Phoebe Gaa zu Iran: "Menschen wünschen sich Hilfe von außen"

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Wie sehen Teheraner möglichen US-Eingriff?:Phoebe Gaa in Iran: "Menschen wünschen Hilfe von außen"

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Greift das US-Militär in Iran ein? Die Welt blickt auf Donald Trump. Aus Teheran berichtet ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa als eine der wenigen westlichen Journalisten im Land.

Bild von ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa berichtet aus Teheran, Iran.

Viele Menschen in Iran wünschen sich Hilfe von außen, aber nicht unbedingt als Militärschlag, berichtet ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa aus Teheran.

16.01.2026 | 7:26 min

ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa ist eine der wenigen westlichen Journalisten, die momentan in Iran selbst noch vor Ort sind. Nach mehreren Tagen ohne Internet berichtet sie ZDFheute live-Moderatorin Sara Bildau am Telefon, wie das journalistische Arbeiten vor Ort überhaupt noch funktioniert - und was die Menschen in Teheran bewegt.

Das sagt Phoebe Gaa ...

... über ihre Arbeitssituation

In Iran sei "immer noch das Internet blockiert, vor allem das internationale Internet. Man kann jetzt 'Domestic'-Seiten aufrufen, aber nicht auf das weltweite Netz zugreifen", berichtet Phoebe Gaa. "Ich habe ab und zu punktuell Zugriff auf das Internet, aber eben leider jetzt zum Beispiel nicht zu der Zeit, zu der wir miteinander sprechen wollen. Deswegen melde ich mich von meinem iranischen Telefon aus. Auch das hat seine Tücken: Es ist zum Beispiel so, dass ich ins Ausland telefonieren kann oder Iraner können ins Ausland telefonieren von ihren Telefonen aus."

Aber Sie können nicht angerufen werden und das ist etwas, was sehr viele Familien hier sehr beschäftigt, weil viele Exil-Iranerinnen und Iraner auch jetzt sicherlich gerade sehr schwere Tage durchmachen, weil sie vielleicht eben nicht nachhören können, wie es ihren Familien hier vor Ort geht.

Phoebe Gaa, ZDF-Korrespondentin Teheran

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Und ansonsten seien sie und ihr Team "auch auf ganz klassische Formen der Recherche dadurch angewiesen, da das Internet ja eben nicht funktioniert und die Seiten, die man aufrufen kann oder die Chatprogramme, die man jetzt im iranischen Netz nutzen kann, die auch anfällig sind, sage ich mal, für Überwachung".

Daher versuchen wir einfach ganz viel direkt mit Menschen ins Gespräch zu kommen und sozusagen so an Geschichten ranzukommen, an Erlebnisse - und uns ein Bild zu machen. 

Phoebe Gaa, ZDF-Korrespondentin Teheran

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... über die aktuelle Lage in der Hauptstadt Teheran

Die Stadt wirke "eigentlich sehr ruhig". Die Präsenz der Sicherheitskräfte habe jetzt deutlich abgenommen. "Das war im Verlauf der letzten Woche deutlich mehr." Aber das, berichtet Gaa weiter, "ist eben eine oberflächliche Ruhe. Und sobald man anfängt mit den Leuten zu sprechen, merkt man, wie sehr die natürlich bewegt sind von der Situation, in der sich ihr Land gerade befindet".

Es ist uns jetzt auch echt ein paar Mal passiert, dass die Menschen direkt angefangen haben zu weinen, aus Angst, aus Verzweiflung, aus Hoffnungslosigkeit, auch weil sie eben der Meinung sind in einem Land sich zu befinden, in dem Veränderungen eigentlich kaum möglich sind.

Phoebe Gaa, ZDF-Korrespondentin Teheran

Man höre auch immer wieder von Leuten, dass - auch wenn im Moment keine großen Proteste stattfänden - dass sie der Meinung sind, dass diese Bewegungen aber weitergehen werden.

