Digitaler Euro: Europas Zahlungsverkehr soll unabhängiger werden

Virtuelle Währung für EU-Zahlungsverkehr:Digitaler Euro soll Bargeld ergänzen und Europa stärken

von Alexander Tieg

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Der digitale Euro soll fast so anonym sein wie Bargeld, sicherer als Bitcoin, so bequem wie Kartenzahlung - und Europa unabhängiger machen von US-Bezahldiensten. Kann das klappen?

ZDF-Moderator hält ein Bündel Geldscheine in der Hand vor einem Graphik-Hintergrund mit der Skyline von Frankfurt

Münzen und Scheine werden immer seltener genutzt, digitales Bezahlen boomt. Hat Bargeld ausgedient? Was für und was gegen eine Abschaffung spricht. Und welche Pläne die Zentralbanken haben.

12.06.2026 | 17:00 min

Die Europäische Union (EU) plant in den kommenden Jahren die Einführung einer virtuellen Alternative zu Münzen und Scheinen: Der digitale Euro soll als Ergänzung zum Bargeld die Gemeinschaftswährung zukunftsfähig machen und die europäische Abhängigkeit von US-Bezahldiensten beim digitalen Zahlen reduzieren.

Die Idee: Zentralbankgeld in digitaler Form, gekoppelt an den physischen Euro. Anders als dezentrale Kryptowährungen, die nicht an staatliche Institutionen gebunden sind, ist der digitale Euro sicherer.

Digitale Bezahlung stärkt nicht-europäische Systeme

Bislang erstreckt sich die US-Dominanz von Kreditkartensystemen über Wallets bis hin zu den technologischen Standards auf nahezu alle Bereiche. Nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) laufen in 13 der 21 Euro-Staaten fast alle Kartenzahlungen über internationale Systeme. Allein Visa und Mastercard machen demnach in der Eurozone mehr als 60 Prozent aller Kartenzahlungen aus.

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"Der Trend zum digitalen Bezahlen stärkt die außereuropäischen Platzhirsche wie Mastercard, Visa und PayPal weiter", sagte Bundesbankpräsident Joachim Nagel im Mai in einer Rede in Frankfurt. Doch Europa dürfe im Zahlungsverkehr nicht nur Beifahrer sein, so Nagel. Er fordert:

Europa muss mit am Steuer sitzen.

Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank

Digitales Bargeld für das Smartphone

Man muss sich den digitalen Euro vereinfacht vorstellen wie Bargeld fürs Smartphone. Gespeichert werden soll er in einer digitalen Geldbörse, einem Wallet. Guthaben würde laut EZB über ein verknüpftes Referenzkonto aufgeladen, anschließend könnte damit gezahlt werden. Grundfunktionen sollen für Privatpersonen gebührenfrei sein; die Transaktionskosten für den Handel sollen für kleinere Unternehmen geringer sein als bei Debit- oder Kreditkartenzahlungen.

Schleswig-Holstein, Flensburg: ILLUSTRATION - In einem Supermarkt hebt eine Kundin beim Bezahlen auch gleich Bargeld ab.

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Und auch Menschen ohne klassisches Bankkonto sollen mit dem digitalen Euro zahlen können. Denkbar wären eine physische Wallet-Karte, eine Art Geldkarte also. Oder eine App, die nicht an ein Konto gebunden wäre und die Nutzung nach dem Aufladen mit Bargeld - etwa an Automaten oder in Postfilialen - ermöglichen würde.

Viele Verbände und Interessensvertretungen unterstützen die Einführung des digitalen Euro, dringen jedoch auf Nachbesserungen. So erachtet der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbz) ein dichtes Netz an öffentlichen Ausgabestellen sowie klare Pflichten bei der Unterstützung von Menschen mit Einschränkungen für notwendig.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) forderte transaktionsbasierte Gebühren von maximal vier Cent statt prozentualer Entgelte und lehnte eine generelle Akzeptanzpflicht ab, bis die Kostenstruktur effizient gestaltet sei. In den Verhandlungen einigte man sich am 4. Juni auf ein Gebührenmodell, bei dem größere Händler nicht mehr zahlen als bisher und kleinere sogar durch geringere Gebühren entlastet werden.


Annahmepflicht im gesamten Euroraum

Wie Bargeld soll der digitale Euro den Status eines gesetzlichen Zahlungsmittels haben: Händlerinnen und Händler im Euroraum sollen ihn bis auf wenige Ausnahmen annehmen müssen, Banken ihn ihren Kundinnen und Kunden bereitstellen. Gezahlt werden könnte damit in Onlineshops, in Geschäften und zwischen Personen.

Geplant ist zudem eine Offline-Funktion, die Zahlungen auch ohne Internetverbindung ermöglicht. Persönliche Transaktionsdetails wären laut EZB dann auch nur zwei Personen bekannt: der Person, die zahlt, und der, die das Geld erhält. Diese Zahlvorgänge wären demnach so gut geschützt wie beim Bezahlen mit Bargeld.

Hierbei soll jedoch eine Obergrenze gelten, die derzeit verhandelt wird. Die Offline-Funktion bleibt zunächst auf den Nahbereich beschränkt, Überweisungen für den Distanzbereich sollen zuerst einer Risikobewertung der europäischen Anti-Geldwäsche-Behörde unterzogen werden.

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Einführung kostet Milliarden

Die eigenen Kosten für die Einführung des digitalen Euro schätzt die EZB auf etwa 1,3 Milliarden Euro, die jährlichen Betriebskosten sollen bei rund 320 Millionen Euro liegen. Die Implementierungskosten für die Geldinstitute belaufen sich laut EZB auf vier bis sechs Milliarden Euro.

Die Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) beziffert die Kosten für die europäischen Banken in einer Untersuchung im Auftrag der Europäischen Kreditverbände indes auf 18 bis 30 Milliarden Euro. Die Hauptkostentreiber laut PwC-Studie: Anpassung von Banking-Apps und Online-Banking-Plattformen, physische Guthabenkarten sowie Bezahlterminals im Handel. Allein die Kosten für die Anpassung der Geldautomaten-Infrastruktur beliefen sich demnach auf durchschnittlich neun Millionen Euro pro Bank.

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Ausgabe für 2029 geplant

Dass der digitale Euro das Potenzial hat, die europäische Souveränität beim digitalen Bezahlen zu stärken, darin sind sich nahezu alle einig. Wie genau die Digitalwährung aber umgesetzt und dann genutzt werden kann, ist derzeit noch offen. Nach aktuellem Plan will die EU in diesem Jahr ein Gesetz beschließen, das dies regelt. Für 2027 ist eine Pilotphase geplant, von 2029 an soll der digitale Euro ausgegeben werden.

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