Shutdown in Iran: Wie das Regime Internet und Telefon abschaltete

Proteste gegen Staatsführung:Wie Iran das Internet abschaltete

von Ina Baltes

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Kein Internet, kein Telefon für 90 Millionen Menschen in Iran. Wie funktioniert das technisch? Und wäre ein Totalausfall auch in Deutschland denkbar?

Brennender Müllcontainer auf Straße in Teheran

In Iran gingen die Menschen tagelang auf die Straße. Das Regime schlägt mit aller Härte zurück.

14.01.2026 | 6:40 min

Auf https://radar.cloudflare.com/ kann man es genau sehen: Am 8. Januar gegen 16:30 Uhr kommt der Internet-Verkehr in Iran abrupt zum Erliegen. Fast 90 Millionen Menschen können technisch auf keine Art mehr kommunizieren. Festnetz, Handy, Internet - alles tot.

Internetsperre in Iran

ZDFheute Infografik

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Experten vermuten, dass die iranische Staatsführung zentral die Internet-Knotenpunkte zum Ausland blockiert hatte. Gleichzeitig gab es aber offenbar eine Whitelist, heißt: Einige sehr wenige explizit genehmigte IP-Adressen konnten kommunizieren.

Möglich war dieser Shutdown, weil der iranische Staat die Internet-Provider kontrolliert. Für das Land selbst bringt das Abschalten des Netzes einen enormen wirtschaftlichen Schaden mit sich. Darauf weist Markus Reuter von Netzpolitik.org hin. Denn ohne Netz komme die iranische Wirtschaft zum Erliegen. Die Staatsführung hatte genau für so einen Fall erfolglos versucht, ein eigenes Informationsnetzwerk im Land aufzubauen.

Iranische Bereitschaftspolizei steht Wache, während Studenten vor der britischen Botschaft in Teheran, Iran, am 14. Januar 2026 protestieren. Der Iran erlebt seit dem 8. Januar 2026 einen landesweiten Internetausfall, während sich die Welle der regierungsfeindlichen Proteste verstärkt.

Die Lage in Iran bleibt schwer fassbar. Das Regime organisiert Pro-Regierungs-Demonstrationen und droht Verhafteten mit öffentlichen Prozessen und Hinrichtungen.

14.01.2026 | 2:46 min

Internet-Shutdown: Keine Seltenheit

Auch andere Länder schalten öfters das Internet ab. Auf Pulse.internetsociety.org kann man das verfolgen: An der Spitze steht Indien mit 423 Abschaltungen seit 2018. In Iran sind es seitdem 17 - die jetzige ist die umfassendste, die Experten beobachtet haben.

Auch das ZDF hatte nach dem 8. Januar knapp zwei Tage lang keinen Kontakt zu seiner Korrespondentin Phoebe Gaa in Teheran.

Das ist ein extrem ungewöhnlicher Vorgang.

Manuel Weser, ZDF-Sicherheitsmanagement

SGS-Gaa-Sievers
Quelle: zdf

Phoebe Gaa ist derzeit eine von ganz wenigen westlichen Korrespondentinnen und Korrespondenten im Land. Am Dienstag, 13. Januar, konnte sie den Kontakt zum Sender via Mobilfunknetz (GSM) wiederherstellen. Normalerweise stattet das ZDF seine Korrespondenten in Krisengebieten mit Satellitentelefonen aus. In Iran ist das verboten.

Inzwischen zeichnet das ZDF in gewissen Zeitfenstern Telefongespräche mit Gaa zur Einschätzung der Lage vor Ort auf. Live-Gespräche sind immer noch sehr unsicher, auch die Qualität ist schlecht. Seit dem 14. Januar kann sie nur eingeschränkt und ortsgebunden das Internet nutzen.


Iran: Offenbar Störsender gegen Elon Musks Starlink

Die Kommunikationskrise in Iran war diesmal auch so umfassend, weil die Staatsführung offenbar zum ersten Mal mit Störsendern die Verbindungen zum Satellitensystem Starlink kappte. Das System von Elon Musk verfügt über rund 10.000 Satelliten im Erdorbit. Mithilfe einer viereckigen Antenne kommt man ins Internet. In Iran gibt es einige solcher Antennen, der Besitz aber steht unter hohen Strafen.

Pro-Regierungs-Demonstration in Teheran

"Die Menschen in Iran rufen nicht nach Reformen, sie rufen nach einem Ende des Regimes", sagt die Journalistin und Aktivistin Daniela Sepehri über die andauernde Protestwelle in Iran.

07.01.2026 | 3:55 min

Professor Andreas Knopp von der Universität der Bundeswehr in München erklärt, dass auch die EU versucht bis zum Ende dieses Jahrzehnts ein eigenes sicheres Satellitennetz "IRIS" aufzubauen. Aber:

Europa hinkt da deutlich hinter den USA hinterher.

Prof. Andreas Knopp, Universität der Bundeswehr München

Rund zehn Jahre Vorsprung habe Elon Musk mit Starlink, das durch eigene Raketen auch noch Kostenvorteile habe.

Mehrere hundert Demonstranten auf dem Römerberg in Frankfurt am Main bekunden ihre Unterstützung für die Proteste im Iran.

Die Regierung in Iran will Teilnehmer der Massenproteste vorerst wohl nicht hinrichten. In einem Interview sagte Irans Außenminister Araghtschi, es gebe keinen Plan, Menschen zu erhängen.

15.01.2026 | 1:53 min

Schwachstellen in Deutschland: Seekabel

Auch in Deutschland ist der komplette Ausfall des Internets theoretisch möglich. Durch die dezentrale Struktur des Netzes mit mehreren hundert Providern, auf die der Staat keinen Zugriff hat, ist ein Totalausfall jedoch unwahrscheinlich - selbst wenn das im Interesse der Regierung wäre. Aber:

Es ist dünnes Eis. Unmöglich ist der Komplettausfall des Internets in Deutschland nicht.

Professor Jochen Schiller Institute of Computer Science, Freie Universität Berlin

Denn zwei Schwachpunkte gibt es hierzulande: Deutschland ist durch große Überseekabel mit dem Ausland verbunden, die theoretisch durchtrennt werden könnten. Zudem steht eines der größten Rechenzentren der Welt, DE-CIX, in Frankfurt. In vergleichbaren Zentren in London oder Amsterdam hat es aber schon Ausfälle gegeben, die keine größeren Auswirkungen hatten.

Ina Baltes berichtet aus dem ZDF-Studio in Düsseldorf.

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Quelle: dpa

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Über dieses Thema berichteten mehrere Sendungen, unter anderem das auslandsjournal am 14.01.2026 ab 22:20 Uhr.
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