Wie KI Elefanten in Afrika schützen kann:Mit Daten und Algorithmen gegen die Elfenbein-Mafia
von Ben Möckl
Im Kampf gegen illegale Elfenbein-Händler setzen afrikanische Behörden auf einen neuen Verbündeten: künstliche Intelligenz. Mit Erfolg.
In Daressalam, Tansania, hat die Chinesin Yang Fenglan den Ruf einer tadellosen Geschäftsfrau. Hinter den Kulissen leitet sie ein riesiges Schmuggel-Netzwerk – und macht Millionen mit Elfenbein.
31.05.2026 | 43:46 min
Im Hafen von Maputo, Mosambik, öffnet die Kriminalpolizei im Frühjahr 2024 einen großen Container. Zielort ist Dubai. Die Ware: Mais. Das steht zumindest in den offiziellen Frachtpapieren. Doch zwischen den Maissäcken entdecken die Behörden 651 Elefantenstoßzähne. Dabei ist der Handel mit Elfenbein streng verboten.
Auf den Stoßzähnen haben die Wilderer handschriftliche Markierungen hinterlassen: Buchstabenkürzel, scheinbar unwichtige Zeichen. Für die Ermittler waren sie ein Glücksfall. Sie wissen: Wilderer verwenden solche Zeichen als Geheimcodes, als würde ein Dieb die Hehlerware unterschreiben und dann weiterverkaufen.
Der Sheldrick Wildlife Trust in Kenia kümmert sich um verwaiste Elefantenbabys. Mima-Reporterin Katja Fuchs durfte exklusiv hinter die Kulissen des Projekts schauen.
15.07.2025 | 4:25 minKI hilft den Fahndern
Fahnder nutzen solche Markierungen auf den Elefanten-Stoßzähnen, um die Informationen zu Lieferungen und Funden zu verknüpfen und um die Schmugglernetzwerke sichtbar zu machen. Und künstliche Intelligenz hilft ihnen dabei. Forscher der University of Michigan haben zuletzt entsprechende KI-Helfer entwickelt.
Der internationale Handel mit Elfenbein ist durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) geregelt. Seit 1989 ist der kommerzielle internationale Handel mit Elfenbein weitgehend verboten. China galt lange als einer der wichtigsten legalen Absatzmärkte. Dort war der Handel mit Elfenbein aus staatlich genehmigten Beständen bis Ende 2017 unter bestimmten Auflagen erlaubt. 2022 verschärfte die EU ihr Verbot für den Handel mit Elfenbein. Ausgenommen davon sind Antiquitäten, die vor 1947 hergestellt wurden, und Musikinstrumente, die vor 1975 hergestellt wurden.
Sie haben im vergangenen Jahr mehr als 6.000 Elfenbein-Fotos von acht großen Polizeirazzien ausgewertet. Dabei haben sie mehr als 17.000 Signaturen auf den Stoßzähnen gefunden. KI-Tools zur Handschriftanalyse lieferten den Forschern dann überraschende Ergebnisse.
Über die Handschrift zu den Strippenziehern
Die Forscher haben herausgefunden, dass zahlreiche Stoßzähne auf dieselben Zwischenhändler zurückzuführen sind. Es sind Netzwerkstrukturen, die zuvor nicht erkennbar waren. Die neue Technologie ist "eine skalierbare und kostengünstige Quelle für forensische Beweise", schreiben die Forscher der Universität Michigan. Die neue KI-Methode könnte ein Vorteil für die Behörden im Kampf gegen den Elfenbeinschmuggel sein.
Tausende Menschen sterben jährlich in Kenia durch Bisse von Giftschlangen – die Gefahr ist real. Betroffene wählen zwischen traditioneller Heilkunst und moderner Medizin.
23.04.2026 | 3:36 minModerne Technologie in den Nationalparks
Auch für die Ranger in den Nationalparks südlich der Sahara gilt das. Jahrelang haben die Wildhüter auf ihre Erfahrung und ihren Spürsinn vertraut und bekannte Schmuggelrouten überwacht. Nun gibt es beispielsweise das KI-System "Earth Ranger", das Daten von GPS-Trackern, Überwachungskameras, akustischen Sensoren und Drohnen in Echtzeit verarbeitet.
Darauf aufbauend entsteht eine interaktive Karte. Sie zeigt Ranger-Einheiten, Tiere, Fahrzeuge und Infrastruktur. Das System erkennt verdächtige Aktivitäten, wie beispielsweise ungewöhnliche Bewegungsmuster der überwachten Tiere, und schickt gezielt Ranger-Trupps in das Gebiet.
Ranger stehen an vorderster Front und riskieren oft ihr Leben, um die Natur zu schützen, die sich selbst nicht schützen kann.
Edwin Nderitu, Lewa Wildlife Conservancy
Moderne Technologien kommen zunehmend in den verschiedenen Regionen Afrikas zum Einsatz. Vor allem im südlichen Teil und in Ostafrika. So hat der "Kenya Wildlife Service" (KWS) im März angekündigt, KI-Lösungen künftig flächendeckend in allen Schutzflächen Kenias einsetzen zu wollen. "Die Wilderer nutzen Fahrzeuge und moderne Technologie, deshalb müssen auch wir als Ranger nachziehen", sagte Edwin Nderitu, der Leiter der Anti-Wilderei-Einheit im Lewa Wildlife Conservancy.
Wilderer-Netzwerke sind streng hierarchisch aufgebaut. Auf der untersten Ebene stehen die eigentlichen Wilderer, also diejenigen, die mit einem Team im Busch übernachten und die Elefanten schießen. Sie verkaufen das Elfenbein an Zwischenhändler. Schmuggler verstecken die Ware zwischen Lebensmitteln in Containern. Über den Seeweg landet sie schließlich in den Häfen von Vietnam oder China.
Kampf gegen Wilderei ist schlecht finanziert
Das Land bekommt finanzielle Unterstützung von ausländischen Organisationen. Solche Zuwendungen sind für viele Länder in der Region unerlässlich, um es mit den Wilderern aufzunehmen. Denn eine Hürde bleibt: "Das Hauptproblem im Kampf gegen Wilderei sind fehlende finanzielle Mittel", sagt Daniel Stiles, seit vielen Jahren Ermittler gegen Wildtierkriminalität.
Vor 17 Jahren verließ Claudia Schnell ihre Heimat Deutschland und zog nach Südafrika um dort als Rangerin zu arbeiten. 2011 gründete die Auswanderin sogar ihr eigenes Safari-Unternehmen.
06.08.2025 | 10:34 minDie Behörden müssen Fahrzeuge und Treibstoff finanzieren. KI-Systeme sollen auch hier langfristig Geld sparen. Durch schnelle und gezielte Einsätze lassen sich Treibstoffkosten reduzieren, während die zentrale Bündelung von Daten Arbeitszeit spart.
Künstliche Intelligenz macht das Vorgehen schon jetzt schneller, sicherer und effektiver. Die Hoffnung ist, dass sie künftig in mehr Ländern in Afrika umfassend zur Anwendung kommt.
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