Die Stunde des Drachens:Wie "Made in China" Europas Wirtschaft bedroht
von Julia Rech und Ulf Röller
Das Handelsdefizit der EU mit China wächst. Europa will sich wehren, Peking droht. Die Sorge vor einem Handelskonflikt wächst, während Chinas Handelsminister Brüssel besucht.
Die EU wirft China unfaire Subventionen vor. Brüssel reagiert mit neuen Zöllen und Einfuhrregeln. Peking droht mit Gegenmaßnahmen, was den Handelskonflikt zwischen beiden Seiten weiter verschärft.
29.06.2026 | 2:15 minAm 1. Juli 2021 tritt Chinas Präsident Xi Jinping auf dem Balkon des Tian'anmen-Tores über dem großen Porträt des Revolutionärs Mao Tsetung auf. Gekleidet im Mao-Anzug hat er eine Botschaft an die Welt: Das chinesische Volk werde ausländischen Kräften niemals erlauben, es "zu schikanieren, zu unterdrücken und zu unterjochen", sagt Xi. Jeder, der dies versuche, "wird sich auf einem Kollisionskurs mit einer großen Mauer aus Stahl finden, die 1,4 Milliarden Chinesen geschmiedet haben".
Beim EU-Gipfel in Brüssel ging es auch um die Handelsbeziehungen zu China. ZDF-Korrespondent Ulf Röller berichtet über mögliche Reaktionen auf die "Überflutung" Europas mit chinesischen Produkten.
19.06.2026 | 1:12 minChinas Erfolg, Europas Klagen
Der Drache zeigt Zähne. Der Auftritt ist fünf Jahre her. Seitdem ist China noch selbstbewusster, wirtschaftlich aggressiver und erfolgreicher. Das Handelsdefizit der EU-Staaten mit China wächst derzeit rasant - allein 2025 um 15 Prozent auf mehr als 360 Milliarden Euro. Europa fürchtet, von der chinesischen Wirtschaftsmacht verschluckt zu werden und klagt immer lauter über unfaire Wettbewerbsbedingungen.
China subventioniert Schlüsseltechnologien, beschränkt seinen Markt und verschafft sich so Vorteile gegenüber europäischen Herstellern. Es muss etwas passieren, da sind sich alle einig in der EU. Schon lange. Europa muss sich wehren, nur wie? Vieles wird in Brüssel diskutiert: Strafzölle, Zugangsbeschränkungen für den europäischen Markt, Handelsblockaden.
Von E-Autos bis Stahl: China dominiert zentrale Branchen - auch durch staatliche Hilfe und niedrige Preise. Für deutsche Unternehmen wächst der Druck.
26.05.2026 | 1:52 minWarum Europa keinen Handelskrieg riskieren möchte
Der Einsatz ist hoch. Denn China ist ein mächtiger Gegner und wird zurückschlagen. Es hat fast ein Monopol bei Seltenen Erden, die zum Beispiel für Handys und Elektroautos gebraucht werden. Experten wie Sebastian Heilmann von der Universität Trier sprechen von der Eskalationsdominanz Chinas. "Es ist so, dass wir zwar Maßnahmen in der EU sehen und Instrumente, die da angewendet werden können. Sie wirken aber langsamer und weniger schmerzhaft als das, was China ins Feld führen kann", sagt er.
Insofern ist es nicht unwahrscheinlich, dass dieser Handelskrieg tatsächlich zugunsten Chinas ausginge.
Sebastian Heilmann, Sinologe
Einen Handelskrieg will deshalb keiner in Europa. Auf dem letzten EU-Gipfel sprachen die Regierungschefs in ihrer Schlusserklärung nur davon, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. China wird mit keinem Wort erwähnt, so vorsichtig ist man, den Drachen nicht zu wecken. Aber zumindest hat die EU-Kommission von den Regierungschefs den Auftrag bekommen, über Maßnahmen und Instrumente nachzudenken, um auf Chinas unfairen Wettbewerb zu reagieren.
Die EU setzt auf Dialog
Einigkeit über die richtige Reaktion gibt es nicht in der EU. Deutschland, das besonders stark von einem Handelskrieg mit China betroffen wäre, setzt auf Dialog und freundlichen Druck, will eine Eskalation vermeiden. Frankreich ist der Wortführer von Ländern, die eine härtere Gangart fordern. "Buy European" ist der Slogan, den der französische Präsident Emmanuel Macron immer wieder betont.
Ist die deutsche Industrie von einem sogenannten "China-Schock" bedroht? Wie kann sie gegen günstige Exporte geschützt werden? "WISO - Wirtschaft erklärt" mit ZDF-Wirtschaftsexpertin Valerie Haller.
24.02.2026 | 8:46 minEuropa muss wettbewerbsfähiger werden und unabhängiger von China. Auf diese Überschriften können sich alle einigen. Aber dies ist ein Prozess, der lange dauert und nicht ganz schmerzfrei sein wird.
Das wird deutlich, wenn man mit André Tünkers spricht, einem klassischen Mittelständler aus Ratingen, der China als Absatz-Markt braucht, um die heimischen Arbeitsplätze zu sichern. Seine Firma stellt automatisierte Anlagentechnik für Industrieroboter her.
Start-ups wie Formove und SynthesEyes treiben KI und Robotik in Deutschland voran, gefördert durch Initiativen wie "robo.innovate". Trotz Rückstands zu den USA und China wächst die Branche.
16.04.2026 | 2:40 min"Ohne China-Geschäft gäbe es uns nicht mehr", so sein deutliches Fazit. Das Treffen des chinesischen Handelsministers mit dem europäischen EU-Handelskommissar heute in Brüssel ändert an der Tatsache nichts. Europa wirkt in der Falle. Tut es nichts, wächst das Handelsdefizit mit China. Wehrt es sich, droht ein Handelskrieg, der auch Europas Wohlstand gefährdet. Europa hat noch keine Antwort auf dieses Dilemma.
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