35 Jahre Nachbarschaftsabkommen:Warum Deutschland und Polen näher zusammenrücken wollen
Deutschland und Polen sind gute Nachbarn - der Handel brummt, die militärische Zusammenarbeit wird immer wichtiger. Bei einigen Punkten hakt es aber auch noch etwas.
An der Willy-Brandt-Schule in Warschau werden deutsche und polnische Schüler gemeinsam unterrichtet. Welche Erfahrungen haben Schüler der 10. Klasse mit der deutsch-polnischen Nachbarschaft?
17.06.2026 | 2:12 minDeutschland und Polen wollen ihre seit Jahrzehnten bewährte Partnerschaft weiter vertiefen. Das erklärten die Außenminister Johann Wadephul und Radoslaw Sikorski gemeinsam beim Deutsch-Polnischen Forum in Berlin. Die Veranstaltung mit etwa 700 Teilnehmern fand am 35. Jahrestag der Unterzeichnung des bilateralen Freundschaftsvertrages von 1991 statt.
Deutschland und Polen als "Rückgrat europäischer Verteidigung"
"Im Bewusstsein der tragischen Geschichte des 20. Jahrhunderts tragen wir eine besondere Verantwortung für unsere Region und unseren Kontinent - als Verbündete in der Nato und Partner in der Europäischen Union", erklärten die Minister. Die grenzüberschreitende Infrastruktur und Verkehrsverbindungen sollten ausgebaut werden. Das helfe den persönlichen Kontakten und der Wirtschaft, es stärke im Gefahrenfall aber auch die Verteidigung.
"Zusammen bilden Deutschland und Polen das Rückgrat der europäischen Verteidigung und der Abschreckung der Nato gegen die russische Bedrohung", sagte Wadephul in seiner Rede. "Wer also in deutsch-polnische Schienen investiert, der investiert in Freundschaft und Verteidigung zugleich."
Moderne digitale Infrastruktur, hohes Ausbildungsniveau und hohe Kaufkraft: Polens Wirtschaft wächst stabil. Das Land hat die EU-Fördermilliarden geschickt eingesetzt und investiert weiter.
12.03.2026 | 2:10 minForderung nach Schnellfahrstrecke Berlin-Warschau
Beide Außenminister forderten eine engere Anbindung beider Länder im Verkehrsbereich. Zwischen den Hauptstädten Warschau und Berlin müsse eine "echte Schnellfahrstrecke" für die Bahn errichtet werden, sagte Wadephul. Der Ausbau der Infrastruktur habe auch militärische Bedeutung, betonte er.
Sein Kollege Sikorski hatte sich enttäuscht gezeigt vom Zustand des grenzüberschreitenden Verkehrs. Hier gebe es "beunruhigende Mängel", die Schienenverbindungen seien unzureichend. "In den letzten 30 Jahren wurde nur eine einzige Brücke erbaut, obwohl unsere Grenze täglich Waren im Wert von 500 Millionen Euro passieren", sagte Sikorski in seiner Rede auf dem Forum.
Nach Deutschland kontrolliert nun auch Polen wieder an der Grenze. Was bedeutet das für den Alltag in der Grenzregion?
07.07.2025 | 5:05 minDeutschland gibt geraubte Kulturgüter zurück
Im Rahmen der Veranstaltung hat Deutschland auch mehrere Kulturgüter an Polen zurückgegeben, die während der deutschen Besatzung Polens im Zweiten Weltkrieg geraubt worden waren.
Außenminister Wadephul wertete die Rückgabe als "Ausdruck von gegenseitigem Respekt, bleibender deutscher Verantwortung und unserer vertrauensvollen Partnerschaft". Sie stärke "die festen Bande zwischen unseren Ländern weiter". Zu den zurückgegebenen Kulturgütern zählt auch ein mittelalterliches Manuskript mit einem Fragment der Hymne "Gaude Mater Polonia" aus dem späten 14. Jahrhundert.
ZDF-Korrespondent Anselm Stern berichtet aus Warschau: Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) besucht Polen mit dem Ziel, Europa unabhängiger zu machen von den USA oder China.
02.02.2026 | 0:33 minVerteidigungsminister unterzeichnen Abkommen in Warschau
Um die militärische Zusammenarbeit zu vertiefen, will Verteidigungsminister Boris Pistorius in Warschau ein Abkommen mit seinem polnischen Kollegen Wladyslaw Kosiniak-Kamysz unterzeichnen. Dieses betont nach Angaben der Bundesregierung die Einbettung beider Länder in Nato und EU und bekräftigt die Verpflichtung zum gegenseitigen Beistand. Polen und Deutschland wollen auch bei der Entwicklung militärischer Fähigkeiten und in der Rüstungsindustrie enger zusammenarbeiten.
Zudem soll es gemeinsame Übungen geben. Nach Angaben der polnischen Nachrichtenagentur PAP geht die Vereinbarung der Ministerien aber nicht so weit wie die Abkommen mit Frankreich und Großbritannien mit Beistandsregeln über den EU- und Nato-Rahmen hinaus. Die polnische Regierung habe damit vermeiden wollen, dass der rechtskonservative Präsident Karol Nawrocki ein Veto dagegen einlege.
Am Holocaust-Gedenktag gedenkt man in Auschwitz den Opfern der deutschen Gräueltaten mit dem „Marsch der Lebenden“, angeführt von den Staatspräsidenten Polens und Israels.
24.04.2025 | 2:03 minPolen erneuert Forderung nach rascher Entschädigung von NS-Opfern
Warschau bekräftigte allerdings auch seine Forderung nach rascher Entschädigung der wenigen noch lebenden Opfer der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Polen erwarte eine "Wiedergutmachung im moralischen Sinne und auch im materiellen Sinne", sagte Außenminister Sikorski. "Die Bundesrepublik Deutschland sollte das ernst nehmen und sollte diese Herausforderung wirklich schnell angehen."
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