Druck aus USA, Mahnung aus China:Iran: Statt Hinrichtung Haft für Demonstrant Soltani
Nach Drohungen von US-Präsident Trump hat Irans Außenminister erklärt, dass es wegen der Proteste im Land keine Hinrichtungen geben soll. Das gilt auch für Demonstrant Soltani.
Nach der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste im Iran sollen laut Aktivisten über 3.400 Menschen getötet worden sein. Aktuell sind kaum noch Demonstrationen zu sehen.
15.01.2026 | 1:42 minDer bei regierungskritischen Protesten in Iran festgenommene Erfan Soltani wird offenbar doch nicht hingerichtet: Der 26-Jährige Demonstrant sei "nicht zum Tode verurteilt" worden, teilte die iranische Justiz am im Staatsfernsehen mit. Zuvor hatte Außenminister Abbas Araghtschi am Morgen künftige Hinrichtungen infolge der Massenproteste im Land verneint. Es gebe überhaupt keinen Plan, Menschen zu erhängen, sagte Araghtschi in einem Interview des US-Senders Fox News.
US-Präsident Donald Trump hatte Iran für den Fall, dass festgenommene Demonstranten hingerichtet werden, mit einer entschlossenen Reaktion gedroht. "Wir werden sehr hart reagieren", sagte er am Dienstag dem Sender CBS News.
Phoebe Gaa ist eine der wenigen westlichen Reporterinnen in Iran. Sie berichtet über ihre Arbeitsbedingungen dort und über die Lage und Proteste im Land.
15.01.2026 | 1:12 minChina rief mit Blick auf die anhaltenden Proteste in Iran gegen die Führung des Landes zu Dialog und Zurückhaltung auf. Dies habe Außenminister Wang Yi in einem Telefonat mit seinem iranischen Kollegen Abbas Araghtschi deutlich gemacht, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Donnerstag.
Staatsmedien: Keine Hinrichtung von Demonstrant geplant
Die iranischen Staatsmedien bestritten Berichte über eine angeblich verhängte Todesstrafe gegen einen jungen Demonstranten. Die Behauptung sei von "oppositionellen Medien im Ausland" gemacht worden, erläurtete die iranische Justiz am Donnerstag. Erfan Soltani werde in einer Haftanstalt außerhalb von Teheran festgehalten.
Als Anklagepunkte gegen Soltani nannte die Justiz "Propaganda gegen das islamische System des Iran" und "Handlungen gegen die nationale Sicherheit". Sollte Soltani für schuldig befunden werden, werde die Strafe "gemäß dem Gesetz eine Freiheitsstrafe sein, da für solche Anklagen keine Todesstrafe vorgesehen" sei, hieß es.
Die Lage in Iran bleibt schwer fassbar. Das Regime organisiert Pro-Regierungs-Demonstrationen und droht Verhafteten mit öffentlichen Prozessen und Hinrichtungen.
14.01.2026 | 2:46 minSoltanis Familie sowie eine Menschenrechtsgruppe hatten am Mittwochmorgen mitgeteilt, dass die Hinrichtung des in der vergangenen Woche festgenommenen 26-Jährigen verschoben worden sei.
Trump: Keine Pläne für Hinrichtungen in Iran
US-Präsident Donald Trump erklärte, er sei über ein Ende der "Tötungen" in Iran informiert worden.
Sie haben aufgehört, und es gibt keine Pläne für Hinrichtungen.
Donald Trump, US-Präsident
Er habe aus "zuverlässiger Quelle" erfahren, dass die Tötungen nachließen, sagte Trump bei einer Veranstaltung im Weißen Haus vor Journalisten. Weitere Angaben machte er zunächst nicht.
In Iran gehen die Menschen seit Wochen auf die Straße. Erst gegen die hohen Preise, weiteten sich die Demonstrationen zu Protesten gegen das Regime aus. Und das schlägt mit aller Härte zurück.
14.01.2026 | 6:40 minVermutlich tausende Todesopfer bei Massenprotesten
Der iranische Außenminister erneuerte bei Fox News seinen Vorwurf, dass ausländische "terroristische Elemente" für die Eskalation bei den Protesten verantwortlich seien. Er erhob auch den Vorwurf, dass gezielt Menschen getötet worden seien, um Trump in den Konflikt hineinzuziehen. Araghtschi sprach von einem angeblichen israelischen Plan. Er legte in der Sendung keinerlei Belege für diese Behauptung vor.
Araghtschi sagte, es gebe Hunderte Todesopfer. Genaue Zahlen wolle man bald veröffentlichen. Dem widersprechen Informationen von Aktivisten. Seit Ende Dezember wurden bei Protesten nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights mit Sitz in Oslo mindestens 3.428 Demonstranten getötet.
Nach Einschätzung von US-Analysten sieht sich Irans Führung durch die jüngsten Massenproteste im Land in ihrer Existenz bedroht. "Das iranische Regime betrachtet die Proteste als eine Vorstufe zur Revolution, die es vollständig und unverzüglich niederschlagen muss", heißt es in einer Analyse des Critical Threats Project (CTP).
Trump drohte wiederholt mit Intervention in Iran
US-Präsident Trump hatte in den vergangenen Tagen Teheran mehrfach mit einem Eingreifen gedroht. Am Dienstag schrieb er in seinem Onlinedienst Truth Social in Richtung der Demonstranten im Iran, Hilfe sei "unterwegs". Am Mittwoch verschärften mehrere Staaten ihre Sicherheitshinweise für Staatsbürger in der Region. Die USA wiesen einen Teil der Mitarbeiter an ihrem Luftwaffenstützpunkt in Katar an, diesen zu verlassen und forderten Staatsbürger auf, den Iran zu verlassen.
Trump bekräftigt seine Absichten, den iranischen Demonstranten beim Kampf gegen das repressive Regime zu helfen. Wie diese Hilfe aussehen soll, bleibt aber bisher unklar.
14.01.2026 | 1:30 minIran sperrt Luftraum für die meisten Flüge
Das Auswärtige Amt verwies in seinen Reisehinweisen für Katar und Saudi-Arabien auf eine "äußerst volatile Sicherheitslage in der gesamten Region". Nach Angaben der Plattform Flightradar24 sperrte der Iran in der Nacht seinen Luftraum für alle Flüge mit Ausnahme von internationalen Flügen von und nach Iran mit Genehmigung. Die Lufthansa meidet nach eigenen Angaben "bis auf Weiteres" den Luftraum über dem Iran und dem Nachbarland Irak.
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