Streitthemen beim EU-Gipfel: Vom Geld bis zur Ukraine

Analyse

Darüber wird in Brüssel gerungen:Streitthemen beim EU-Gipfel: Vom Geld bis zur Ukraine

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von Jenifer Girke, Brüssel

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Geld - ein unbeliebtes Gesprächsthema, auch in der Politik. Beim EU-Gipfel wird über ein billionenschweres Budget gestritten. Und darüber, wer mit Moskau verhandeln darf.

Vertreterinnen und Vertreter des EU-Gipfels im Gesprächssaal

An diesem EU-Gipfel nimmt erstmals Premier Magyar teil. Eröffnen sich neue Wege durch die fehlende Blockade-Haltung Ungarns, etwa für Sanktionen gegen Russland wegen des Ukraine-Kriegs?

19.06.2026 | 1:53 min

Roter Teppich, Handshaking, Familienfotos: Die Elemente des EU-Gipfels wirken harmonisch. Doch hinter den Symbolbildern wird ordentlich gestritten - und zwar ums Geld.

Die zyprische Ratspräsidentschaft hat einen Budgetvorschlag über rund zwei Billionen Euro auf den Tisch gelegt, das sind zweitausend Milliarden - in Ziffern: 2.000.000.000.000 Euro. Sehr viele Nullen, sehr viel Geld - zu viel, sagen einige EU-Regierungschefs, darunter Bundeskanzler Friedrich Merz.

Weiterer Streitpunkt: Welche Rolle nimmt die EU bei möglichen Friedensverhandlungen zwischen der Ukraine und Russland ein? Ratspräsident António Costa nahm überraschend Kontakt zu Moskau auf - Vermittlerstaaten wie Deutschland oder Frankreich waren alles andere als erfreut.

Streit um billionenschweren EU-Haushalt

Man kennt es aus Deutschland: Debatten um den Bundeshaushalt sind hitzig und unangenehm. Ganz ähnlich in Brüssel. Zwei Fronten stehen sich gegenüber: die Modernisierer und die sogenannten "Friends of Cohesion", zu Deutsch Freunde der Kohäsion.

Erstere sind meist reichere EU-Länder, darunter Deutschland - bekannt als "die Sparer", die den Haushalt modernisieren, insgesamt nach unten bringen und sich auf Bereiche wie Innovation und Sicherheit konzentrieren wollen.

ZDF-Korrespondentin Isabelle Schaefers ist in Brüssel zu sehen.

Auf dem EU-Gipfel in Brüssel sprechen die Staats- und Regierungschefs unter anderem über das Abkommen zum Ende des Iran-Krieges. ZDF-Korrespondentin Isabelle Schaefers berichtet.

18.06.2026 | 1:12 min


Zweitere sind eher ärmere bzw. weniger entwickelte EU-Länder wie Rumänien oder Bulgarien, die für den Erhalt oder Ausbau der EU-Fördergelder plädieren. Die Friends of Cohesion wollen eine Angleichung von Lebensverhältnissen in der EU.

Merz: "Die Zahlen müssen runter"

Bundeskanzler Merz ist bislang nicht als großer Sparer im eigenen Land bekannt, die Schuldenbremse hat er unter seiner Kanzlerschaft aufgehoben. Doch gespart werden muss momentan überall, also auch in der EU. Merz sagt dazu in Brüssel:

"Die Zahlen müssen runter, und wir müssen uns über die Einnahmen der EU unterhalten." Und weiter:

Denn wir können nur so viel Geld ausgeben, wie wir auch haben.

Bundeskanzler Friedrich Merz

Zwar geht es um das Budget ab 2028, doch der Wunsch der EU-Staaten ist es, bereits bis Ende dieses Jahres zu einem Ergebnis zu kommen. Denn nächstes Jahr stehen in vier der Mitgliedsländer Wahlen an, darunter Frankreich und Italien. Und Wahlkämpfe eignen sich nie gut, um über Geld für Europa zu reden.

