KI-Bilder und alte Videos von Protesten:Iran: Diese Fakes gehen viral - so können Sie sie entlarven
von Oliver Klein
Millionenfach werden Bilder und Clips von den Iran-Protesten geteilt. Doch neben echten Aufnahmen kursieren auch KI-Videos und alte Clips. Wie lassen sich Fakes erkennen?
Eines der spektakulärsten Bilder aus Iran wurde mit KI erstellt.
Quelle: Screenshot XTrotz der Internetsperre in Iran gelangen immer mehr Fotos und Videos der Proteste im Land nach außen. Die meisten der Aufnahmen sind echt, doch in Sozialen Netzwerken kursieren auch zahlreiche Fakes: Veraltete Videos oder mit Künstlicher Intelligenz erstellte oder veränderte Bilder. ZDFheute hat einige Beispiele gesammelt - und erklärt, wie Sie die Fälschungen entlarven können.
68 Millionen Views für KI-Video von Protesten
Eines der am weitesten verbreiteten Videos zeigt Menschenmassen, die eine breite, dunkle Straße entlanglaufen. Von oben gesehen ein gigantisches Lichtermehr - denn die Menschen halten ihre Handys in die Höhe, deren Licht die Menge erhellt. Darüber eingeblendet der Schriftzug "all eyes on Iran" - also "alle Augen auf Iran".
Sreenshots aus dem weit verbreiteten KI-Video
Quelle: YouTubeDer Clip verbreitet sich auf allen Sozialen Netzwerken, bei X, TikTok, Instagram, Facebook, Reddit, Threads, einige der Reposts erreichen Hunderttausende Aufrufe. Aber das Video wurde mit Künstlicher Intelligenz erstellt: Per Bilderrückwärtsuche konnten wir den ursprünglichen Clip ausfindig machen - ein Post bei Instagram, den eine Nutzerin nach eigener Aussage als "digitale Hommage an die aktuellen Proteste in Iran" erstellt hat.
Ein Video mit protestierenden Menschen in den dunklen Straßen von Teheran habe die Verfasserin "inspiriert, die Szene mithilfe von KI als Kunstwerk nachzustellen". Inzwischen hat das Video rund 70 Millionen Views bei Instagram.
Solange keine Verifikation vor Ort möglich sei, werden Videos und Bilder aus Iran mit verschieden Tools mehrfach auf Aktualität und Verortung geprüft, so ZDF-Faktenchecker Jan Schneider.
12.01.2026 | 5:04 minDer Mann auf der Statue - mehr Dramatik Dank KI
Ähnlich verhält es sich bei diesem ikonisch wirkenden Bild: Ein Demonstrant steht auf einer Statue, lässt die iranische Flagge wehen, der Rauch im Hintergrund wird dramatisch angeleuchtet. Die Szene soll in der Stadt Chorramabad stattgefunden haben. Es ist die alte Flagge Irans, mit Löwe und Sonne in der Mitte. Das Motiv wurde zur Zeit des Schah bis zur islamischen Revolution von 1979 genutzt - inzwischen gilt es als Symbol des Protests.
Das Bild mit dem Demonstranten auf der Statue geht seit Tagen in Sozialen Netzwerken viral.
Quelle: Screenshot XDas Bild wird seit Tagen tausendfach in Sozialen Netzwerken gepostet und geteilt, selbst von Nachrichten-Accounts. "Dieses Bild muss in Geschichtsbücher", heißt es bei Reddit. Doch es ist offenbar mit Künstlicher Intelligenz erstellt: Das ergibt eine Analyse mit dem Google-Tool "SynthID", das dabei helfen kann, KI-Inhalte zu entdecken. Demnach enthält das Bild in allen Bereichen ein unsichtbares Wasserzeichen, das Google in eigene KI-generierte Inhalte einbaut.
"Erstellt mit Google-KI": Das Google-Tool "SynthID" erkennt ein Wasserzeichen und zeigt an, dass das Bild mit KI erstellt wurde.
Quelle: Screenshot XDas Bild hatte wohl eine reale Vorlage: ZDFheute konnte ein Video aus der Stadt Chorramabad finden, das eine ähnliche Szene zeigt. Auch hier klettert ein Mann bei Protesten auf eine Statue, befestigt dort eine Flagge. Offenbar wurde ein Standbild des Clips als Grundlage genommen, um daraus eine deutlich dramatischere Szene zu fertigen: Die KI von Google schärfte das Bild nach, fügte Rauch und gleißendes Licht hinzu, außerdem eine weitere Flagge und die Demonstranten am unteren Bildrand - und kreierte so das spektakuläre Bild.
KI machte aus dem Screenshot eines Videoclips (rechts) ein ikonisches Bild.
Quelle: Screenshot X, Screenshot TelegramAngebliche Iran-Proteste stammen aus Griechenland
Ein weiteres, tausendfach geteiltes Video soll massive Anti-Regierungsproteste in Teheran zeigen. Es sind gewalttätige Straßenschlachten zu sehen, zahlreiche Feuer auf einer Straße, Menschen werfen Molotowcocktails. Der Clip geht seit Tagen auf Plattformen wie X und Instagram viral - alleine ein Posting bei X wurde über drei Millionen mal angezeigt. "Die Proteste können nun offiziell als Revolution bezeichnet werden", heißt es dazu.
Tatsächlich stammt die Aufnahme aber aus Griechenland - und entstand Wochen vor den aktuellen Unruhen in Iran. Recherchen mit Bilderrückwärtssuche führten zu einer höher aufgelösten Version des Videos, die bereits am 2. November auf Instagram veröffentlicht wurde. Der Aufnahmeort lässt sich einer Straße in Thessaloniki zuordnen, zu sehen sind Medienberichten zufolge gewaltsame Zusammenstöße zwischen vermummten Jugendlichen und Polizeikräften in Thessaloniki nach einem Rap-Konzert.
Die angeblichen Straßenschlachten aus Teheran stammen in Wirklichkeit aus Griechenland.
Quelle: Screenshot XObwohl die Führung Irans eine strikte Internetsperre verhängt hat, schaffen es Videos in die Sozialen Medien. ZDFheute hat überprüft, ob die Aufnahmen authentisch sind.
12.01.2026 | 1:42 minWie kann ich selbst ein Foto oder Video überprüfen?
Bilderrückwärtssuche: Mit Suchmaschinen wie Google, Bing oder Yandex lassen sich Bilder rückwärts suchen: Man gibt der Suchmaschine ein Bild - das kann auch ein Screenshot aus einem Video sein - und die Suchmaschine zeigt, auf welchen Webseiten oder in welchen Accounts in Sozialen Netzwerken das Bild oder das Video verwendet wird. So gelingt oft eine Einschätzung, wie lange das Material schon im Internet ist, von wem es verbreitet wird - oder man findet sogar das Originalbild oder -video, das zuerst online ging.
KI-Tools: Zahlreiche Online-Tools wie "AIorNot" versprechen, KI-generierte Inhalte zu entlarven - in vielen Fällen spucken sie jedoch falsche Ergebnisse aus. Alternativ können Sie ein Bild in der Google-KI Gemini hochladen und um eine Analyse bitten. Das System kann zum einen typische Fehler entlarven, die KI bei der Bilderstellung häufig macht. Aber vor allem: Wurde das Bild selbst mit einer Google-KI erstellt, enthält es ein typisches, unsichtbares Wasserzeichen, das Google wiederum bei der Analyse erkennt. Wenn allerdings andere KI-Systeme zur Bilderstellung verwendet wurden, kann auch Gemini keine verlässliche Antwort geben.
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