aus der Luft erreichbar. Ranger und Parkverwaltung nutzen Hubschrauber, um sich ein Bild von den Schäden zu machen.
Der Kruger-Nationalpark ist das älteste und bekannteste Wildschutzgebiet Südafrikas. Er liegt im Nordosten des Landes entlang der Grenzen zu Mosambik und Simbabwe und zählt zu den größten Nationalparks der Welt. Der Park ist ein zentrales Symbol für den Naturschutz in Afrika und ein bedeutendes Ziel für Ökotourismus. Er spielt eine entscheidende Rolle in der Erhaltung bedrohter Arten und der Biodiversität im südlichen Afrika. Der Park ist Teil des grenzüberschreitenden Great Limpopo Transfrontier Parks, der die ökologische Verbindung zu Mosambik und Simbabwe stärkt. Anti-Wilderei-Initiativen, Forschung und nachhaltiger Tourismus sind zentrale Bestandteile des Managements.
Evakuierungen und Tierverluste
Der Dauerregen begann Mitte Januar. Dämme wurden unterspült, Brücken beschädigt oder weggerissen. Michael Paxton arbeitet seit 19 Jahren als Ranger in Südafrikas Nationalparks. Starke Regenfälle hat er oft erlebt. Aber ein Hochwasser wie dieses noch nie. Zeitweise musste ein großer Teil des Parks geschlossen werden. "Das Problem waren die Unmengen an Wasser, die in die Elektrik und in das Wasserversorgungssystem gelangten", sagt Paxton.
Die Sicherheit der Gäste steht an erster Stelle. Dann muss man entscheiden und sagen: Wir schließen die Camps für eine Weile.
Michael Paxton, Ranger Kruger Nationalpark
Die Flüsse traten schneller über die Ufer als erwartet. Rund 600 Menschen mussten per Hubschrauber evakuiert werden. Viele Tiere konnten in höher gelegene Regionen fliehen, nicht alle überlebten.
Wir haben am Fluss einen Büffel gefunden, der von drei Löwen gefressen wurde. So wie er in einigen Bäumen verheddert war, wurde er wahrscheinlich von der starken Strömung mitgerissen. So etwas passiert, das gehört zum Leben.
Michael Paxton, Ranger Kruger Nationalpark
Wie viele Tiere Opfer der Fluten wurden, ist bislang unklar.
In Simbabwe und Mosambik verursachen tagelange Regenfälle heftige Überschwemmungen. Hunderttausende sind auf der Flucht, mindestens 240 sind in den Fluten umgekommen.
21.01.2026 | 1:23 minSchäden in Millionenhöhe
Der Kruger National Park ist rund 20.000 Quadratkilometer groß und größtenteils unerschlossen - nur etwa 4 Prozent sind überhaupt befahrbar. Die finanziellen Schäden sind enorm. Gutachter schätzen die Reparaturkosten auf mehr als 600 Millionen Rand, umgerechnet rund 30 Millionen Euro.
Große Überschwemmungen hat es im Park immer wieder gegeben. Besonders verheerend war die Flut im Jahr 2000: Brücken über den Sabie-Fluss wurden beschädigt, Camps mussten evakuiert werden und viele Straßen waren tagelang unpassierbar. Noch Jahre später waren Veränderungen an Flussufern und Vegetation sichtbar.
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16.02.2026 | 4:43 minCamp Letaba: Alltag noch weit entfernt
Viele der staatlichen Unterkünfte im Park liegen direkt an Flüssen - so auch das Camp Letaba. Hier ist von Normalität noch wenig zu spüren. Bis in Letaba wieder Touristen übernachten können, werden Monate vergehen.
Vor dem Restaurant türmt sich der Unrat. Im Inneren bedeckt eine dicke Schlammschicht den Boden. Nur der Weihnachtsschmuck, der noch von der Decke hängt, ist unversehrt geblieben.
Weltweit dominierten Hitzewellen, Waldbrände, Überschwemmungen und Stürme das Wetter. Insgesamt registrierten Wissenschaftler 157 Extremwetter-Ereignisse – verantwortlich meist: der Klimawandel.
30.12.2025 | 1:23 minAnpassung an extreme Wetterereignisse
Das Parkmanagement plant bereits den Wiederaufbau. "Wir wollen sicherstellen, dass wir mehr in klimaresistente Infrastruktur investieren", sagt Parksprecher JP Louw.
Man kann die Auswirkungen der Natur nie ganz vermeiden - aber man kann versuchen, sie zu minimieren.
JP Louw, Parksprecher
Geplant sind stabilere Gebäude sowie Strom- und Wasserversorgungssysteme, die extremen Wetterbedingungen besser standhalten. Der Wiederaufbau wird noch lange dauern - und im Kruger-Nationalpark bleibt eine Erkenntnis: Die Natur setzt hier immer wieder neue Grenzen.
Verena Garrett ist Studioleiterin im ZDF-Studio Johannesburg
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