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... über Menschen, die verhaftet wurden

Es sei "wahnsinnig schwer, hier vor Ort verlässliche Informationen über den Verbleib der verhafteten Menschen zu bekommen". Von offizieller Seite werde zwar gesagt oder es habe ja "diese Aussage vom Chef der obersten Justizbehörde" gegeben, "dass die Verfahren im Eilverfahren stattfinden sollen und das eben die Leute, die bewaffnet an den Protesten teilgenommen haben, dann auch als Gegner Gottes verurteilt werden sollen". Aber diese Aussage sei schon ein paar Tage alt und "seitdem hat sich eigentlich kein Offizieller mehr zu dem Thema zumindest an das heimische Publikum gewendet".

Vor Gefängnissen zu drehen, zum Beispiel, um sich selber ein Bild machen zu können, das sei schon unter normalen Umständen so gut wie unmöglich in Iran, so Gaa. "Und insofern können wir uns da jetzt auch nicht wirklich ein Bild machen."

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... über die mögliche Schwächung des Regimes durch die Proteste

Es gebe, sagt die Journalistin, eine wahnsinnig hohe Zahl von Menschen in Iran, "die haben einfach erlebt, wie ihre Führung bei vergangenen Protestbewegungen vorgegangen ist, mit welcher Brutalität und mit welchem harten Durchgreifen".

Iran habe im vergangenen Jahr - laut Amnesty International - über 1.000 Menschen hingerichtet. Jeder wisse, dass das zu den Werkzeugen der iranischen Führung gehöre und dass das auch zur Abschreckung genutzt werde.

SGS-Gaa-Sievers
Quelle: zdf

Phoebe Gaa ist derzeit eine von ganz wenigen westlichen Korrespondentinnen und Korrespondenten im Land. Am Dienstag, 13. Januar, konnte sie den Kontakt zum Sender via Mobilfunknetz (GSM) wiederherstellen. Normalerweise stattet das ZDF seine Korrespondenten in Krisengebieten mit Satellitentelefonen aus. In Iran ist das verboten.

Inzwischen zeichnet das ZDF in gewissen Zeitfenstern Telefongespräche mit Gaa zur Einschätzung der Lage vor Ort auf. Live-Gespräche sind immer noch sehr unsicher, auch die Qualität ist schlecht. Seit dem 14. Januar kann sie nur eingeschränkt und ortsgebunden das Internet nutzen.


... über die Hoffnung der Menschen auf Hilfe aus den USA - und die Angst davor

Das ist etwas, so Phoebe Gaa, das sie bei früheren Protestbewegungen nicht so wahrgenommen habe, aber diesmal gebe es Menschen, die sich Hilfe von außen herbeiwünschten. Diese müsse natürlich nicht unbedingt ein Militärschlag sein.

Aber irgendeine Form von Unterstützung wünschen sich die Menschen hier schon, weil sie eben auch der Meinung sind, dass es mit Straßenprotesten alleine schwer dazu kommen wird, dass sich wirklich fundamental was verändern kann im Land.

Phoebe Gaa, ZDF-Korrespondentin, Teheran

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"Aber es gibt dann eben auch die große Angst davor, was ein wirklicher Militärschlag bedeuten würde", so Gaa. Während des Zwölf-Tage-Krieges, der sei ja gerade mal sechs Monate her, hätten die Menschen hier erlebt, dass sie gerade bei so einer Internetblockade, wo sie dann so abgeschnitten sind von den Informationen von außen, dann solchen Angriffen auch relativ schutzlos ausgesetzt gewesen seien.

"Und dann", fährt Gaa fort, "gibt es natürlich auch immer noch die große Sorge davor, was das für eine Eskalationsspirale nach sich ziehen könnte, falls die USA tatsächlich militärisch eingreifen sollten".

Bilder von Trump und Chamenei sind nebeneinander auf dem Bild zu sehen, mit dem Bild eines amerikanischen Flugzeugträgers, den die US in den nahen Osten entsandt haben, als Hintergrund.

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