Ratspräsident nimmt Kontakt zu Moskau auf

Die überraschende Kontaktaufnahme zu Russland machte am ersten Tag des Gipfels die Runde: Unabgesprochen hatte das Büro von Ratspräsident António Costa Kontakt zu Moskau aufgenommen, für den Fall, dass es zu Verhandlungen komme. Dafür erntete es viel Kopfschütteln und Verärgerung.

Der französische Präsident Emmanuel Macron (mittig) unterhält sich während des Gipfeltreffens des Europäischen Rates im Rat der Europäischen Union mit anderen Konferenzteilnehmern am 19.06.2026.

Beim Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs sorgt eine brisante Nachricht für Unruhe: Ratspräsident Costa soll unabgesprochen Kontakt zu Russland aufgenommen haben.

19.06.2026 | 2:02 min

Auf dem EU-Gipfel erinnerten einige Regierungschefs Costa daran, dass er dafür überhaupt kein Mandat habe. Besonders Länder des E3-Formats fühlten sich vor den Kopf gestoßen - "ein Affront" hieß es aus deutschen Regierungskreisen.

Merz rügt Costa: "Eins nach dem anderen"

Auf der Abschlusskonferenz des EU-Gipfels sagte Merz, es sei jetzt noch nicht zu entscheiden, wer bei Verhandlungen für Europa spreche. "Erst müssen wir in der Sache einig sein, dann klären wir die Formate. Eins nach dem anderen", so der Kanzler.

Auch andere äußerten sich erzürnt: "Es gibt doch überhaupt kein Anzeichen heute dafür, dass Russland verhandeln will", so der lettische Ministerpräsident.

Also ist es sinnlos, diplomatische Kanäle zu eröffnen, wenn es nichts zu besprechen gibt.

Andris Kulbergs, Ministerpräsident Lettland

Eines zeigt diese Debatte einmal mehr: Wenn es etwas zu besprechen geben wird und die EU mitreden darf, hat sie noch keine Ahnung, wen sie an den Verhandlungstisch schicken soll.

Wie umgehen mit dem China-Schock?

Mehr Einigkeit gibt es beim Thema China. Europa spürt immer deutlicher den China-Schock: Billigprodukte fluten den europäischen Markt - immer stärker auch in Schlüsselbranchen wie der Autoindustrie.

Die EU importiert deutlich mehr Waren aus China, als sie dorthin exportiert, was zu einem erheblichen europäischen Handelsbilanzdefizit führt. Wie damit umgehen - das wird auf dem EU-Gipfel besprochen.

Ulf Röller berichtet aus Brüssel.

Beim EU-Gipfel in Brüssel geht es auch um die Handelsbeziehungen zu China. ZDF-Korrespondent Ulf Röller berichtet über mögliche Reaktionen auf die "Überflutung" Europas mit chinesischen Produkten.

19.06.2026 | 1:12 min

Man will den Spagat schaffen zwischen gutem Handel mit China und der Stärkung eigener Produktionen. Dafür habe die Kommission ein Mandat, "hier einen Werkzeugkasten, eine Toolbox zu befüllen", sagt Österreichs Bundeskanzler. Man wolle im Dialog mit China bleiben. Und:

Wir wollen klarmachen, dass die Schieflage in der Handelsbilanz so nicht akzeptabel ist.

Christian Stocker, Bundeskanzler Österreich

Haushalt, Friedensverhandlungen, China-Politik - der Gipfel bringt viele Themen einer klassischen EU-Disziplin zusammen: der bekannte Drahtseilakt.

Jenifer Girke ist Reporterin im ZDF-Landesstudio Nordrhein-Westfalen, derzeit im Studio Brüssel

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Über dieses Thema berichtete das ZDF im Beitrag "EU: Abstimmung neuer Russland-Sanktionen" am 19.06.2026 um 16 Uhr.

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